Gladbachs Sportdirektor Max Eberl hat einen Teil der Fans nach dem Champions-League-Spiel gegen Manchester City scharf kritisiert.

Gladbach

Eberl pestet gegen ungeduldige Fans

Andreas Berten
25. November 2016, 07:37 Uhr
Foto: firo

Foto: firo

Gladbachs Sportdirektor Max Eberl hat einen Teil der Fans nach dem Champions-League-Spiel gegen Manchester City scharf kritisiert.

Es war ein skurriles Bild im Bauch des Borussia-Parks in der Nacht zu Donnerstag. André Schubert durchquerte den Bereich des Stadions, in dem Fußballer mit Journalisten ein Spiel analysieren, und schaute herüber zu Max Eberl. Auf dem Weg zur Pressekonferenz, auf der er das 1:1 gegen Manchester City und das Überwintern in einem europäischen Wettbewerb als Errungenschaft für den Verein bezeichnen würde, konnte der Trainer von Borussia Mönchengladbach seinen Sportdirektor wegen der vielen Gespräche im Raum nicht hören. Schuberts hochgezogene Augenbrauen verrieten aber seine Ahnung, dass Eberl wegen eines Teils der Zuschauer gerade die Hutschnur hochging.

Das sind dumme Menschen
Sportdirektor Max Eberl über die pfeifenden Zuschauer

„Das sind dumme Menschen“, sagte Eberl. Das Publikum mit einer nach seiner Einschätzung zu hohen Erwartungshaltung möge doch nach München weiterziehen. Das saß. Gladbachs Erfolgsmanager nahm vereinzelte Pfiffe bei der Auswechslung des offensiven, aber gelb-rot-gefährdeten Mo Dahoud zum Anlass für eine fast viertelstündige Brandrede. „Was haben sie erwartet?”, führte der 43-Jährige aus. „Dass wir mit zehn Mann ManCity aus dem Stadion fegen?“ Eberl erkennt eine Zerrissenheit mit einigen Fans und sah den Zeitpunkt gekommen, auf den Tisch zu hauen. „Wir feiern hier den Einzug in die Europa League – aber jeder geht nach Hause, als sei das ,Business as usual’. Damit kann ich ganz schlecht umgehen.“

Auf der Nordtribüne hätten sie es wohl lieber gesehen, wenn die Borussia nach den Toren von Raffael (23.) und David Silva (45.+1) sowie je einem Platzverweis auf beiden Seiten (Lars Stindl/51. und Fernandinho/63.) weiter auf Sieg gespielt hätte. Die Chance aufs Erreichen des Königsklassen-Achtelfinals war angesichts des Vorrundenausklangs am Nikolaustag beim FC Barcelona ohnehin gering, Schubert entschied sich für die Absicherung des Weiterkommens light. Die Reaktionen darauf brachten Eberl auf die Palme: „Da guckt einer keinen Fußball, da will einer nur Frust abladen und darauf warten, jetzt kann ich endlich dem Eberl was sagen. Es sind nicht viele, aber die hörst du in so einer Stimmungslage noch eher.”
Die Borussia holen gesellschaftliche Prozesse ein: Man gewöhnt sich flott an Standards, kennt nur noch Schwarz oder Weiß, tauscht realistische Erwartungshaltungen gegen überbordende Träumereien aus.

Abstieg, Aufstieg, neues Stadion, sportliche Konsolidierung bis zum Europapokal – Eberl hat in seinen 17 Jahren am Niederrhein alles miterlebt, mahnte aber stets, dass es nicht ständig bergauf gehen könne. Weil die Fohlen nur Bundesliga-13. sind, droht die Champions-League-Hymne nächste Saison nicht in Gladbach zu hören zu sein. „Unzufriedenheit: ja“, schnaufte Eberl, „aber gleich das große Ganze infrage zu stellen? Das halte ich für gefährlich.“ Wobei sich die Fankritik ja auf André Schubert konzentriert.

Der Abend hat bei Eberl eine tiefe Wunde hinterlassen. „Wenn um uns herum Dinge entstehen, die ich nicht aufhalten kann, muss ich nach Hause gehen.“ Das klang so, als würde Eberl einen Abgang in Betracht ziehen. Er wirkte diesem Eindruck aber noch entgegen: Einstellige Tabellenplätze würden nicht umsonst als Zielvorgabe herausgegeben, „vielleicht hätte ich klarer sagen müssen: Wir wollen dieses Jahr nicht absteigen“, sagte Eberl und lächelte schon wieder milde, „das mache ich dann im nächsten Sommer.“

Autor: Andreas Berten

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Rubriken

Kommentieren