Dass sich die Vereine Borussia Dortmund und Schalke 04 mehr ähneln, als ihren Fans lieb ist, bleibt eine Tatsache.

BVB-Kommentar

Watzke verdirbt sich seinen Ruf

Ulrich Homann
23. November 2016, 07:07 Uhr
Foto: Getty Images

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Dass sich die Vereine Borussia Dortmund und Schalke 04 mehr ähneln, als ihren Fans lieb ist, bleibt eine Tatsache.

Die gleiche Strahlkraft, die Emotionen, die Höhen und Täler in einer Herkunft, die auf Kohle und Stahl gründet, was die einen mehr, die anderen weniger am liebsten vergessen wollen.

Und an der Spitze leisten sich beide Klubs Persönlichkeiten, die auch so manche Parallelen aufzuweisen haben. Beide im Westfälischen beheimatet und mit der entsprechenden Sturheit ausgestattet, entspringen sie einem Unternehmertum, dem Fleiß und Beharrlichkeit eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte geschrieben haben, bei der nur ein Mangel herrscht: Die Anerkennung und Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Weder das Schlachten von Nutzvieh noch die Herstellung von Arbeitsschutzwesten führt im Münster- wie Sauerland zu sonderlicher Berühmtheit. Bisweilen findet sich mal eine Notiz im Wirtschaftsteil. Und gelangweilte Lokalredakteure nennen auch mal den Freibierspender beim Feuerwehrfest mit vollem Namen. Doch das kann Menschen vom Schlage Tönnies oder Watzke nicht genug sein.

Sinnfreie "Spitzen" von Watzke

Ihrer Gier nach Berühmtheit und Schlagzeilen können sie in ihrer Eigenschaft als Lenker der Revier-Großklubs in vollem Umfang nachkommen. Während sich der Schalker Part dieses Fegefeuers der Eitelkeit endlich, nach langen Jahren der Dauerpräsenz in allen Medien, eine gewisse Enthaltsamkeit aufgelegt hat, legt das Gegenstück offenbar gerade wieder richtig los. Die Rede von Hans-Joachim Watzke bei der BVB-Aktionärsversammlung war jedenfalls angesichts der Fülle an weitgehend sinnfreien „Spitzen“ gegen alle mögliche Konkurrenz nur in Häppchen aufzuarbeiten.

Da geht einem Funktionär offenbar gerade derartig der Gaul durch, dass zu befürchten ist, auch die derzeitige Berühmtheit ist ihm lange nicht genug. Wohin man in den letzten Wochen seinen Blick in der Medienwelt auch schweifen ließ – ein Tag ohne „Aki“ Watzke ließ Sorgen aufkommen, ob ihm etwas zugestoßen sein könnte. Dabei werden dem Mann die verdienten Meriten, die er sich um den BVB erworben hat, doch von keiner Seite abgesprochen.

BVB-Geschäftsführer verdirbt sich seinen Ruf

Eher verdirbt er sich aber seinen untadeligen Ruf durch diese effektheischenden Vergleiche mit anderen Klubs im In- und Ausland. Und seine nur noch skurrilen Versuche, als eine Art Robin Hood den familiären BVB zur Trutzburg gegen Kommerz und Beliebigkeit zu erklären, haben mit der Realität der Dortmunder Aktiengesellschaft überhaupt nichts zu tun. Damit erreicht er nur einen Effekt, der noch schlimmer ist als keine Aufmerksamkeit – den der Lächerlichkeit.

Autor: Ulrich Homann

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