Rot-Weiss Essen rutscht nach dem Rückzug von Sponsor RWE unter eine Bezahl-Schwelle und muss keine Stadionpacht mehr zahlen. Die Kosten übernimmt die Stadt. Ein Kommentar.

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Darum ist Rot-Weiss Essen ein Regionalligist

Martin Herms
19. November 2016, 16:12 Uhr
Foto: Tillmann

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Rot-Weiss Essen rutscht nach dem Rückzug von Sponsor RWE unter eine Bezahl-Schwelle und muss keine Stadionpacht mehr zahlen. Die Kosten übernimmt die Stadt. Ein Kommentar.

Auf den ersten Blick ist es eine positive Nachricht. Fußball-Regionalligist Rot-Weiss Essen muss keine Stadionpacht mehr bezahlen. Im letzten Jahr waren es stolze 80.000 Euro, die der Viertligist für die Nutzung des Stadions Essen überweisen musste. Für die laufende Spielzeit muss der Klub keinen einzigen Cent aufbringen. Der Grund dafür ist jedoch besorgniserregend.

Durch ausbleibende Sponsoreneinnahmen, der Verein musste zuletzt unter anderem den Verlust des langjährigen Partners RWE hinnehmen, wurde eine vereinbarte Umsatz-Schwelle unterschritten. Jene sah vor, dass RWE von jedem zusätzlich kassierten Euro 25 Cent an die Stadt abführt. Von den Gewinnen des Vereins sollten mehrere Parteien profitieren. So jedenfalls hatten es sich alle Verantwortlichen vorgestellt, als die Pläne für den Bau des Stadions verabschiedet wurden.

Neben den sportlich erfolgreichen Frauen sollte im Stadion Essen auf lange Sicht ein Dritt- oder Zweitligist spielen. Auftritte nationaler und internationaler Stars waren als zusätzliche Einnahmequelle vorgesehen und sollten das 64 Millionen teure Großprojekt weiter aufhübschen.

Vier Jahre nach der Eröffnung muss festgestellt werden, dass sämtliche Pläne und Visionen kläglich gescheitert sind. RWE kann die sportlichen Erwartungen nicht erfüllen und versauert seit dem Aufstieg vor fünf Jahren im Niemandsland der vierten Liga. Um die Event-Planung anzuschieben, gibt es sogar Überlegungen, den Nachbarn Schalke 04 ins Boot zu holen. Die Höchststrafe für jeden RWE-Fan.

Nun muss der Steuerzahler aushelfen

Was bleibt, ist ein Millionengrab, das die hochverschuldete Stadt Essen nun weiter belastet. Der Versuch, dem größten Fußballverein der Stadt unter die Arme zu greifen und das Stadion mit allen Mitteln zu halten, ist nobel. Auf Dauer ist das ohne die Unterstützung der Wirtschaft aber nicht umzusetzen. Rücklagen in Höhe von rund einer Million Euro müssen nun jährlich aufgetrieben werden, um das Stadion nicht verkommen zu lassen. Der Rückzug des Großkonzerns RWE war ein falsches Zeichen. Eine Summe von jährlich 80.000 Euro wäre für ein Unternehmen dieser Größe ein Kleckerbetrag. Stattdessen muss nun der Steuerzahler aushelfen, um die Spielstätte eines Viertligisten zu finanzieren. Für RWE ist die ausbleibende Gebühr für die Stadionpacht kurzfristig freilich kein großer Nachteil. Für jeden Amateurverein, der Geld für die Nutzung städtischer Sportanlagen bezahlen muss, ist dieser Umstand jedoch ein satter Tiefschlag.

Dass mehrere Unternehmen ihr Sponsoring zuletzt verringert haben, ist zum Teil auch ein Verschulden des Vereins. Die sportliche Perspektivlosigkeit hat der Attraktivität des deutschen Meisters von 1955 geschadet. Große Erfolge liegen in immer weiterer Vergangenheit. Die Zuschauerzahlen stagnieren, die Stimmung ist spätestens nach dem Rückzug der Ultras nicht mit jener im alten Georg-Melches-Stadion zu vergleichen. Die große Begeisterung rund um die Hafenstraße ist verflogen. Zu enttäuschend waren die letzten drei Jahre, als es zu personellen Fehlgriffen wie Uwe Harttgen, Marc Fascher, Andreas Winkler oder Jan Siewert kam. Immerhin konnte der Abwärtstrend unter Sven Demandt gestoppt werden. Um den Aufstieg wird RWE aber trotz der guten Arbeit des Ex-Profis nicht mitspielen können.

Die Tabelle lügt nicht, lautet eine Floskel im Sport. Außenstehende stellen sich stets die Frage, warum ein Traditionsverein wie Rot-Weiss Essen seit Jahren in der Regionalliga versauert. Die Probleme liegen aber auf der Hand. Das fehlende Engagement der Wirtschaft und zahlreiche sportliche Enttäuschungen haben diesen großen Klub zu einem Dauergast in Liga vier gemacht.

Autor: Martin Herms

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