Der frühere Hamburger Sportchef Peter Knäbel glaubt nicht, dass der Bochumer Sportvorstand Christian Hochstätter dem Tabellenletzten schnell helfen kann.

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Peter Knäbel glaubt nicht an Hochstätter-Effekt

Henrik Jacobs
10. November 2016, 07:37 Uhr

Der frühere Hamburger Sportchef Peter Knäbel glaubt nicht, dass der Bochumer Sportvorstand Christian Hochstätter dem Tabellenletzten schnell helfen kann.

Beim Training des Hamburger SV spielten am Mittwochmorgen im Volkspark einige vereinseigene Talente bei Trainer Markus Gisdol vor. Der neue Sportdirektor, der die Profimannschaft des HSV verstärken soll, war noch nicht dabei. Christian Hochstätter, Sportvorstand des VfL Bochum, ist sich zwar mit den Hamburgern über einen Wechsel von der Ruhr an die Elbe einig, doch der Vertragspoker zwischen dem Zweitligisten und dem Bundesliga-Tabellenletzten um die Ablösesumme war auch am Mittwochabend nicht abgeschlossen.

Es stellt sich die Frage, was ein neuer Sportchef in dieser Phase der Saison bei den Hamburgern eigentlich bewirken kann? „Für den HSV ist jetzt entscheidend, dass er die Baustelle schließt“, sagt der Mann, mit dessen Entlassung sich der Klub die Baustelle erst aufgemacht hatte. Peter Knäbel, gebürtiger Wittener und früherer VfL-Bochum-Profi, war von September 2014 bis Mai 2016 Sportchef des HSV und arbeitet seit wenigen Tagen für ein zeitlich gebundenes Projekt im Nachwuchs des FC Zürich.

Seit Knäbel in Hamburg beurlaubt wurde, fehlt dem HSV-Trainer ein Ansprechpartner in den täglichen Fragen und Abläufen. Zunächst wurde Bruno Labbadia alleine gelassen, nun ergeht es Gisdol so. „Der Sportchef ist dafür verantwortlich, den Trainer in Topform zu bringen und zu halten“, sagt Knäbel im Gespräch mit dieser Zeitung. „Er muss dem Trainer den Rücken stärken und mit ihm gemeinsam Entscheidungen treffen.“ Dass Hochstätter dem HSV auf Anhieb helfen kann, hält Knäbel für unwahrscheinlich: „Wirksam in die Teambildung einwirken zu können, wird erst in der Transferperiode möglich sein.“ Also ab 1. Januar.

In so einer schwierigen Phase ist es unheimlich wichtig, dass der Sportchef ganz nah an der Mannschaft ist
Peter Knäbel

Abzuwarten bleibt zudem, wie gut Hochstätter und Gisdol harmonieren werden. In den Entscheidungsprozess des Vorstands um den Vorsitzenden Dietmar Beiersdorfer ist der Trainer nicht eingebunden. „Ich werde informiert, aber die Entscheidungen treffen andere“, sagt Gisdol, der in seiner Trainerkarriere mit Hochstätter bislang keine größeren Berührungspunkte hatte.

Harmonische Führungstandems gab es in den vergangenen Jahren nur wenige in Hamburg. Vor dem Duo Knäbel/Labbadia waren es am ehesten noch Trainer Mirko Slomka und Sportchef Oliver Kreuzer, die nur wenige Monate zusammenarbeiteten. „In so einer schwierigen Phase ist es unheimlich wichtig, dass der Sportchef ganz nah an der Mannschaft ist und für den Trainer rund um die Uhr als Ansprechpartner zur Verfügung steht“, sagt Kreuzer. Viel Zeit sollte sich Beiersdorfer also nicht mehr lassen, um die Verhandlungen mit Bochum abzuschließen.

Autor: Henrik Jacobs

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