Das dürfte es also gewesen sein mit Christian Hochstätter und seinem Projekt VfL Bochum.

VfL-Kommentar

Schauspiel wirkt inzwischen irgendwie eklig

Michael Eckhardt
07. November 2016, 20:29 Uhr

Das dürfte es also gewesen sein mit Christian Hochstätter und seinem Projekt VfL Bochum.

Wer glaubt denn noch, der Sportvorstand des VfL Bochum werde nach einem netten Tagesausflug an die Alster ins Ruhrgebiet zurückkehren und sagen, mir gefällt es an der Castroper Straße doch besser, ich setze mich jetzt mal wieder an meinen Schreibtisch? Und wie stünde der VfL denn da in diesem Fall? Sollen die Verantwortlichen dann vor lauter Dankbarkeit, dass ihr Sportvorstand dem großen HSV einen Korb gegeben hat, auf den Knien rutschen? Nein, vermutlich kursieren bereits die Summen, die für den anstehenden Wechsel bewegt werden. Und man kann sogar den Verdacht hegen, dass der Aufsichtsrat des VfL Bochum Hochstätters Vertrag kürzlich nur deshalb bis 2020 verlängert hat, weil er um die Avancen anderer Klubs wusste und im Fall der Fälle eine anständige Entschädigung für seinen Verzicht verlangen darf. Das ist sicher vorausschauend und clever.

Was aber in dieser Causa extrem stört, ist die falsche Frömmigkeit, das Getue auf allen Seiten, man habe zusammen ja noch so viel vor. Es ist noch keine zwei Wochen her, da feierte man im Audimax der Ruhr-Uni das Hochamt des Wir-Gefühls, ließ sich von mehr als 700 Mitgliedern dafür beklatschen, was man geschafft hatte und wie man sich die – natürlich gemeinsame – Zukunft vorstellt. Wirkt inzwischen irgendwie eklig, dieses Schauspiel.

Dass Christian Hochstätter, wie er in einem Interview mit dieser Zeitung gesagt hat, die Vertragsverlängerung auch als „Signal“ verstanden wissen wollte, kommt noch on top und vermag in der Rückschau nur massive Übelkeit auszulösen. Signal? Für wen und für was? Bei so viel falsch verstandenem „Pragmatismus“ hilft auch das beste Leitbild nicht mehr.

Und wie geht’s weiter? Der Aufsichtsrat des VfL hat auf Hochstätters Kompetenz gebaut, der wiederum, ohne nach rechts und links zu schauen, auf Gertjan Verbeek. Augen zu und durch lautete seitdem die Devise aller Beteiligten, lassen wir ihn doch mal machen.

Ob der Polarisierer ohne die hundertprozentige Rückendeckung desjenigen, der ihn geholt hat, noch große Lust verspürt, mit einer mittelmäßigen Zweitliga-Mannschaft zu arbeiten, ist fraglich. Nach der Niederlage in Fürth wirkte Verbeek jedenfalls sonderbar emotionslos.

Autor: Michael Eckhardt

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften

Rubriken

Kommentieren