Der frühere Trainer von Borussia Dortmund mischt mit dem FC Liverpool die englische Premier League auf. Die BVB-Fans erfreut das. Vermissen muss ihn deshalb bei Schwarz-Gelb jedoch niemand.

Kommentar

Hätte der BVB Jürgen Klopp doch behalten sollen?

Andreas Berten
07. November 2016, 16:19 Uhr
Foto: Firo

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Der frühere Trainer von Borussia Dortmund mischt mit dem FC Liverpool die englische Premier League auf. Die BVB-Fans erfreut das. Vermissen muss ihn deshalb bei Schwarz-Gelb jedoch niemand.

Fans von Borussia Dortmund werden selig in Erinnerung geschwelgt haben, als Jürgen Klopp am Wochenende Interviews nach dem 6:1-Sieg gegen den FC Watford gegeben hat. Mit geschlossenen Augen hätten sie beim Zuhören sogar auf die Idee kommen können, dass der 49-Jährige da noch in Schwarz und Gelb gekleidet war, als er sagte: „Das beste Wort, um dieses Spiel zu beschreiben, ist folgendes: Booooom.“ Auf jeden Fall ein Satz, der gut zu seinen BVB-Zeiten gepasst hätte. Und wie Klopp vorher mit den Armen rudernd und gestenreich die Tore seiner neuen Mannschaft gefeiert hat, allemal auch.

Es ist zweifelsohne bemerkenswert, was Klopp derzeit aus den Reds herausholt. Erstmals seit zweieinhalb Jahren führt Liverpool Englands Liga der Millionen und Milliarden an. Vorsichtig dürfen Liverpools Fans von der ersten Meisterschaft seit 1990 träumen. Damals spielten noch John Barnes, Peter Beardsley und Ian Rush für den Klub. Doch Klopp tut gut daran, die Erwartungen einzufangen, die Hysterie nicht Überhand nehmen zu lassen. Der FC Arsenal? FC Chelsea? Manchester City? Tottenham Hotspur? Nicht zu vernachlässigen, sagt Klopp und verbittet sich daher Hochrechnungen: „Wenn jemand denkt, dass ein Punkt Vorsprung nach elf Spielen ein aussagekräftiges Zeichen für den Rest der Saison ist, kann ich dieser Person nicht helfen.“

Die Entwicklung der Beziehung zwischen Klopp und Liverpool lässt offenbar jedoch einige Dortmunder Fans so wehmütig werden, dass sie sich wünschen, die Trennung vom Liebling der Massen zum Ende der Saison 2014/2015 hätte nie stattgefunden. Über die sozialen Netzwerke im Internet waren derlei Bekundungen vereinzelt jedenfalls schon zu lesen. Eine Vorstellung, die den Traditionalisten auf den Tribünen oder auf den Sofas daheim gut gefallen mag. Aber keine, die dem BVB weiterhelfen würde.

Es sind ja durchaus vergleichbare Situationen, die Klopp einst in Dortmund vorgefunden hat und mit denen er nun in Liverpool eine neue Euphorie entfacht. Wobei er in der Saison 2015/2016 im ersten Dreivierteljahr seines Wirkens den schlummernden Riesen ja auch nur auf Platz acht hat führen können. In Dortmund aber hätte es nach der katastrophalen zweiten Hälfte des Jahres 2014 aber keinen Sinn mehr gemacht, an Klopp festzuhalten. Sein Nachfolger Thomas Tuchel hat die Mannschaft noch mal auf ein anderes Niveau gehoben, sie taktisch weiter entwickelt, variabler gemacht. Die Anerkennung dafür hat er auch zurecht erfahren. Dass der BVB in einer Saison des Umbruchs, wie es die Verantwortlichen um Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc immer wieder betont haben, derzeit einige Punkte zu wenig auf dem Konto hat, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Entscheidung zugunsten Tuchels die richtige war.

Autor: Andreas Berten

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