Ambitionen in Richtung obere Tabellenhälfte, die spürt man innerhalb des Bochumer Teams bei jedem Heimspiel.

VfL nur Mittelmaß

Beständig nur in der Unbeständigkeit

06. November 2016, 12:10 Uhr
Foto: firo

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Ambitionen in Richtung obere Tabellenhälfte, die spürt man innerhalb des Bochumer Teams bei jedem Heimspiel.

Doch auf den langen Auswärtsfahrten in Liga zwei scheint vieles davon auf der Strecke zu bleiben.

In Fürth war es nicht anders. Zwar war das Gros der VfL-Gemeinde der festen Überzeugung, dass man bei der 1:2 (0:0)-Niederlage eigentlich als Sieger hätte vom Platz gehen müssen, schließlich sprach der Spieltagsreport mit eindrucksvollen Statistiken für die Bochumer. Doch unterm Strich blieb das blanke Resultat. Und dann war das Spiel im Ronhof letztendlich doch nicht so schön, wie man es sich gerne machen wollte. Die Spielvereinigung, in den letzten vier Spielen ohne Punkt und Tor, brauchte nicht einmal eine starke Leistung, um den VfL in die Schranken zu verweisen. Und dies lag gewiss nicht daran, dass Trainer Gertjan Verbeek die Mannschaft wieder einmal umbauen musste. Die Qualität nämlich, die der VfL fast ausnahmslos in den Heimspielen auf den Platz bringt, ist in der Fremde meist im Verborgenen geblieben. Und so häufen sich die Niederlagen in einer Fülle, dass sich der VfL jegliche Gedanken an höhere Tabellenregionen erst einmal abschminken muss. Die relativ konstante Heimbilanz dient momentan eher dazu, nicht in untere Abstiegsregionen zu rutschen.

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt. Die erste Halbzeit nicht gut, in der zweiten klar die bessere Mannschaft, klare, eigene Möglichkeiten nicht genutzt und zweimal stümperhaft ins Verderben gerannt. Dass die Führung der Hausherren aus einem Eckball für den VfL zu Stande kam, sagt vieles über eine gewisse Naivität beim Umschalten aus. Die Krux daran: Vor gut zwei Wochen war im Ronhof ein ähnliches Tor gefallen. Bei der Videoanalyse haben die VfL-Spieler offensichtlich nicht aufgepasst. Nicht zu verschweigen ist, dass unmittelbar zuvor Hooglands Schuss von der Torlinie der Fürther geschlagen worden ist.

Doch als Selim Gündüz' Hereinnahme sich als Glücksgriff erwies - sechs Minuten nach seiner Einwechslung traf er zum Ausgleich - schien der VfL die Begegnung doch noch für sich entscheiden zu können. Doch wieder einmal patzte die Abwehr, die mittlerweile nach den Gegentreffern 22 und 23 nach Aue die zweitschlechteste der Liga ist. Wo gegen Heidenheim leidenschaftlich und mit dem letzten Aufgebot kompakt gearbeitet wurde, herrschte im Frankenland für gegnerische Angreifer unverständlicher Freiraum.

Was ein wenig erschreckt, waren die vielen warmen Worte, in die die Protagonisten, den unzureichenden Auftritt kleideten. Mit Interviews nach dem Spiel ist das so eine Sache. Man ist genervt, gefrustet, kaputt und enttäuscht. Und viele Dinge würden sich vielleicht am Tag danach anders anhören. Deshalb sollte man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Doch wenn ein erfahrener Spieler wie Marco Stiepermann ausgerechnet an alter Wirkungsstätte zu der Erkenntnis kommt: „Wir haben die Zweikämpfe nicht zu 100 Prozent angenommen. Deshalb bin ich frustriert über diese bittere Niederlage“, dann sagt das vielleicht doch aus, dass die Mannschaft im Ronhof nicht an ihr Leistungslimit gegangen ist.

Trainer Verbeek wirkte verständlicherweise auf der Pressekonferenz noch ein wenig wortkarg, äußerte sich kritisch über die erste Halbzeit, sah seine Mannschaft im zweiten Abschnitt mit deutlichen Vorteilen, aber haderte mit der Abwehr: „Wenn man so zwei Tore reinbekommt, dann muss man drei schießen. Das haben wir nicht getan.“ Vielleicht dachte er in diesem Moment an die Szene nach einer guten Stunde, als Johannes Wurtz alleine aufs gegnerische Tor zulief und scheiterte (60.) oder an Halbzeit eins, als dieser einen kapitalen Schnitzer des Keepers nicht verwertete.

Felix Bastians, der als Kapitän des VfL aufgrund seines Jobs bei jedem Ergebnis Rede und Antwort stehen muss, ärgerte sich maßlos darüber, dass der VfL nun schon im 20. Zweitligaspiel in Folge das Tor nicht sauber halten konnte: „Dass wir nach einer eigenen Ecke mit anschließender Großchance in einen Konter laufen, das darf einfach nicht passieren. Dabei hatte doch schon die Aufstellung der Fürther uns signalisiert, dass sie mit dieser Taktik ins Spiel gehen. Wir haben ihnen auch dann noch die Räume dazu gegeben.“ Und dann ärgerte sich der Innenverteidiger noch über die wenigen, allerdings hochkarätigen eigenen Möglichkeiten: „Da muss man einfach mehr draus machen.“ So traf er selbst in der Nachspielzeit nur das Außennetz. Sein Fazit: „Wir müssen auswärts einfach kompakter verteidigen.“

Dem ist nichts hinzuzufügen. Denn ein Blick auf die Tabelle verrät, was Stiepermann schonungslos nach dem Abpfiff zugab: „Wir sind nur noch Mittelmaß.“ Vier Siege, vier Unentschieden, vier Niederlagen geben dem Routinier recht und sind gleich ein Beleg dafür, dass sich der VfL momentan unter seinen eigenen Ansprüchen bewegt. Das wurde in Fürth deutlich und ist nicht allein dem Verletzungspech geschuldet.

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