In der Landesligapartie zwischen dem ESC Rellinghausen und TuS E-West 81 kam es am vergangenen Wochenende zu einem fragwürdigen Platzverweis für ESC-Verteidiger Robin Puhan.

ESC Rellinghausen

Video wirft Rätsel auf

28. Oktober 2016, 14:06 Uhr
Foto: firo

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In der Landesligapartie zwischen dem ESC Rellinghausen und TuS E-West 81 kam es am vergangenen Wochenende zu einem fragwürdigen Platzverweis für ESC-Verteidiger Robin Puhan.

Es läuft die 76. Spielminute auf der Sportanlage an der Keplerstraße in Essen. Rellinghausens Innenverteidiger [person=3763]Ruben Nipken[/person] gewinnt einen Zweikampf mit TuS-Stürmer [person=31837]Alison Rafael Leite dos Santos[/person], der danach auf dem Boden liegt bleibt. Nipken läuft im Eifer des Gefechts weiter, dribbelt Gegenspieler [person=20206]Dominic Christoph[/person] aus und wird von diesem mit einem heftigen Foul an der Auslinie zu Fall gebracht. Das Ergebnis der Szene ist eine Rudelbildung mehrerer Spieler, in der ESC-Verteidiger [person=6596]Robin Puhan[/person] wütend auf Christoph zustürmt, diesen aber nicht mehr vollständig erreicht, da er kurz vorher von 81-Akteur [person=6538]Kevin Zamkiewicz[/person]weggezerrt wird. Christoph kommt im unübersichtlichen Gerangel zu Fall und Schiedsrichter Ulankiewicz zeigt Puhan daraufhin die Rote Karte. Christoph sieht für sein rüdes Einsteigen Gelb.

Im offiziellen Spielbericht heißt es: "Nach einem Foulspiel an der Außenlinie auf Höhe der Mittellinie durch die Nr. 15 Dominic Christoph (TuS Essen-West), rannte der Spieler Nr. 3 Robin Puhan (ESC Rellinghausen) vom eigenen Strafraum zu diesem Spieler und stoß ihn heftig mit beiden Händen zu Boden. In der gleichen Bewegung hat er seinen Gegenspieler gegen das Schienbein getreten. Der Ball war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr spielbar, da bereits wegen Foulspiel unterbrochen wurde."

Der natürliche Vorgang nach so einer Entscheidung des Schiedsrichters: Der Staffelleiter der Landesliga erhält Einsicht in den Spielbericht und urteilt über das Strafmaß. Verantwortlich für die Landesliga ist in diesem Fall Herr Reinhold Dohmen, der Puhan eine Sperre von vier Wochen erteilt hat. Eine harte Strafe, denn zur Beurteilung der Szene liegt tatsächlich ein Video vor. Die Videoplattform "Powerplay-TV-Essen" war live vor Ort und hatte die komplette Szene im Kasten. Nach Bewertung der Bilder wird eines deutlich: Puhan rennt zwar verärgert auf Christoph zu, kann diesen aber nicht erreichen und wird von Zamkiewicz weggezogen, um keine "Dummheiten" zu fabrizieren. Der Spieler Christoph geht theatralisch zu Boden. Unklar ist, ob er dabei böswillig am Schienbein getroffen wurde. Einen Schubser hat er von Puhan den Bildern nach zu urteilen nicht erhalten.

Die angesprochene Szene beginnt bei Minute 9:25.
[video]youtube,https://www.youtube.com/watch?v=-jGfZVtgqdE[/video]

"Natürlich war ich sauer auf den Spieler, da er Ruben Nipken brutal gefoult hat", erklärt Puhan. "Ich weiß selber, dass ich da ruhiger bleiben muss. Dennoch ist die Beurteilung des Unparteiischen schlichtweg falsch. Ich habe den Spieler weder mit zwei, noch mit einer Hand geschubst und werde selber weggezogen, bevor ich ihn überhaupt stellen kann. Danach bekomme ich die Rote Karte und muss im Spielbericht lesen, dass ich meinen Gegenspieler vorsätzlich vor das Schienbein getreten und mit beiden Händen stark umgeschubst habe - da fehlen mir die Worte! Der Schiedsrichter hat bis dato ein starkes Spiel gemacht und gut mit den Spielern kommuniziert, aber in dieser Szene lag er völlig falsch."

Das Vorhaben des ESC Rellinghausen war klar: Das Video sollte zum Verband geschickt und dem Staffelleiter klar gemacht werden, dass die Szene zu hart beurteilt wurde und die Strafe gemildert werden müsse. Es handelt sich in diesem Fall um eine Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters, was bedeutet, dass die Sperre lediglich auf zwei Wochen reduziert werden könnte. "Da gibt es für uns überhaupt keine Alternative", erklärt Staffelleiter Dohmen gegenüber RevierSport. "Der Videobeweis zählt noch nicht in dieser Liga. Erst ab der nächsten Saison ist vereinbart, ihn in die Bewertungen solcher Szenen mit einfließen zu lassen", berichtet er weiter. "Ich kann eine Szene lediglich nach dem Spielbericht bewerten und da steht eindeutig drin, dass der Spieler Puhan geschubst und getreten hat. Sollten wir eine Beschwerde des Vereins erhalten, werden wir dieser nicht stattgeben und sie an die zuständige Verbandsspruchkammer übergeben."

Das prekäre an der Situation: Dohmen hat das Video der der Szene auf Wunsch von Rellinghausen selber gesehen, behauptet aber, die Geschehnisse in dem Video nicht erkennen zu können. "Ich habe das Video auf Wunsch des Vereins angeschaut und habe die beurteilte Szene nicht gesehen. Die Tätlichkeit ist auf diesem Video nicht zu beurteilen". Ob er ein anderes Video gesehen hat als die Protagonisten? Fraglich, denn viel mehr Videos als das von Powerplay-TV-Essen wird es zur angesprochenen Auseinandersetzung nicht geben.

"Das Video spricht klar für sich", meint hingegen Ruben Nipken, der nach dem Foul bis spät Abends im Krankenhaus verweilte und an einem eingebluteten Schleimbeutel behandelt werden musste. "Man sieht keinen Schienbeintritt. Kevin Zamkiewicz wollte Robin wegreißen, um ihn vor Dummheiten zu bewahren. Robin hat den gegnerischen Spieler also weder geschubst, noch brutal getreten", berichtet der Mannschaftskapitän des ESC Rellinghausen.

"Die Schiedsrichter sind in jeder Rangelei bereit, rote Karten zu ziehen. Aber wenn jemand an der Seitenlinie brutal gelegt wird, bleibt der Platzverweis aus. Wir mussten den Schiedsrichter sogar noch daran erinnern, Dominic Christoph nach dem Foul die gelbe Karte zu zeigen - unfassbar." Zamkiewicz, der Puhan zurückhielt, bewertete die Szene nach dem Spiel ebenso deutlich zu Gunsten des ESC-Akteurs. "Klar sind die Emotionen da etwas hochgekocht, es ist ja schließlich ein Derby. Ich habe Robin einfach weggezogen, was auf dem Video etwas dramatischer aussieht, als es eigentlich war. Er hat überhaupt nichts schlimmes gemacht und unseren Spieler weder getreten noch geschubst. Der Linienrichter gab dem Schiedsrichter dann wohl den Tipp, dass Robin eine Tätligkeit begangen haben soll. Das kann ich nicht bestätigen und habe es dem Schiedsrichter auch so mitgeteilt. Wenn ich irgendwo für Robin Puhan aussagen soll, werde ich das tun."

ESC-Coach Marco Guglielmi, der wenig Verständnis für die Entscheidung des Schiedsrichters aufbringt, bewertet die Szene ähnlich wie die Spieler, nimmt Kapitän Nipken aber auch in die Pflicht:" Ich habe Ruben gesagt, dass er denn Ball ins Aus spielen muss, wenn der Gegner auf dem Boden liegen bleibt. Dennoch muss Dominic Christoph nicht so in den Zweikampf gehen. Das Theater war danach natürlich groß, obgleich sich TuS Essen West nach dem Spiel sehr fair verhalten hat. Kevin Zamkiewicz ist nach der Rudelbildung sogar zum Schiedsrichter gegangen, hat ihn gebeten die rote Karte gegen Robin zurück zu nehmen und ihm gesagt, dass die Szene nach dem Foul nicht so dramatisch gewesen sei. Der Unparteiische hatte das ganze aber leider anders gesehen und dementsprechend beurteilt", erklärt Guglielmi. "Wo er aber einen Tritt auf das Schienbein und einen heftigen Schubser gesehen haben will, bleibt mir völlig schleierhaft. Wir werden gegen die rote Karte als Verein Einspruch einlegen."

Ohnehin verstehe der ESC-Coach nicht, wieso ein Video nicht zumindest in der Bewertung des Strafmaßes an Land gezogen werden darf. "Wenn ich schon die Möglichkeit habe, eine Szene per Video zu bewerten, wieso nutzen wir diese Mittel dann nicht auch? Es soll doch darum gehen, die Spieler fair und sportlich zu behandeln."

Schiedsrichter Ulankiewicz wollte sich auf Anfrage von RevierSport nicht zu seiner Entscheidung äußern. Ein neues Urteil wird in der kommenden Woche erwartet.

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