Larry Mitchell war früh dran, viel früher als sein Trainerkollege Jari Pasanen.

Eishockey

Trainer rechnet mit seinem Team ab - auf englisch

Falk Blesken
24. Oktober 2016, 21:02 Uhr
Foto: Funke Foto Services

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Larry Mitchell war früh dran, viel früher als sein Trainerkollege Jari Pasanen.

Vielleicht war das den Abläufen in Reihen der Straubing Tigers nach dem Gastspiel bei den Iserlohn Roosters geschuldet, vielleicht musste Mitchell, der Trainer der Bayern, aber auch etwas Abstand von seiner Mannschaft gewinnen. Nach einer verdienten 2:0-Führung hatte diese noch mit 2:4 gegen die Roosters und damit ihr siebtes Spiel in Folge in der Deutschen Eishockey Liga verloren.

Das nagte an Mitchell, als er den kleinen Presseraum in der Eishalle am Seilersee betrat, in dem die Gästetrainer meistens zwei, drei allgemeine Statements zum Spiel abgeben und sich nach einem (privaten) Fachgespräch mit Jari Pasanen, dem Coach der Roosters, im Anschluss an die Pressekonferenz wieder verabschieden. Das tat Mitchell später auch, aber kurz nachdem Pasanen ebenfalls eingetroffen war und die Frage-Antwort-Runde begonnen hatte, sorgte Mitchell für eine Überraschung. Selbst Pasanen war das Erstaunen über die Worte seines Kollegen anzusehen.

Diese Worte waren nicht deshalb so besonders, weil Mitchell öffentlich seit kurzem nur noch Englisch spricht, „obwohl Larry besser Deutsch sprechen kann als ich“, wie Pasanen grinsend anmerkte - und der aus Finnland stammende Trainer der Roosters spricht ziemlich gut. Hintergrund dieser ungewöhnlichen Maßnahme des Straubinger Trainers ist ein Streit mit der Deutschen Eishockey Liga, die ihn nach einer vermeintlichen Schiedsrichter-Schelte mit einer Geldstrafe im dreistelligen Bereich belegt haben soll. „Mein Deutsch ist für die DEL offensichtlich zu schlecht, also muss ich Englisch sprechen“, erklärte er emotionslos.

Weit mehr Emotionen lagen allerdings in Mitchells folgenden Äußerungen, die einer schonungslosen Abrechnung mit einigen seiner Spieler gleichkamen. „Ich arbeite in meiner zehnten Saison in der DEL, aber es ist das erste Mal, dass ich so etwas sagen muss“, begann Mitchell. Und fuhr fort: „Es tut mir leid für alle Fans der Straubing Tigers, es tut mir leid für unseren Manager und es tut mir leid für jeden, der unsere Mannschaft mitfinanziert. Eishockey ist, im Gegensatz zu Golf zu Beispiel, eine Mannschaftssportart und in dieser ist kein Platz für Egoisten. Egoismus führt nicht zu Siegen, Egoismus führt nur zu immer weiteren Niederlagen“, sagte Mitchell und durch die ruhige Art und Weise seiner Philippika gewann diese an zusätzlicher Schärfe. „Wir haben heute großartig gespielt, wir hatten einen Plan, um dieses Spiel zu gewinnen, aber der Egoismus einiger hat uns ein weiteres Spiel verlieren lassen“, ergänzte der Trainer des Liga-Schlusslichts.
„Ich weiß genau, was Larry meint“, sagte wenig später auch Jari Pasanen. „Wir Trainer schauen so viele Videos, dass unsere Augen viereckig werden, aber es gibt Spieler, die schauen einfach nicht hin oder hören nicht zu.“ Ihn ärgerte erneut das anfangs sehr schwache Überzahlspiel der Roosters. „Das war das schlechteste Überzahlspiel in der Geschichte des Eishockeys“, echauffierte sich Pasanen, „ich habe den Jungs irgendwann gesagt: Wer das weiter so spielt, der spielt in der ganzen restlichen Saison keine Überzahl mehr.“

Offensichtlich erzielten seine Worte die richtige Wirkung, da die Treffer von Chad Bassen und Blair Jones zum 2:2-Ausgleich in Überzahl fielen und sie das Spiel kippten. Wie sich Larry Mitchells Worte auf die Straubing Tigers auswirken, wird sich noch zeigen müssen.

Autor: Falk Blesken

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