Gerade einmal 26 Jahre ist Timo Perthel alt. Und doch gehört er schon zu den Senioren im VfL-Team. Seine Zeit in Bochum ist noch lange nicht abgelaufen.

VfL Bochum

Warum Perthel noch lange bleiben will

24. Oktober 2016, 10:45 Uhr
Foto: Firo

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Gerade einmal 26 Jahre ist Timo Perthel alt. Und doch gehört er schon zu den Senioren im VfL-Team. Seine Zeit in Bochum ist noch lange nicht abgelaufen.

„Eigentlich habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht. Aber wir haben schon wirklich einen sehr jungen Kader“, sagt er.

Als er im Mai 2014 beim VfL unterschrieb, da waren nicht wenige Anhänger skeptisch. Denn seine Vita ließ den Verdacht aufkommen, dass der Linksfuß in die Kategorie „Wandervogel“ einzuordnen ist. Vor seinem VfL-Engagement war es ein Jahr in Braunschweig, davor Duisburg, Rostock und Graz – immer hatte es ihn nach einem Jahr weitergezogen. Doch Perthel wird nicht müde, noch einmal die Umstände zu erklären: „Einmal war es ein Lizenzentzug, das andere Mal ein Abstieg. Es waren auch die Gegebenheiten, es lag nicht nur an mir.“

Mit zwei Wünschen wechselte er vor zwei Jahren an die Castroper Straße. Zum einen wollte er endlich sesshaft werden, zum anderen regelmäßig spielen. Und das in einer intakten Mannschaft. Dass dies gelungen ist, beweist schon die Tatsache, dass der Außenverteidiger zu Beginn des Jahres seinen auslaufenden Vertrag um weitere drei Jahre verlängerte, und nun bis Juni 2019 an den VfL gebunden ist. „Ich bin sehr froh, in Bochum zu sein, und das habe ich mit meiner Unterschrift dokumentiert“, sagt Perthel.

Perthel ist beschwerdefrei

Zuletzt verletzungsbedingt auf der Tribüne, meldete sich der Abwehrspieler am vergangenen Freitag beim 2:2 gegen den SV Sandhausen zurück, absolvierte 45 Minuten beschwerdefrei und bestätigte dies auch am Mittwoch beim Testspiel gegen die U23 von Schalke 04 (4:0). „Ich bin froh, dass ich die Verletzung überstanden habe und wieder mitwirken kann. Jetzt gilt es noch, im Training die verlorene Fitness aufzuholen“, gibt Perthel Einblick in seine Planung.

Natürlich macht sich so ein erfahrener Spieler Gedanken über die Formschwankungen. Perthel: „Auch wenn die jungen Spieler bisher einen prima Job gemacht haben – so viele Ausfälle, wie wir in den ersten Spielen zu kompensieren hatten, das ist einfach nicht zu verkraften. Es verging ja zuletzt kein einziges Spiel mehr, in dem der Trainer die Mannschaft auf mehreren Positionen deutlich verändern musste.“

Allerdings wollte Perthel die Nicht-Leistung gegen Sandhausen nicht ausschließlich am Teamversagen aufhängen. „Man muss auch einmal anerkennen, dass der Gegner das gegen uns defensiv sehr gut gemacht hat. Da hatten wir große Schwierigkeiten, uns durchzusetzen“, analysiert der Verteidiger.

Auch das kuriose Torverhältnis seines Teams beschäftigt ihn: „Die Anzahl unserer erzielten Treffer geht schon in Ordnung, aber defensiv funktioniert das einfach noch nicht. Dafür ist nicht allein die Defensive, sondern die komplette Mannschaft verantwortlich. Wir müssen defensiv einfach noch geschlossener arbeiten und die Konzentration bei Standards erhöhen.“

Reise in die Vergangenheit

Prognosen oder Wasserstandsmeldungen abzugeben, wie es beim VfL bis zur Winter- oder gar bis zur Sommerpause weitergeht, ist nicht das Ding des geborenen Pfälzers: „Ich bin kein Freund von Prognosen, denn die letzten Wochen mit vielen schlimmen Verletzungen haben gezeigt, wie unkalkulierbar eine Saison ist. Deshalb gehen meine Gedanken ausschließlich in Richtung Montag.“

Und dieses Spiel auf dem Betzenberg in Kaiserslautern ist für den 1,85 Meter großen Außenverteidiger auch eine Reise in die Vergangenheit. Auch wenn ihn mit dem 1. FC Kaiserslautern nichts verbindet, so ist es dennoch immerhin die Rückkehr in seine Geburtsstadt. Dass seine fußballerische Laufbahn nicht den Weg über die „Roten Teufel“ nahm, hat einen ganz bestimmten Grund. Als er sechs Jahre alt war, zog seine Familie wegen einer Atemwegs-Erkrankung seines Bruder in den Norden Deutschlands. Weil dort die Luft besser war als in der Pfalz, verschlug es den heute 26-Jährigen zum TuS Syke, von wo aus er zu Werder Bremen wechselte.

Bei der Rückkehr in seine Geburtsstadt möchte er ähnlich erfolgreich sein wie in der letzten Rückrunde, als sein Team auf dem Betzenberg mit 2:0 die Oberhand behielt: „Dort wollen wir unbedingt den zweiten Auswärtssieg.“

Perthel fühlt sich wohl

Natürlich hat er die kuriosen Ergebnisse im Hinterkopf, mit der die zweite Liga Woche für Woche aufwartet. „Das ist manchmal einfach nicht zu begreifen, aber uns sollte es nicht ablenken. Wir müssen unsere Spiele gewinnen“, fordert Perthel.

Dass die jungen Spieler an den ersten neun Spieltagen weit mehr Einsatzzeiten bekamen, als zu erwarten war, sieht er für die Youngster als eine Art Glücksfall an: „Ich finde, das ist genau der richtige Weg. Das hätte ich mir als junger Spieler auch gewünscht. Wenn sie sich monatelang einen Kopf machen, weil sie nicht zum Einsatz kommen, dann bauen sie einen Druck auf, der den ein oder anderen verkrampfen lässt. Wenn sie aber so ins kalte Wasser geworfen werden, dann können sie sich freischwimmen, und jeder verzeiht ihnen auch einen Fehler.“

Perthel wirkt gelassen. Man sieht ihm den Spaß bei der Arbeit an, und auch privat hat er endlich die innere Ruhe gefunden, seitdem in den letzten beiden Sommermonaten kein Umzug auf der Tagesordnung der Familie stand. „Hier ist alles perfekt. Im Januar werde ich zum zweiten Mal Vater. In Bochum haben endlich eine richtig schöne Bleibe gefunden“, schließt er ab.

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