Obwohl Phillipp Laux stets einen Ruf als solider Bundesliga-Torhüter genoss, absolvierte er nur 84 Profispiele für den BVB, Eintracht Braunschweig und den Überraschungsbundesligisten SSV Ulm. RevierSport unterhielt sich mit dem 34-Jährigen, der 2002 mit der Dortmunder Borussia  Deutscher Meister wurde und mittlerweile als Torwarttrainer beim ambitionierten Zweitligisten 1899 Hoffenheim aktiv ist.

Was macht eigentlich...?

Phillipp Laux

31. August 2007, 11:22 Uhr

Obwohl Phillipp Laux stets einen Ruf als solider Bundesliga-Torhüter genoss, absolvierte er nur 84 Profispiele für den BVB, Eintracht Braunschweig und den Überraschungsbundesligisten SSV Ulm. RevierSport unterhielt sich mit dem 34-Jährigen, der 2002 mit der Dortmunder Borussia Deutscher Meister wurde und mittlerweile als Torwarttrainer beim ambitionierten Zweitligisten 1899 Hoffenheim aktiv ist.

Herr Laux, warum haben Sie bereits mit 30 Jahren Ihre Karriere beendet und ein Psychologie-Studium in Mannheim angefangen?

Ich musste leider sehr früh aufgrund eines Knorpelschadens im Knie mit dem Fußball aufhören. Es bestand keinerlei Hoffnung mehr, noch weiter zu spielen. Ich habe mich bereits während meiner Spielerzeit mit psychologischen Aspekten beschäftigt. Dr. Hans-Dieter Hermann, der unsere Spieler in Hoffenheim psychologisch berät, hatte während meiner Zeit in Ulm dort einige interessante Vorträge gehalten. Als Profi aufzuhören war allerdings ein harter Schritt. Den täglichen Wettkampf, den man als Profi erlebt, habe ich anfangs doch stark vermisst.

Immer mehr Fußballprofis entscheiden sich schon während ihrer Laufbahn für ein Studium. Wie ist dieser Trend zu erklären?

Die Spieler merken, dass sie sich auch in anderen Bereichen weiterentwickeln können. Für viele Profis ist es auch eine willkommene Ablenkung zu studieren oder eine Ausbildung zu absolvieren. Allerdings muss man dazu sagen, dass ich das Studium in Mannheim zu meiner Zeit als Profi gar nicht hätte bewältigen können, denn es bestand in vielen Seminaren Anwesenheitspflicht. Auf der anderen Seite wechseln nur wenige Profis nach dem Karriereende sofort an die Uni oder zu einer Ausbildungsstelle. Die meisten Spieler kennen sich eben mit Fußball am besten aus und wollen dementsprechend auch unbedingt im Profigeschäft weiter tätig sein. Mir war es ja damals auch sehr wichtig, weiter als Torwarttrainer arbeiten zu können.

Bei 1899 Hoffenheim sind Sie sowohl als Torwarttrainer, als auch als Sportpsychologe tätig. Wo liegt Ihr Hauptaufgabenfeld?

Unseren Sportpsychologen Herrn Hermann, der auch die Nationalmannschaft betreut, unterstütze ich bereits in einigen Bereichen. Bis ich meinen Abschluss als Diplom-Psychologe erworben habe, bin ich allerdings in der Hauptsache als Torwarttrainer aktiv.

In wieweit können die Tipps eines Psychologen die Arbeit des Cheftrainers ergänzen?

Es schadet nicht, wenn einem Spieler zusätzlich zum Coach ein weiterer Ansprechpartner zur Verfügung steht. Es geht vor allem darum, sich mental auf bestimmte Spielsituationen einzustellen. Man sollte sich schon vor einer Begegnung mögliche Spielszenen vorstellen, dann ist man im Match besser auf Eventualitäten eingestellt. Ein entscheidender Punkt ist auch der Umgang mit Stress.

Stößt ein Sportpsychologe sofort auf uneingeschränkte Akzeptanz, wenn er vor eine Mannschaft tritt?

Viele Leute denken, man wolle die Spieler therapeutisch behandeln. In Wirklichkeit geht es um Leistungsoptimierung und eine bestmögliche Vorbereitung auf das kommende Spiel. Dieses zusätzliche Angebot wird von den allermeisten Spielern sehr geschätzt. Dr. Hermann führt sehr viele Einzelgespräche mit den Spielern. Da er der Schweigepflicht unterliegt, dringen auch die Inhalte nicht nach draußen. Psychologie ist ein weiterer Mosaikstein, um besser zu werden.

Können Sie sich an einen konkreten Moment in Ihrer Karriere erinnern, als Ihnen die mentale Vorbereitung geholfen hat?

Sehr gut sogar. Im Dortmunder Meisterschaftsjahr 2001/2002 wurde ich am 9.Spieltag im Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach für den verletzten Jens Lehmann eingewechselt. Der Vorteil lag darin, dass ich mich von Anfang an so intensiv auf das Spiel und viele Situationen vorbereitet hatte, als ob ich schon in der Startelf gewesen wäre. Viele Spielszenen bin ich bereits vor der Partie innerlich durchgegangen. Ich hatte keinerlei Anlaufschwierigkeiten und am Ende gewannen wir 2:1. Wenn man die Situationen, die im Spiel eintreten können, vorher genau durchspielt, dann ist die Wahrscheinlichkeit größer, konzentriert und fokussiert auf die jeweilige Situation zu sein.

Interview: Jörn Duddeck

Autor:

Kommentieren