Nach dem 2:2 gegen den SV Sandhausen gab es beim VfL Bochum Gesprächsbedarf.

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Grusel-Auftakt geht Verantwortlichen unter die Haut

16. Oktober 2016, 20:08 Uhr
Foto: firo

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Nach dem 2:2 gegen den SV Sandhausen gab es beim VfL Bochum Gesprächsbedarf.

Der Begrüßungssekt, den ein Sponsor vor dem Spiel den Gästen in der VIP-Etage reichte, oder die Fußbälle, die zur Pause auf die Zuschauerränge gekickt wurden, wirkten nach dem enttäuschenden 2:2 (0:1) gegen den SV Sandhausen als Geschenk deplatziert. Unter dem Eindruck des Spiels hätte man den zahlenden Kunden eher Beruhigungspillen oder Baldriantropfen reichen müssen. Denn der Grusel-Auftritt der VfL-Kicker in den ersten 45 Minuten ging den Verantwortlichen das gesamte Wochenende unter die Haut.

Gesichter: Manuel Riemann, der zum 17. Mal in Folge nicht ohne Gegentor blieb, sprintete regelrecht in die Kabine, mochte in der Mixed Zone nicht reden und winkte auch nach einem Gespräch mit seinen ehemaligen Klub-Kameraden des SVS nur kopfschüttelnd ab. Aufsichtsrats-Boss Hans-Peter Villis sah man die Qualen ebenfalls an, obwohl er bemüht war, einige aufgebrachte Sponsoren zu beruhigen.

Worte: Trainer Gertjan Verbeek nutzte die Pressekonferenz am Freitagabend und nahm bei der Spielanalyse kein Blatt vor den Mund: „Der Gegner hatte einen Plan, uns das Spiel so schwer wie möglich zu machen. Dann braucht man selbst ein hochwertiges Positionsspiel mit viel Aggressivität. Das hatten wir nicht. Der Gegner war immer in der Lage, sich zu befreien, weil wir viele Fehlpässe im Spiel hatten. Ich hatte gehofft, mit der Einwechslung von Timo Perthel mehr Dynamik auf der linken Seite hinzubekommen. Der Wechsel kam aber nicht, weil Nico Rieble so schlecht war. Beim Aufholen hatten wir dann auch ein bisschen Glück. Die Flanke von Tom Weilandt hatte ich eigentlich schon verflucht. Danach haben wir endlich so gespielt, wie wir uns das vorgenommen haben.“

Und dann gab es auch ein kleines Lob vom Coach: „Dass wir uns nach dem 0:2 noch einmal aufgerichtet haben, dafür muss ich die Mannschaft loben.“ Sportvorstand Christian Hochstätter, weitab von Kameras und Mikrophonen, war in der Wortwahl ein wenig drastischer: „Was soll ich nach so einem Scheißspiel noch sagen? Wir hatten zu wenig Bewegung und zu wenig Tempo. Dann nehme ich nicht die Youngster, sondern unsere erfahrenen Spieler in die Pflicht. Wo waren die heute?“

Reaktionen: Nach einer ersten Hälfte, die zu den schlechtesten Heimspiel-Auftritten der letzten Jahre zählte, und die der eines Abstiegs-Kandidaten entsprach, gab es zwar zur Pause von den Anhängern vereinzelte Pfiffe, doch Missfallens-Orkan blieb fast gänzlich aus. Und als der VfL die Aufholjagd zumindest mit einem Teilerfolg enden ließ, da durfte die Mannschaft getrost zur Ostkurve kommen und wurde fast herzlich verabschiedet.

Einer der Gründe dafür ist wohl die Tatsache, dass VfL-Mannschaften vergangener Jahre nach einem 0:2-Rückstand hilflos in eine Heimniederlage gestolpert wären. Diese Mannschaft aber, die trotz eines Grusel-Auftritts in der ersten Hälfte noch den Willen hatte, so eine Partie zum halbwegs Guten zu wenden.

Ursachen: Gegen den SV Sandhausen hakte das Spiel im Mittelfeld. Und plötzlich wurde deutlich, welche Spieler-Persönlichkeit dort mit Anthony Losilla fast ohne Pause die Führung der Mannschaft innehat. Der Franzose, selten in den Schlagzeilen, ist einer der Köpfe im Team. Als er Freitagabend fehlte und nach einer Meniskus-Operation das Spiel auf dem Rasen mit seinem Sohn von der Tribüne aus verfolgte, fehlte dem VfL ein Schlüsselspieler. Stark in der Defensive, gnadenlos in der Balleroberung, hellwach bei Standards – gerade solche Tugenden gingen dem VfL in Abschnitt eins völlig ab. Und da sieht dann ein junger Spieler wie Russell Canouse, was ihm bei allem Enthusiasmus und bei aller Leidenschaft noch fehlt.

Was dem VfL noch fehlt, ist die nicht nur von Manuel Riemann geforderte hohe Aufmerksamkeit bei gegnerischen Standards. Da nützt es wenig, dass Trainer Verbeek immer wieder das Verhalten bei Standards trainiert – so wie am Donnerstag beim Abschlusstraining. Tendiert die Aufmerksamkeit dann im Spiel bei Freistößen oder Eckbällen gegen Null, werden Gegentreffer nach ruhenden Bällen zur ungeliebten Tradition. Gegen Sandhausen war es nicht nur der Treffer zum 0:2, sondern auch der Warnschuss vor der Halbzeit, als Jakub Kosecki mit einem Kopfball nach einem Freistoß den Querbalken traf. Doch offensichtlich blieb diese Aktion ohne Reaktion.

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