Es braucht genau eine Szene, um 90 Minuten Fußball-Oberliga zwischen dem TV Jahn Hiesfeld und dem SC 1911 Kapellen-Erft zu beschreiben.

Hiesfeld harmlos

Elfer verschossen und taktische Defizite

Felix zur Nieden
16. Oktober 2016, 18:21 Uhr
Foto: Tillmann

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Es braucht genau eine Szene, um 90 Minuten Fußball-Oberliga zwischen dem TV Jahn Hiesfeld und dem SC 1911 Kapellen-Erft zu beschreiben.

In der 43. Spielminute entschied Schiedsrichter René Katernberg auf Elfmeter für die Hausherren. Joel Zwikirsch war auf den Torhüter der Gäste zugelaufen, der hart in den Pressschlag einstieg. Zu hart für den Geschmack des Unparteiischen. Doch so recht wollte keiner der Dinslakener die Verantwortung tragen. Am Ende holte sich Damiano Schirru zögerlich den Ball. Sein Versuch ein Sinnbild für die Dinslakener Offensivbemühungen. Flach und ohne den nötigen Druck schob er das Leder in die Mitte. Christopher Möllering hatte nicht den Hauch von Mühe, den Elfmeter zu entschärfen. Harmlos in Hiesfeld...

Jahns Trainer Georg Mewes hatte schon vor dem Spiel angekündigt, seine Startelf umzubauen. Kevin Kolberg, der in Schonnebeck einen Elfmeter verschoss, blieb ebenso auf der Bank wie Ioannis Alexiou. Dafür durfte der junge Erkut Ay ebenso ran wie der erst 20-jährige Raffael Schütz in der Innenverteidigung. Sie machten ihre Sache beide gut – sonderlich viel gefordert wurde die Abwehrreihe der Hausherren in 90 Minuten allerdings auch nicht.

Es dauerte 23 Minuten, ehe es für die Zuschauer überhaupt etwas zu sehen gab. Kevin Menke tauchte vor dem Tor der Kapellener auf, doch im letzten Moment konnte ein Abwehrspieler im noch den Ball vom Fuß spitzeln. Danach konnten die wenigen Zuschauer sich getrost wieder der wärmenden Herbstsonne zuwenden, denn auf dem Rasen passierte – nichts. Bis zum Elfmeter. „Wir haben jetzt drei Elfmeter in folge verschossen. Ich begreife das nicht. Größere Chancen kann man nicht bekommen. Aber was wir offensiv bieten, hat mit Gefahr rein gar nichts zu tun“, ärgerte sich Georg Mewes nach dem Spiel.

Viel Ballbesitz, aber wenigegute Angriffe herausgespielt

Auch nach dem Seitenwechsel wurde es nicht viel besser. Die Hiesfelder hatten deutlich mehr Ballbesitz, wirklich strukturierte Angriffe kamen dabei aber nicht heraus. Viel mehr offenbarten die „Veilchen“ in ihrer Harmlosigkeit auch noch eklatante taktische Defizite. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen waren teils so groß, dass ein geordneter Spielaufbau ohne langen Pass gar nicht möglich war. Viele Laufwege der Mittelfeldspieler waren schlicht nutzlos, und wenn einer von ihnen in einem der Halbräume hätte auftauchen müssen, dann war weit und breit nichts von ihnen zu sehen. „Wir trainieren Positionsspiele und Laufwege in jeder Einheit. Und sonntags sieht man davon rein gar nichts“, machte Mewes seinem Ärger über die Spielweise seiner Elf Luft. Die langen Bälle, die der später eingewechselte Kevin Kolberg, Gino Mastrolonardo oder auch Kevin Menke spielten, waren planlos, leichte Beute für den Torhüter oder segelten gleich direkt ins Toraus.

Zum Glück für die „Veilchen“ hatten die Gäste aus Kapellen aber ganz offensichtlich selbst nur geringes Interesse daran, die Partie zu ihren Gunsten zu entscheiden. Auf genau drei Angriffe, die diese Bezeichnung überhaupt verdienen, brachten sie es im gesamten Spiel. Ihre beste Gelegenheit hatten sie, als sie nach einer abgefangenen Ecke der Hiesfelder einen Überzahl-Konter fahren konnten. Ein ungenaues Abspiel später war die vermeintliche Gefahr auch schon gebannt.

Nur zwei Mal wurde es für die Gäste noch „gefährlich“. In der 69. Spielminute schickte Kevin Menke Gino Mastrolonardo, doch dessen Versuch traf nur das Außennetz. Neun Minuten später tauchte Kevin Kolberg 12 Meter vor dem Tor der Kapellener auf, doch seinem Schussversuch fehlte der Druck und war für Torhüter Möllenring leicht abzufangen.

„Da freuen sich doch die anderen Mannschaften, wie leicht es ist, gegen uns zu Null zu spielen. Aber ich bin ja heute schon froh, dass wir es endlich mal geschafft haben, kein Gegentor zu kassieren“, sagte Georg Mewes. Schiedsrichter René Katernberg war ganz offensichtlich vom Spiel ebenfalls alles andere als angetan. Nach exakt 90 Minuten nutzte er eine Verletzungsunterbrechung, um das Spiel ohne eine Sekunde Nachspielzeit abzupfeifen. Die Zuschauer dürften es ihm gedankt haben. Sie konnten sich nun endgültig den letzten Sonnenstrahlen zuwenden.

Autor: Felix zur Nieden

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