Oberligist KFC Uerdingen hat gegen den Drittliga-Spitzenreiter MSV Duisburg nur knapp eine Sensation verpasst. Ursächlich für die 0:1 (0:0)-Niederlage war ein später Aussetzer.

KFC - MSV

Krefelds verhängnisvolle 60 Sekunden

Martin Herms
09. Oktober 2016, 19:47 Uhr
Foto: Thorsten Tillmann

Foto: Thorsten Tillmann

Oberligist KFC Uerdingen hat gegen den Drittliga-Spitzenreiter MSV Duisburg nur knapp eine Sensation verpasst. Ursächlich für die 0:1 (0:0)-Niederlage war ein später Aussetzer.

Es ist die 86. Spielminute im Grotenburg-Stadion, als die Stimmung im Lager der Krefelder Fans ihren Höhepunkt erreicht. Wenige Minuten vor dem Ende hält der krasse Außenseiter im Traditionsduell gegen den letztjährigen Zweitligisten ein leistungsgerechtes 0:0. Tanju Öztürk holt nach einem beherzten Ausflug nach vorne 25 Meter vor dem Duisburger Tor einen Freistoß heraus. Die Hoffnung im KFC-Lager auf einen Lucky Punch ist größer als je zuvor. Ein gut getroffener Ball könnte den Favoriten vor 7320 Zuschauern aus dem Wettbewerb werfen. Es blieb bei einem Traum, denn der Ball wurde erst gar nicht auf das Tor der Zebras gebracht.

Weil der ehemalige Schalker Pascale Talarski den Freistoß zu früh ausführte, pfiff Schiedsrichter Martin Ulankiewicz die Aktion ab. Die Chance war leichtfertig vertan. Hauptprotagonist Talarski haderte im Anschluss mit der Entscheidung: "Einige Duisburger sind zu früh losgelaufen. Er hätte den Freistoß auch wiederholen können. Das ist schade, denn es war eine gute Position."

Es war die Schlüsselszene des Spiels, denn nur 60 Sekunden später klingelte es im Kasten der tapferen Gastgeber. Nach der unnötigen Freistoß-Situation war die sonst sichere Defensive des KFC für einen Moment ungeordnet. Nico Klotz konnte unbedrängt flanken, im Zentrum war der eingewechselte Simon Brandtstetter einen Schritt schneller als Uerdingens Kris Thackray am Ball und bugsierte die Kugel unter die Latte des Krefelder Tores. Von dort sprang das Leder hinter die Linie. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht nach einem klaren Tor aussah, waren sich alle Beteiligten im Nachgang einig: "Es ging zwar alles sehr schnell, aber ich stand direkt daneben und der Ball war definitiv drin", beteuerte MSV-Stürmer Kingsley Onuegbu. Auch KFC-Trainer Andre Pawlak wollte erst keine Wembley-Diskussion aufkommen lassen: "Von der Bank war es nicht zu erkennen. Allerdings habe ich es später in einer Kamera sehen können. Der Ball war hinter der Linie."

Der Favorit nutzte den einzigen Fehler, dem ihm der Underdog anbot. Pawlak sah eine "starke Leistung" seines Teams: "Die Jungs haben alles hervorragend umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben fast nichts zugelassen und sind immer wieder konstruktiv nach vorne gekommen. Die Mannschaft war nah dran, die Sensation zu schaffen. Ich weiß nicht genau, warum Klotz vor dem Tor so frei flanken konnte. Fakt ist aber, dass ich der Truppe dennoch ein großes Kompliment aussprechen muss."

Mit der Art und Weise des Weiterkommens konnte MSV-Trainer Ilia Gruev hingegen nicht zufrieden sein. Einige Spieler aus der zweiten Reihe konnten sich nicht für Einsätze in der Meisterschaft empfehlen. Speziell das Sturmduo um Kingsley Onuegbu und Stanislav Iljutcenko hing komplett in der Luft. "Wir hatten in der ersten Halbzeit Probleme und haben den Ball nicht gut laufen lassen, die Raumaufteilung und das Positionsspiel waren nicht zufriedenstellend. Erst in den letzten 15 Minuten war es so, wie ich es mit vorgestellt hatte", monierte Gruev. Für seine Mannschaft sprach an diesem Nachmittag einzig und alleine das Ergebnis. Und das war freilich das stärkste Argument: "Wir wussten, dass wir auf einen starken Gegner treffen, der eigentlich in die Regionalliga gehört. Unsere Spielvorbereitung war sehr seriös. Unser Ziel war das Weiterkommen. Das haben wir geschafft."

Ähnlich fiel auch die Analyse von MSV-Manager Ivo Grlic aus: "Uerdingen hat das defensiv sehr gut gemacht und wir haben uns dagegen sehr schwer getan. Am Ende hat sich unsere Klasse gezeigt und wir haben uns auch verdient durchgesetzt."

Autor: Martin Herms

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