Als Christian Hochstätter die Verpflichtung von Jannik Bandowski bekanntgeben ließ, da sorgte dieser Transfer im Bochumer Lager für Unverständnis.

VfL Bochum

Bandowski will Bescheidenheit statt Wahnsinn

09. Oktober 2016, 16:15 Uhr
Foto: firo

Foto: firo

Als Christian Hochstätter die Verpflichtung von Jannik Bandowski bekanntgeben ließ, da sorgte dieser Transfer im Bochumer Lager für Unverständnis.

Dies schien bei oberflächlicher Betrachtung gerechtfertigt, denn der Linksfuß befand sich nach einem Ermüdungsbruch im Fuß noch auf unbestimmte Zeit in der Reha. Doch dies schreckte Bochums Sportvorstand offensichtlich nicht ab und so erhielt der 22-Jährige einen Vertrag bis zum 30. Juni 2019. Nun wartet der VfL darauf, dass ein gesunder Bandowski den Bochumern vielleicht schon in der Rückrunde helfen kann. Denn gesund könnte er dem VfL auf der linken Seite weiterhelfen.

RS sprach mit dem Neuen, der noch nicht einmal das VfL Trikot getragen hat.

Jannik Bandowski, mit welcher schweren Verletzung müssen Sie sich seit ungefähr einem Jahr herumquälen?
Ich hatte einen Ermüdungsbruch im rechten Fuß, an dem ich zweimal operiert wurde. Bei der ersten OP ist der Bruch mit einer Schraube stabilisiert worden, bei der zweiten ist darauf verzichtet worden. Ich bin dann die Reha etwas besonnener angegangen. Denn es kommt bei der Genesung nicht auf einen Tag oder eine Woche an.

Wie weit schreitet Ihre Genesung voran und wie sieht Ihre persönliche Planung für ein Comeback ins Mannschaftstraining aus?
Mir geht es so weit ganz gut und ich bin schmerzfrei. Vor ein paar Tagen habe ich mit leichtem Lauftraining angefangen. Es sind erst ein paar Minuten täglich. Das hört sich für einen Außenstehenden nicht viel an. Aber für mich ist es ein gewaltiger Schritt. Denn der Fuß muss sich erst langsam an die Belastung gewöhnen. Auch wenn ich kein genaues Datum im Blick habe, so hoffe ich, dass ich im Dezember oder Januar ins Mannschaftstraining einsteigen kann.

Sind Sie eigentlich ein geduldiger Mensch im Umgang mit einer so schweren Verletzung?
Eigentlich bin ich eher sehr ungeduldig und möchte lieber heute als morgen auf dem Platz stehen. Aber in den letzten Monaten habe ich gelernt, geduldig zu sein und mich zum Teil auch dazu gezwungen. Mittlerweile freue ich mich über kleine Fortschritte. Zum Beispiel, wenn ich eine Laufeinheit von zweimal drei Minuten auf zweimal vier Minuten steigern kann. Man darf einfach in dieser Phase nicht zu schnell zu viel erwarten.

Sie haben im September oft im Training vorbeigeschaut, haben die Heimspiele vor Ort verfolgt. Welchen Eindruck haben Sie von Ihrer neuen Mannschaft gewonnen?
Das ist eine sehr junge, hungrige Truppe, mit der auf jeden Fall eine Menge zu erreichen ist. Ich bin hier sehr positiv aufgenommen worden und ich bin mir sicher, dass es mir unheimlich Spaß bereiten wird, irgendwann in dieser Mannschaft zu spielen.

Sie haben nicht nur das Team, sondern auch das Umfeld und die Rahmenbedingungen kennengelernt. Wie sieht ein Neuling diesen Verein?
Es wäre Quatsch, diesen Klub mit Dortmund zu vergleichen. Das ist unrealistisch. Da würde ich mich viel zu weit aus dem Fenster lehnen. Ein Vergleich mit 1860 München ist da schon eher möglich. Beides sind auch Traditionsvereine. Was die Trainingsbedingungen angeht, bin ich sehr positiv überrascht. Das hätte ich nicht so gut erwartet. Es ist sogar einen Tick besser als bei den „Löwen“. Vor einigen Jahren habe ich mit der U17 des BVB in Bochum gespielt. Seitdem hat sich in Sachen Infrastruktur eine Menge zum Positiven gewandt. Ich denke, hier hat der VfL den richtigen Hebel angesetzt. Denn sowohl für die Profimannschaft als auch für die Nachwuchst-Teams ist es wichtig, dass optimale Trainingsbedingungen herrschen.

In den ersten Spielen gab es im Team große Leistungsschwankungen. Noch fehlt es dem Team an Konstanz. Haben Sie dafür eine Erklärung?
Ja – da ist zunächst einmal eine komplett neue Offensive. Da braucht es einfach Zeit, bis sich Automatismen einstellen. Das kann nach wenigen Spielen noch nicht so funktionieren. Hinzu kommt, dass es den VfL zum Start in diese Saison unheimlich schwer getroffen hat. Zum Teil fehlten 75 Prozent der Viererkette. Die jungen Spieler haben das großartig gemacht, und gerade im Spiel gegen Stuttgart bewiesen, welche Qualität sie haben. Aber natürlich fehlt da noch ein Stück. Man kann und darf eine solche Leistung noch nicht konstant über Wochen erwarten. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich das von Spiel zu Spiel stabilisiert. Offensichtlich auch die Zuschauer, denn die Stimmung, die ich im Stadion erlebt habe, war bei allen Heimspielen einfach phantastisch. Mit der nötigen Geduld ist hier in Bochum vieles möglich.

Wie bewerten Sie insgesamt den Saisonstart?
Absolut okay. Noch einmal: Berücksichtigt man, dass eine neue Offensive da ist und dass zahlreiche Ausfälle im Abwehrbereich zu stetigen Veränderungen geführt haben, ist der momentane siebte Platz ein Erfolg. Immerhin waren die Spiele gegen Union Berlin, Nürnberg, Hannover und Stuttgart echte Prüfsteine, weil diese Teams auf Dauer oben anzusiedeln sind. Bemerkenswert: In allen diesen vier Begegnungen war der VfL auf Augenhöhe und teilweise auch die bessere Mannschaft.

Bei den Löwen spricht man von der Champions League, beim VfL von einer Weiterentwicklung. Bescheidenheit oder Wahnsinn – zu welcher Vorgehensweise tendieren Sie?
Zur Bescheidenheit. Es ist schon irre, was bei den Löwen so abgeht. Bei zwei Siegen steigen sie auf, nach zwei Niederlagen wieder ab. Ich muss allerdings sagen, dass ich den Investor bei einem Team-Essen persönlich kennengelernt habe. Er ist ein netter, sympathischer Typ. Deshalb bin ich manchmal skeptisch, ob alle seine Aussagen, die ich so in der Zeitung lese, auch wirklich der Wahrheit entsprechen. Ich bin jedenfalls froh, in Bochum zu sein um hier in einem vernünftig realistisch planenden Umfeld nach meiner Verletzung wieder in Schwung zu bringen.

Autor:

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften

Rubriken

Kommentieren