Wenige Wochen nach dem Start beantworten wir die Frage: Wer hat die Erwartungen erfüllt, wer nicht? Eine Analyse von der 1. Bundesliga bis zur Regionalliga.

Von Schalke bis RWE

Die Revierklubs im Formcheck

Krystian Wozniak, Martin Herms, Sebastian Weßling
06. Oktober 2016, 07:07 Uhr
Foto: Montage: Meike Woche

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Wenige Wochen nach dem Start beantworten wir die Frage: Wer hat die Erwartungen erfüllt, wer nicht? Eine Analyse von der 1. Bundesliga bis zur Regionalliga.

Borussia Dortmund (Bundesliga, 3. Platz)
Zwölf Punkte und Tabellenplatz drei nach sechs Spieltagen – damit liegt Borussia Dortmund grundsätzlich im Soll. Für die direkte Champions-League-Qualifikation, vor der Saison als Ziel ausgerufen, würde diese Platzierung reichen. Der Umbruch im Sommer, als drei Leistungsträger gingen und acht neue Spieler kamen, wurde erstaunlich schnell bewältigt: Raphael Guerreiro, Ousmane Dembélé, aber auch André Schürrle und Mario Götze entpuppen sich als verheißungsvolle Verstärkungen. Der runderneuerte BVB glänzt vor allem mit seiner Offensivstärke, die auch beim 2:2 gegen Real Madrid zum Tragen kam – in einem Spiel, das den Beweis erbrachte, dass Dortmund schon wieder mit den großen Mannschaften Europas mithalten kann.

Doch die Niederlagen in Leipzig und zuletzt in Leverkusen drücken auf die Stimmung – weil sie zeigten, dass man gegen aggressive, pressingstarke Gegner Probleme hat und die Abwehr noch wackelt. Und obwohl der Meistertitel offiziell nicht interessiert: Vier Punkte Rückstand auf den FC Bayern wurmen gehörig.

FC Schalke 04 (Bundesliga, 16. Platz)
Neuer Trainer, neuer Sportvorstand, neue Spieler – ungeahnte Sorgen. Schalke 04 ist komplett in den Startblöcken hängengeblieben. Fünf Niederlagen in Serie zogen die Mannschaft von Markus Weinzierl auch mental nach unten und ließen im Umfeld Zweifel aufkommen.

Kaderplaner Christian Heidel zeigte sich davon unbeeindruckt. Gemeinsam mit Weinzierl drehte er an vielen Stellschrauben. Das überzeugende 4:0 über Borussia Mönchengladbach war Balsam für die königsblaue Seele, kann aber nur der erste Schritt aus dem Tief gewesen sein. Die Integration der zahlreichen Neuzugänge wie Yevhen Konoplyanka, Nabil Bentaleb, Benjamin Stambouli oder Abdul Rahman Baba wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Noch befindet sich Markus Weinzierl in der Experimentierphase. Auf 20 Profis hat der 41-Jährige bislang zurückgegriffen. Einer der wichtigsten, Rechtsverteidiger Coke, soll nach Kreuzbandverletzung im Winter fit werden. Dann könnte sich auch eine Stammformation herauskristallisieren.

VfL Bochum (2. Bundesliga, 7. Platz)
Mit dieser Zahl kann der VfL Bochum gut leben. Rang sieben nach acht Spieltagen lädt zwar nicht zum Träumen ein, ist aber wesentlich mehr als mancher „Realist“ im Vorfeld der Saison erwartet hatte. Schließlich mussten die Bochumer nicht nur ihren Torjäger Simon Terodde ziehen lassen, sondern mit Ausnahme von Peniel Mlapa die komplette Offensive. Und was eine eingespielte Mannschaft zu leisten imstande ist, haben die Bochumer Fans im Vorjahr erlebt, als der VfL fünf Siege in Folge hinlegte.

Dass die Elf von Trainer Gertjan Verbeek im Kampf um den Aufstieg bereits jetzt eine Rolle wird spielen können, ist auch angesichts des derzeit ausgeprägten Verletzungspechs zwar nicht ausgeschlossen, aber eher unwahrscheinlich. Verbeek ist in Bochum so etwas wie ein Projektentwickler, der die in der Regel jungen Spieler und damit das komplette Team, dem momentan noch Stabilität und Konstanz fehlen, auf ein Niveau heben soll, das in der folgenden Spielzeit den Generalangriff auf die Spitzenplätze möglich macht. Sollte diese Entwicklung doch schneller vonstatten gehen, wird sich in Bochum niemand dagegen sträuben.

MSV Duisburg (3. Liga, 1. Platz)
Zehn Spiele, 21 Punkte, nur sechs Gegentore: Die Zebras galoppieren zwar nicht durch die Dritte Liga, aber sie haben den starken Trab eingelegt. Das große Plus: Zwei Drittel des Kaders sind nach dem Absturz aus der Zweiten Liga geblieben. Die Neuzugänge wurden schnell integriert, so dass die Mischung stimmt.

Die Innenverteidigung mit dem ältesten Drittliga-Spieler Branimir Bajic, der in Kürze 37 Jahre alt wird, und dem wiedererstarkten Dustin Bomheuer ist das Prunkstück. Bis auf den langzeitverletzten Linksverteidiger Dan-Patrick Poggenberg blieb der MSV von großen personellen Problemen verschont. „Meine Mannschaft hat Charakter. Die Jungs fühlen sich wohl. Deswegen bin ich nicht überrascht, dass wir so gut dastehen“, sagt Trainer Ilia Gruev. Mit viel Akribie will der Ex-Profi, der schon als Spieler für den MSV auflief und eine ganz enge Bindung zum Klub hat, das Team zum Aufstieg führen. Selbst Testspiel-Gegner werden intensiv beobachtet, dazu führt Gruev eine Liste über die Einsatzminuten seiner Profis. So kann er aufkommendem Frust schnell entgegenwirken.

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Autor: Krystian Wozniak, Martin Herms, Sebastian Weßling

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