Es ist eine Begegnung, die wohl jedem Fußball-Romantiker wie Musik in den Ohren klingen dürfte: Preußen Münster gegen die SpVgg. Erkenschwick (Sonntag, 15:00 Uhr).

SCP - Erkenschwick

Musik in den Ohren der Fußball-Romantiker

06. Oktober 2016, 06:47 Uhr
Foto: Ketzer

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Es ist eine Begegnung, die wohl jedem Fußball-Romantiker wie Musik in den Ohren klingen dürfte: Preußen Münster gegen die SpVgg. Erkenschwick (Sonntag, 15:00 Uhr).

In welcher Reihenfolge auch immer das Aufeinandertreffen der beiden Traditionsvereine in der zweiten Runde des Westfalenpokals genannt würde – dem Nostalgiker wäre das vermutlich egal. Denen, die um einen reibungslosen Ablauf des Spiels bemüht sind, weniger.

Denn die Spielvereinigung hätte etliche Auflagen der Polizei erfüllen müssen, um die zum Hochsicherheitsspiel erklärte Partie wie ursprünglich geplant auf der eigenen Spielstätte stattfinden zu lassen. Für den Oberligisten ein teures Vergnügen. Mindestens 1500 Zuschauer – so die Kalkulation der Verantwortlichen – hätten kommen müssen, um die Kosten für die zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen zu decken. „Zum Zeitpunkt der Ansetzung war nicht abzusehen, dass diese Zahl erreicht wird. Wir haben uns im Vorstand daher entschlossen, in Münster nach einer Verlegung zu fragen“, erklärt Andreas Giehl, 2. Vorsitzender der Spielvereinigung.

Das – zugegeben – etwas übervorsichtige Denken stammt wohl noch aus Zeiten, als die Fanszene rund um die Schwarz-Roten eine pulsierende war und zu Heim- und Auswärtsspielen eine beachtliche Zahl von Erkenschwicker Anhängern durch die Lande zog. Das ist heute anders. Beim letzten Hochsicherheitsspiel gegen den SV Lippstadt spielten die „Schwicker“ vor gerade einmal 165 Zuschauern.

Längst verblasst ist der Glanz vergangener Jahre, als die Duelle im Preußen- oder auch im Stimbergstadion noch Zweitliga-Spiele waren. Oder auch die Begegnungen in der Oberliga West, deren Erstplatzierte seinerzeit noch in die Ausscheidungskämpfe um die Deutsche Meisterschaft gingen.

Dieser Tage sind die Gesprächsthemen in der Universitätsstadt sowie bei den „Schwickern“ ganz andere. Preußen hat nach anhaltender Erfolglosigkeit Trainer Horst Steffen entlassen und U19-Trainer Cihan Tasdelen als Übergangslösung installiert.

Die Spielvereinigung hat einen der größten Umbrüche in der Geschichte des Vereins hinter sich. Die jährt sich heuer zum 100. Mal – da gab es viel Gerede um das besondere „Geschenk“, das sich der Verein selbst machte: Der BVB war am Stimberg zu Gast, Schalke 04 soll noch kommen. Und dennoch konnte das Spektakel nicht so recht davon ablenken, dass der Verein eine Zeit durchlebt, die schwieriger wohl nicht sein könnte.

Mit Trainer Magnus Niemöller verließ das Gros der Spieler den Verein. Mit Torhüter Tim Oberwahrenbrock und David Sawatzki blieben lediglich zwei Akteure erhalten. Verständlich, dass der Alltag in der Liga ein hartes Brot ist. „Wir müssen schneller erwachsen werden, als uns lieb ist“, sagt Trainer Zouhair Allali über den Reifeprozess seiner Elf, der noch nicht so richtig in Gang gekommen ist.

Erkenschwick nimmt Steffen-Entlassung mit Galgenhumor

Das sieht Andreas Giehl, wenn auch nicht anders, so doch etwas wohlwollender: „Die Jungs haben in jedem Spiel ihr Wahnsinnspotential angedeutet. Für mich ist die größte Überraschung in unserer aktuellen Situation, dass die Mannschaft in keinem Spiel hoffnungslos unterlegen war. Die Niederlagen sind halt passiert. Aber das ist der Unerfahrenheit geschuldet.“

Nun der Auftritt bei dem großen Favoriten. Ein vom Verein organisierter Fanbus wird sich am kommenden Samstag auf den Weg nach Münster machen. Der war schnell ausgebucht. Zusätzlich erwartet Giehl noch einige Fans, die privat anreisen. Um vielleicht eine Überraschung zu sehen? Schließlich „brennt“ es bei den Preußen. Und bei allem Respekt vor dem ehemaligen Übungsleiter Horst Steffen erlaubt sich Erkenschwicks 2. Vorsitzender einen kleinen Scherz. Denn gern wären die Erkenschwicker bei der Personalentscheidung das Zünglein an der Waage gewesen: „Ich hätte es lieber gehabt, wenn er erst nach dem Spiel entlassen worden wäre.“

So viel Galgenhumor darf sein. Und so mancher Fußball-Romantiker dürfte noch derbere verbale Scharmützel aus der Vergangenheit im Gedächtnis haben.

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