Es gibt Niederlagen, die sind schnell abgehakt, weil unglücklich zustande gekommen, andere hingegen hallen noch lang nach.

RWE

Mit Medizinbällen zum Erfolg

Ralf Wilhelm
01. Oktober 2016, 07:37 Uhr
Foto: Thorsten Tillmann

Foto: Thorsten Tillmann

Es gibt Niederlagen, die sind schnell abgehakt, weil unglücklich zustande gekommen, andere hingegen hallen noch lang nach.

Das 0:1 der Rot-Weissen am vergangenen Sonntag am Aachener Tivoli war mit Tiefenwirkung. Eine, die die Mannschaft vor dem Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen die U23 von Borussia Dortmund noch unter der Woche in den Muskeln zu spüren bekam. Denn bei RWE-Coach Sven Demandt war in den Tagen danach erst mal Schluss mit lustig. Der Ex-Profi, ansonsten ein bekennender Anhänger von Trainingseinheiten mit Ball, holte zwar nicht die Keule raus, aber die bei Spielern ebenso geschätzten Medizinbälle. Und auch die läuferischen Einheiten standen mehr im Vordergrund. „Sven hat schon andere Trainingsmethoden gewählt und die Stimmung unter der Woche war ernster. Aber man muss sagen, dass die Mannschaft auch gut mitgezogen hat“, erkannte Sportdirektor Jürgen Lucas den gesteigerten Einsatz an. Aber auch für ihn war unerklärlich, warum die Mannschaft in den ersten 65 Minuten die Grundtugenden vermissen ließ und als verdienter Verlierer den Platz verließ, weil die Aachener am Ende einfach mehr investierten. „Das sind eigentlich die Grundparameter, die wir für uns in Anspruch nehmen“, mokierte sich Lucas.

Ein Ansatz: Die Mannschaft wusste aufgrund der Ergebnisse vom Wochenende um die Chance und wollte zu viel. Dass die Aachener in den ersten 70 Minuten faktisch ohne Stürmer spielten, machte die Sache nicht einfacher. Vor dieser Situation werden die Rot-Weissen gegen den Tabellenzweiten, der noch immer ungeschlagen ist, nicht stehen. Demandt/Lucas haben sich den Gegner dreimal live angeschaut und wissen um die enorme Flexibilität der Dortmunder sowie ihr extremes Tempo im Spiel. „Und sie sind in der Lage, ihr System, ihre Positionen noch im Spiel blitzschnell umzustellen, sie werden uns damit alles abverlangen“, weiß der Sportdirektor.

Hinzu käme eine „brutale individuelle Klasse“ im Offensivbereich. Mit Hamadi Al Ghaddioui und Michael Eberwein verfügt das Team von Trainer Daniel Farke über zwei Prunkstücke im Angriff, hinzu kommt die spielerische Finesse von Massih Wassey gerade bei Standardsituationen, die der Kanadier brandgefährlich zu zelebrieren weiß. Wenn die „Essener Spione“ überhaupt eine Schwäche ausgemacht haben, dann die, dass die Dortmunder im Laufe der Saison mit zunehmendem Offensivdrang immer mehr Räume für schnelles Konterspiel angeboten haben.

Räume, in die zum Beispiel ein Kamil Bednarski vorstoßen könnte – wenn er denn einsatzbereit ist. Nach seinem Mittelhandbruch im Training testete er in der gestrigen Abschlusseinheit zum ersten Mal eine extra angefertigte Manschette. “Fürs Spiel sind wir zuversichtlich, aber es kann leider sein, das Kamil um eine Operation nicht herumkommt“, befürchtet Lucas. Fühlt Bednarski sich mit der Manschette nicht wohl, wird es im Angriffsbereich eng, zumal Frank Löning die ganze Woche nicht mittrainiert hat. Nach muskulären Problemen gesellte sich beim Routinier auch noch ein Infekt hinzu. Auch Kevin Grund (Brustprellung) steht nicht zur Verfügung. Dennoch wird es auf jeden Fall Veränderungen im Team geben, dafür wirken die letzten Eindrücke noch nach.

Autor: Ralf Wilhelm

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