Manager Rudi Assauer hatte im August 2003 angekündigt, einen Weltklasse-Stürmer nach Schalke zu holen.

Schalke

Kultspieler Edi Glieder warnt vor RB Salzburg

Christoph Winkel
29. September 2016, 07:50 Uhr
Foto: firo

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Manager Rudi Assauer hatte im August 2003 angekündigt, einen Weltklasse-Stürmer nach Schalke zu holen.

Fernando Morientes wurde heiß gehandelt, auch die Namen Samuel Eto’o und Mikael Forssell kursierten. Kurz vor Transferschluss kam dann er: Eduard Glieder. Der damals 34-Jährige hatte sich durch gute Leistungen und viele Tore im Trikot des österreichischen Klubs FC Superfund Pasching zurück ins Nationalteam gespielt. Und in den Fokus von Assauer. Es gibt wohl nicht viele Schalker, die nur eine Saison geblieben sind, weniger als 20 Spiele absolviert haben - aber 13 Jahre später irgendwie immer noch Kultspieler sind.

Edi Glieder, Schalke ist in der Bundesliga Letzter. Verfolgen Sie das Geschehen bei Ihrem Ex-Klub noch?
Ich habe immer im Blick, wie Schalke gespielt hat. Entweder informiere ich mich in der Presse, oder schaue die Partien im Fernsehen an. Allerdings bin ich nicht nah genug am Verein, um beurteilen zu können, wo es klemmt. Ich weiß nur aus meiner Zeit, dass die Fans in erster Linie von den Spielern erwarten, dass sie sich auf dem Platz zerreißen. Ich konnte auf Schalke trotz meiner 34 Jahre auch nicht mehr der klassische Neuner sein, der auf die Bälle wartet. Ich wusste, dass ich, wie es auf Schalke so schön heißt, zu malochen hatte. Die Fans haben das honoriert.

Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie noch im hohen Fußballer-Alter von Pasching nach Schalke gewechselt sind?
Wir haben mit Pasching eine super Runde im UI-Cup gespielt. Mit Werder Bremen haben wir im Halbfinale den späteren Deutschen Meister ausgeschaltet, das Endspiel gegen Schalke aber verloren. Als Rudi Assauer unseren Präsidenten angerufen hat, bin ich davon ausgegangen, die Nummer 25 auf der Wunschliste zu sein. Aber kurz vor Transferschluss hat Schalke mich dann doch geholt.

Sie haben nur 16 Bundesligaspiele absolviert, haben zwei Tore erzielt. Sportlich war es ein mäßiges Jahr. Dennoch haben Sie gesagt, dass Schalke das Schönste war, was Sie in Ihrer Karriere erleben durften. Ja. Wenn ich daran denke, wie ich bei den Heimspielen durch den langen blauen Spielertunnel gelaufen bin und dann plötzlich in diesem traumhaften Stadion vor diesen tollen Fans stand, bekomme ich jetzt noch eine Gänsehaut. Schalke ist ein Klub, dem ich immer verbunden bleibe. Auch wenn es sportlich sicher nicht so gelaufen ist, wie ich es mir gewünscht habe, muss ich mich bei Trainer Jupp Heynckes und Manager Rudi Assauer für das Vertrauen bedanken.

Waren Sie nach Ihrem Abschied mal wieder in der Arena? Insgesamt drei Mal. Beim ersten Mal wollte ich, circa drei Jahre nach meinem Abschied, mit Freunden ein Spiel sehen. Wir sind früh angereist und haben zufällig Rudi Assauer auf dem Parkplatz getroffen. Er hat mich umarmt wie einen Bruder und uns in sein Büro eingeladen. Wir waren über zweieinhalb Stunden mit ihm zusammen. Später saßen wir auf dem Fußboden, weil er große Zettel ausgebreitet hatte, auf die er Pläne gezeichnet hatte, was er mit Schalke noch so vorhat. Seine Sekretärin ist verrückt geworden, weil sie keinen einzigen Anrufer durchstellen durfte. Sie sollte sagen: Herr Assauer hat eine Delegation aus Österreich empfangen (lacht).

Apropos Delegation aus Österreich. Am Donnerstagabend ist RB Salzburg zu Gast. Ist das Team von Óscar García stark genug, um auf Schalke gewinnen zu können? Es wird kein leichtes Spiel für Schalke. Die RB-Spieler haben alle eine sehr hohe Qualität, was die Schnelligkeit, die Technik und die Physis angeht. Sie betreiben ein sehr laufintensives Spiel und arbeiten aggressiv gegen den Ball. Allerdings sind sie etwas zu unbekümmert. Das Team ist eben noch sehr jung. Jonatan Soriano ist ein Stürmer, der alle Torrekorde in Österreich knackt. Wenn es Schalke gelingt, ihn aus dem Spiel zu nehmen, kann sich Salzburg schwertun.

Wie lautet Ihr Tipp? Ich tippe generell nie und würde diesmal auch in der Klemme stecken. Mein Herz schlägt für Schalke, aber auch zu den Salzburgern habe ich einen guten Draht. Als Spielerberater habe ich nämlich häufig Kontakt zu den Verantwortlichen des Klubs. Ich freue mich einfach auf ein interessantes und spannendes Fußballspiel. Beim Rückspiel in Salzburg hoffe ich dann, im Stadion live dabei zu sein.

Nach Ihre Spielerkarriere haben Sie als Trainer gearbeitet. Warum sind Sie jetzt Spielerberater? Ich hatte mit Adi Hütter, der jetzt Trainer bei Young Boys Bern ist, eine erfolgreiche Zeit beim SV Grödig. Adi war der Chef, ich sein Co-Trainer. Wir haben den Klub aus der 2. Liga in den internationalen Wettbewerb geführt. Als Adi vor zwei Jahren dann zu RB Salzburg gewechselt ist, war es nicht gewünscht, dass er seinen Co-Trainer mitbringt. Das musste ich akzeptieren. Für mich hat sich dann die Möglichkeit ergeben, als Spielerberater zu arbeiten. In diesem Bereich sehe ich mich auch in Zukunft.

Möchten Sie als alter Schalker Publikumsliebling noch einen Gruß an die Fans richten? Ein Schalker Fan weiß auch in schlechten Zeiten, zu seinem Verein zu stehen. Ich wünsche allen Verantwortlichen und Fans die Kraft und Ausdauer, die schwierige Situation zu meistern.

Autor: Christoph Winkel

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