Der letzte Platz in der Bundesliga, die erste Brandrede vom neuen Manager:

Sechs Gründe

So stürzte Schalke in die Krise

Manfred Hendriock
28. September 2016, 07:07 Uhr
Foto: firo

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Der letzte Platz in der Bundesliga, die erste Brandrede vom neuen Manager:

Schalke ist vor den beiden Heimspielen in dieser Woche gegen RB Salzburg (Donnerstag, 19 Uhr) und Mönchengladbach (Sonntag, 17.30 Uhr) in Alarmstimmung. Wie konnte es nur soweit kommen, nachdem im Sommer noch ein Neuanfang gestartet wurde? Vieles ist schiefgelaufen. So stürzte Schalke in die Krise.

Vorbereitung
Schon die Saisonvorbereitung war nicht optimal: Am Anfang stand eine PR-Reise nach China, der sich der neue Trainer Markus Weinzierl nicht verschließen konnte – aber sportlich war die Arbeit eingeschränkt. Ohnehin war die Vorbereitung ein Trockenschwimmen, weil der Kader nie komplett war (EM-Urlaube, Olympia-Abstellungen, späte Neuzugänge). Ein Beispiel: Im Trainingslager musste Weinzierl im zentralen Mittelfeld Abläufe einüben mit Spielern, die jetzt keine große Rolle mehr spielen (Johannes Geis und Dennis Aogo). Denn Leon Goretzka und Max Meyer waren zu dieser Zeit bei den Olympischen Spielen, und die neuen Sechser Nabil Bentaleb und Benjamin Stambouli waren noch nicht verpflichtet. Wer die Vorbereitung aber vom ersten bis zum letzten Tag über siebeneinhalb Wochen zum ersten Spiel im DFB-Pokal mitmachte, der empfand sie als zu lang.

Transferpolitik
Drei der insgesamt sieben Neuzugänge (Bentaleb, Stambouli, Konoplyanka) kamen spät – Manager Christian Heidel erklärte das damit, dass die Wunschspieler für diese Positionen nicht eher zu haben gewesen wären und man sonst Spieler hätte holen müssen, die nicht erste Wahl waren. Zu Bentaleb bestand schon sechs Wochen vorher Kontakt, auch Stambouli wurde länger mit Schalke in Verbindung gebracht, wobei es inzwischen Zweifel gibt, ob der Franzose wirklich der erwartete aggressive Balleroberer ist. Konoplyanka tauchte erst spät auf der Liste auf – er wurde zuvor mit einem griechischen Klub in Verbindung gebracht. Weinzierl hofft, dass Konoplyanka Leroy Sané ersetzen kann – beim 1:2 in Hoffenheim verzichtete er aber freiwillig auf den Ukrainer. Auch Naldo und Breel Embolo haben ihre Probleme, Baba ist besser, und die Verletzung von Coke war einfach ein Riesenpech.

Keine Stammformation
Weinzierl hat überhaupt noch kein Gerüst für seine Elf gefunden: Er experimentiert viel und schickt in jedem Spiel eine neue Mannschaft auf den Platz – das liegt natürlich auch daran, dass ihm die Ergebnisse Grund zum Wechseln geben. Experten raten ihm, sich wenigstens in der Abwehr auf einen stabilen Block festzulegen, aber ausgerechnet dort fehlt ihm nach Cokes Verletzung ein guter rechter Verteidiger. Die beste Lösung war noch Höwedes – aber der wird im Zentrum gebraucht.

Torarmut
Nimmt man das Pokalspiel beim Sechstligisten Villingen aus (4:1), hat Schalke in sechs Spielen nur drei Tore geschossen (Baba in Nizza, Huntelaar gegen Köln, Choupo-Moting gegen Hoffenheim). Das Problem: Huntelaar ist als Zielspieler nur dann wirksam, wenn er Flanken und Pässe bekommt – die liefert ihm Schalke aber kaum. Daran krankt die Offensive seit dem Verkauf von Farfan und Draxler.

Der Spielplan
Den Start in Frankfurt hat Schalke selbst verbockt. Ungünstig, dass es danach ausgerechnet gegen Bayern ging und die beste Leistung nicht belohnt wurde – so konnte der Fehlstart nicht mit einem Heimsieg ausgeglichen werden und Schalke geriet in eine Negativ-Spirale. Hoffenheim wäre aber zuletzt ein Aufbaugegner gewesen – Chance vertan.

Schwache Mentalität
Christian Heidel und Markus Weinzierl traf es mit voller Wucht, dass ihre Spieler einen Mangel an Behauptungswillen haben – das kannten sie von ihren bisherigen Klubs in Mainz und Augsburg nicht. Dort mussten die Profis immer an die Grenze gehen, um ihre Ziele zu erreichen. Aber wer Schalke in der Vergangenheit beobachtet hat, der konnte davon nicht überrascht sein. Ex-Trainer André Breitenreiter klagte im Januar bereits über genau das gleiche Phänomen: Der WAZ sagte er damals, es mache ihn „wahnsinnig“, dass die Spieler immer dann einen Gang zurückschalten würden, wenn das Spiel vermeintlich gut anlaufen würde.

So wie jetzt in Hoffenheim, als Schalke nach fünf Minuten in Führung ging und danach die Laufarbeit auf das Nötigste reduzierte. Es ist einiges schiefgelaufen – bis zum Sturz auf den letzten Platz.

Autor: Manfred Hendriock

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