Aus einem geöffneten Fenster jenseits des blickdichten Zauns schallt am Montag Musik bis auf den Trainingsplatz. „Two Hearts“ von Phil Collins. Eine beschwingte Nummer.

Pierre-Emerick Aubameyang

Echte Liebe gegen heimliche Liebe

Daniel Berg
26. September 2016, 21:45 Uhr
Foto: firo

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Aus einem geöffneten Fenster jenseits des blickdichten Zauns schallt am Montag Musik bis auf den Trainingsplatz. „Two Hearts“ von Phil Collins. Eine beschwingte Nummer.

Als hätte sie jemand eigens für Pierre-Emerick Aubameyang ausgewählt. Das Lockere, das Leichte, das ist seine Welt. Die Bewegungen seines Körpers drücken das allein schon aus, sie scheinen stets einer lautlosen Musik zu folgen. Und sein Lächeln, das kaum einmal verschwindet. Auch jetzt nicht, vor dem Fußballspiel von Borussia Dortmund gegen Real Madrid an diesem Dienstag (20.45 Uhr/Sky) in der Champions League. Mit dem klangvollsten Gegnernamen kehrt die Königsklasse nach einem Jahr Abstinenz nach Dortmund zurück.

2014, kurz bevor er gestorben ist, habe ich ihm versprochen, eines Tages einmal für Real zu spielen
Aubameyang

Es ist eines der größten Spiele bisher in der Karriere des Dortmunder Torjägers. Auch weil es – wie die überraschende Begleitmusik am Übungsplatz – von zwei Herzen handelt. Zwei Herzen, die in Aubameyangs Brust schlagen. Er spielt für den BVB. „Ich liebe den Verein“, sagt der 27-Jährige. Sein Vertrag läuft bis 2020. Aber zu Real hat er eine besondere Beziehung. „Es war immer mein Traum, für Real zu spielen“, gibt Aubame­yang offen zu. Speziell dafür gibt es einen guten Grund. Sein Großvater wurde in Avila geboren, nur 100 Kilometer von Madrid entfernt. „2014, kurz bevor er gestorben ist, habe ich ihm versprochen, eines Tages einmal für Real zu spielen“, sagt Aubame­yang. Für Real aufzulaufen, wäre ein Geschenk an seine Familie. Gegen Real aufzulaufen, ist sein Duell mit dem Traumverein.

Immer wieder in den vergangenen zwei Jahren ist Aubameyang mit den Königlichen in Verbindung gebracht worden. Vom Damals aus betrachtet, schien das nicht einmal ansatzweise möglich.
Mit 16, 17 Jahren hatte Pierre-Emerick Aubameyang eine schwere Zeit. Der Vater, wegen dessen Profi-Karriere die Familie Wohnort an Wohnort und Heimat an Heimat reihte, hatte seine eigene Laufbahn beendet. In Afrika verdiente er fortan das Geld für seine Familie. Pierre-Emerick blieb in Frankreich, fand zu der Zeit aber keinen Verein. Ein halbes Jahr ging das so. Das Talent trainierte allein, schulte seine Schnelligkeit. „Das war eine harte Zeit, da habe ich Zweifel gespürt“, sagt er heute. „Mein Vater wusste, dass ich hart trainiere und alles tue, um Profi zu werden.“ Der damalige Zweitligist SC Bastia hatte Interesse. Aubameyang erinnert sich gegenüber dieser Zeitung: „Vorher war klar: Entweder ich schaffe das Probetraining, oder ich konzentriere mich voll auf die Schule.“ Bastia verpflichtete den jungen Mann mit dem Tor-Instinkt. Über den AC Mailand und AS St. Etienne landete er 2013 beim BVB.

In Dortmund ist er längst zum gefeierten Torjäger gewachsen. Seine Treffer geben den Takt für die derzeitige gute Laune vor. Fünf Saisontreffer hat er bereits erzielt, gegen Freiburg (3:1) am Freitag traf er erneut, humpelte aber später wegen eines peinvollen Tritts aus dem Stadion. „Nicht so schlimm“, sagt er auf Deutsch und lacht.
Schmerzen? Ärger? Gar Wut? Trägt er nie zur Schau. Er lächelt fast immer. „Ich weiß gar nicht, warum ich so bin, vielleicht ein Geschenk der Natur“, sagt er. Zumindest scheint er jeden Tag das Dasein als Profi zu genießen. Beim BVB fliegen ihm auch deshalb die Sympathien von allen Seiten zu. Dort sagen sie, dieser Kerl habe das Herz am richtigen Fleck. Oder besser: seine beiden Herzen.

Autor: Daniel Berg

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