Es ist bei Pressekonferenzen Usus, dass es zwei Teile gibt. Zum einen den offiziellen. Und noch einen kleineren, persönlicheren. In dem wird dann meist Tacheles geredet.

RWE

Demandts Rundumschlag nach Aachen-Pleite

25. September 2016, 20:37 Uhr
Foto: Thorsten Tillmann

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Es ist bei Pressekonferenzen Usus, dass es zwei Teile gibt. Zum einen den offiziellen. Und noch einen kleineren, persönlicheren. In dem wird dann meist Tacheles geredet.

Letzterem wohnte Sven Demandt nach der 0:1 (0:1)-Niederlage von Rot-Weiss Essen auf dem Aachener Tivoli bei. Und wurde zunächst einmal darauf angesprochen, dass er auf dem Podium etwas verärgert ausgesehen habe. „Ich bin enttäuscht und verärgert“, korrigierte der RWE-Cheftrainer. Und setzte danach zu einem Rundumschlag an.

Denn wie die „Zweiteilung“ der Pressekonferenzen hat sich an der Hafenstraße ebenfalls etwas „eingebürgert“. Und zwar, dass Demandt kein Blatt vor den Mund nimmt und im Extremfall Ross und Reiter benennt. Das war nach der schwachen Vorstellung in der Kaiserstadt übrigens sehr einfach. Lediglich eine Person musste der 55-Jährige von seiner Kollektiv-Kritik ausnehmen: „Tolga Cokkosan war der einzige, bei dem ich das Gefühl hatte, dass die zwei Siege etwas bewirkt haben“, fällte der Essener Linienchef beinahe schon ein vernichtendes Urteil über seine Elf.

Was Demandt so auf die Palme gebracht hatte: Durch nahezu alle Mannschaftsteile zogen sich die individuellen Fehler. Angefangen bei Philipp Zeigers misslungener Rückgabe auf Niclas Heimann, die Florian Rüter beinahe zur Aachener Führung geführt hätte (31). Das ging weiter beim Essener Torhüter, der die Rüter-Hereingabe abprallen ließ und Dominik Ernst damit den Einschuss zum Aachener Siegtreffer ermöglichte (42.). Und zog sich durch das Mittelfeld, wo sich Fehlpass an Fehlpass reihte und endete im Angriff, der nicht nur wegen der zahlreichen Offensiv-Fouls erschreckend schwach wirkte.

„Unsere Mittel waren sehr einfach gewählt“, setzte Demandt bei der nächsten Schwachstelle an. Es kamen in Summe zu wenig Impulse aus dem Mittelfeld. Dort erlaubte sich Essens Coach sogar, den Finger in die Wunde zu legen: „Timo Brauer – hat der überhaupt mitgespielt?“, fragte er gleichermaßen provokativ wie belustigt. Der Essener Hoffnungsträger tauchte einmal mehr ab – und das, obwohl er seit seiner „Rückkehr“ ins zentrale Mittelfeld eigentlich wieder in gewohnter Umgebung spielt.

„Timo Brauer – hat der überhaupt mitgespielt?“
Sven Demandt

Doch wie soll die Schaltzentrale funktionieren, wenn mit der Defensive schon das Fundament des Essener Spiels derart wackelt, dass sich auf der Abwehrleistung nicht aufbauen lässt? Für Demandt unverständlich, zumal Aachen bis zur Einwechslung von Philipp Gödde (73.) ohne nominellen Stürmer gespielt hatte. „Die Routine, die unsere Viererkette aufgrund des Durchschnittsalters haben müsste, habe ich nicht gesehen“, gab es auch für die Abwehr ordentlich Schelte. Der Essener Trainer führte aus: „Es ist eher so, dass die Leute sagen: ‚Ich nicht’. Damit tue ich mich schwer.“

Es war herbe Kritik, die da auf die RWE-Spieler nachträglich herunter prasselte. Verdient war diese allemal, obschon sich das Blatt nach einer guten Stunde noch zu wenden schien. Immerhin: RWE erhöhte nach einer guten Stunde den Druck und spielte sich mehr und mehr in den Aachener Strafraum. Das lag auch daran, dass Demandt den unauffälligen Jesic aus der Partie nahm, Kamil Bednarski einwechselte und für Linksverteidiger Patrick Huckle mit Roussel Ngankam einen Offensivmann brachte. „Wir haben gesehen, dass wir nach den Wechseln besser werden. Das ist positiv“, konnte der RWE-Linienchef dem Nachmittag in Aachen eine wichtige Erkenntnis abgewinnen.

Die Umstellungen zeigten dann auch gleich Wirkung: Bednarski, bei seinem ersten Einsatz für Rot-Weiss Essen in der Liga gleich an drei auffälligen Situationen beteiligt, setzte zunächst einen Kopfball über das Tor (71.), traf dann aus der Distanz (78.), dann aus der Nähe (90.+4) nur die Latte. „Da hatten wir natürlich Pech“, sagte Trainer Demandt.

Dem Ex-Profi ist natürlich bewusst, dass mit der vierten Niederlage nach neun Spieltagen einhergeht, dass RWE derzeit keine großen Ansprüche hegen darf: „Momentan macht es keinen Sinn, auf die Tabelle zu schauen. Wir müssen stabiler werden. Alles andere macht erst einmal keinen Sinn.“

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