Der Tivoli ist für Rot-Weiss Essen in letzter Zeit kein gutes Pflaster.

RWE

Aachen-Pleite - Willkommen im Niemandsland der Tabelle

Ralf Wilhelm
25. September 2016, 16:02 Uhr
Foto: Thorsten Tillmann

Foto: Thorsten Tillmann

Der Tivoli ist für Rot-Weiss Essen in letzter Zeit kein gutes Pflaster.

Alemannia Aachen und RWE wollten als Tabellennachbarn beide den Anschluss an die Spitzengruppe herstellen: Während die Gelb-Schwarzen am Ende dieses Vorhaben mit ihrem 1:0-Sieg nach einem höchst mittelmäßigen Regionalligaspiel untermauerten, bleibt Rot-Weiss im Dickicht der Tabelle stecken. Der kleine Höhenflug wurde schon wieder unterbrochen.

RWE-Coach Sven Demandt löste das kleine Luxusproblem vor dem Anpfiff, das sich durch einen gut gefüllten Kader ergeben hatte, damit, dass er sich an die Regel erinnerte, ein zuletzt erfolgreiches Team nicht unnötig zu verändern. So tauschten die aus einer Rotsperre zurückgekehrten Jan-Steffen Meier und Kapitän Benny Baier ihren Tribünenplatz nur gegen eine Sitzgelegenheit auf der Bank ein. Kasim Rabihic und Timo Brauer genossen im defensiven Mittelfeld das Trainer-Vertrauen. Eine Änderung gab es doch: Für den zuletzt berücksichtigten Roussel Ngankam rückte Vojno Jesic, Torschütze beim jüngsten Sieg gegen Verl, in die Startformation.

Von einem weiteren Erfolg auch am schwer einnehmbaren Tivoli waren die Rot-Weissen in der Anfangsphase aber weit entfernt. Von einem “Richtungsspiel” in der Tabelle hatten beiden Klubs vorher gesprochen, und die Alemannia gab in Halbzeit eins eindeutig die Richtung nach vorne vor. Dabei wirkte die Essener Abwehr alles andere als sicher. Die individuellen Fehler hielten wieder einmal Einzug: Patrick Huckle (11.) strauchelte im Strafraum im Zweikampf, doch Nils Winter konnte bei seinem Schussversuch daraus kein Kapital schlagen. Zwei Minuten später erlaubte sich Rabihic einen zu kurzen Querpass vor dem eigenen Strafraum auf Richard Weber, wieder vertändelte Alemannia die Situation. Und nach 29 Minuten trug auch Philipp Zeiger seinen Teil zur allgemeinen Abwehr-Verunsicherung bei: Er köpfte im Laufduell mit Florian Rüter die Kugel viel zu kurz auf Torhüter Niclas Heimann, Rüter spritzte dazwischen, umkurvte den RWE-Keeper auch, wurde aber zu weit vom Tor abgetrieben. Riesendusel für RWE!

Dazwischen lag der erste Schuss aufs Aachener Tor nach 20 Minuten, als Marcel Platzek einen Effetschuss von der Strafraumgrenze zu hoch ansetzte. Immerhin ein Angriffs-Lebenszeichen. Das gab auch Rabihic nach 34 Minuten ab, doch sein Freistoß durch die Mauer wurde eine sichere Beute von Alemannia-Torhüter Pascal Nagel. Ausgerechnet in einer Phase vor der Halbzeit, als die Gäste so allmählich die Ballhoheit gewannen, schlugen die Platzherren doch noch zu. Jetzt wurde es Ernst: Rüter schoss von der rechten Strafraumkante flach und gefährlich aufs Tor, Heimann ließ nach vorne abklatschen und Dominik Ernst (43.) war beim Nachsetzen die Fußspitze eher als Zeiger am Ball: 1:0. Unglücklicher Zeitpunkt für Rot-Weiss - aber nicht unverdient.

Etwas entschlossener kamen die Essener aus der Kabine: Ecke Rabihic nach 50 Minuten, doch in der Mitte köpfte Platzek knapp drüber. Das war schon gefährlicher als die komplette erste Hälfte aus Gästesicht. Auch auf der rechten Seite war jetzt mehr Alarm, weil Dennis Malura endlich öfter zu seinen langen Spurts ansetzte. RWE erhöhte den Druck und wollte noch mehr Angriffswucht erzeugen: Nach einer Stunde gab es endlich das lang ersehnte Pflichtspiel-Debüt von Neuzugang Kamil Bednarski, er kam für den bis dahin unsichtbaren Jesic ins Spiel. Davor hätte sich RWE fast die Entscheidung gefangen: Ein Missverständnis zwischen Huckle und dem herausstürzenden Heimann hätte Ernst fast zum 2:0 genutzt. Nach 65 Minuten kam auch der Kapitän wieder an Bord: Benjamin Baier befreite Rabihic von einem eher schlechteren Fußballnachmittag.

Der durch die beiden Hereinnahmen für die Gäste nur unwesentlich besser wurde. Vieles der rot-weissen Angriffsbemühungen blieb weiterhin Stückwerk, was da trotz aller Bemühungen der Essener in den Aachener Strafraum segelte, war nur schwer von den Angreifern verwertbar. Nach 76 Minuten zog Demandt seinen letzten Angriffsjoker: Ngankam für den verteidigenden Huckle war das klare Angriffszeichen, dass Bednarski Sekunden danach fast umgesetzt hätte: Sein Halbvolleyschuss aus gut 20 Metern krachte an die Oberkante der Latte. Ging da doch noch was?

Draußen wurde es lauter, das Gespann Demandt/Lucas beorderte alles nach vorne. Rot-Weiss marschierte, keine Frage, aber Fußball ist nun mal ein Treffersport. Aber Bednarski streifte in letzter Sekunde nur noch einmal die Latte. Und so stand am Ende mal wieder die Null - an der falschen Stelle.

Autor: Ralf Wilhelm

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