Es waren am Freitagabend 67 Minuten gespielt, der VfB Stuttgart führte mit 1:0 – eigentlich einer der Momente, in denen das Vonovia-Ruhrstadion stimmungsmäßig allzu oft an eine Kühltruhe erinnert.

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Was sich Hochstätter von Bochums Fans wünscht

24. September 2016, 12:37 Uhr
Foto: firo

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Es waren am Freitagabend 67 Minuten gespielt, der VfB Stuttgart führte mit 1:0 – eigentlich einer der Momente, in denen das Vonovia-Ruhrstadion stimmungsmäßig allzu oft an eine Kühltruhe erinnert.

Nicht so gegen die Schwaben. „Steht auf für den VfL“ klang es aus tausenden Kehlen, als hätten die VfL-Anhänger ein feines Gespür dafür, dass der Abend so nicht enden würde. Beim Schlusspfiff feierten sie das 1:1 (0:0) gegen den Top-Favoriten der Liga wie einen Sieg. Und den hätte es aufgrund einer überragenden zweiten Hälfte für die Gastgeber auch eigentlich geben müssen.

In der zweiten Hälfte nämlich spielte nur eine Mannschaft – der VfL. Und so herrschte am Tag danach, passend zum Wetter, rund um die Castroper Straße eitler Sonnenschein. Tatsächlich war die von Kapitän Felix Bastians angekündigte Reaktion auf den schlechten Auftritt ein paar Tage zuvor in Düsseldorf erfolgt. Die Leistung beim Teilerfolg gegen den Bundesliga-Absteiger am Vorabend war jedenfalls die beste der noch jungen Spielzeit.

Vielleicht hat sie an diesem Wochenende auch Christian Hochstätter auch bei der Genesung geholfen. Nach einer schweren Erkältung hatte er schon im Vorfeld der Partie auf den Besuch der Pressekonferenz verzichtet und sich aus gesundheitlichen Gründen rar gemacht. Als RS ihn dennoch erreichte, sprach der Sportvorstand – wenn auch mit einem schweren Kratzen im Hals – über den gelungenen Vorabend: „Ich bin sehr zufrieden und ich denke, die Zuschauer haben ein sehr gutes Zweitligaspiel gesehen. Besonders von unserer Mannschaft. Wir haben umgesetzt, was wir wollten und uns erhofft haben. Ganz besonders bin ich angetan von unseren jungen Leuten wie Nico Rieble, Jan Gyamerah, Görkem Saglam und Pawel Dawidowicz. Man sieht, mit welchem Selbstvertrauen sie da mitspielen. Das freut mich, auch wenn es am Ende nur ein Remis war.“

Es ist schon erstaunlich – in Abschnitt zwei mit zwei 20-Jährigen und einem 21-Jährigen in der Viererkette neben Bastians. Ein Indiz dafür, mit wie viel Weitblick der Kader zusammengestellt wurde. Dass dies nicht immer funktionieren kann, ist verständlich. Doch wenn man sieht, dass auf der Bank drei U19-Spieler Platz nahmen, dann scheinen die Perspektiven des VfL nicht schlecht zu stehen. So sieht das auch Hochstätter: „Das ist eine Investition in die Zukunft, und die sehe ich bei unserem Klub wahrlich nicht schlecht.“

Doch angesichts der phänomenalen Stimmung im Rund bewegte ihn am Tag danach noch etwas ganz anderes: „Ich würde gern einmal sehen, dass wenn der Funke von der Mannschaft auf die Zuschauer überspringt, was dann umgekehrt das Publikum bei unserer Mannschaft bewegt. Ich bin überzeugt davon, dass wenn wir einen Schnitt von 22000 Zuschauer bei uns hätten haben, wir in der Saison aufgrund der tollen zusätzlichen Unterstützung fünf Punkte mehr hätten. Denn so ein Support wie gegen Stuttgart hilft unserer jungen Mannschaft enorm. Dann ist auch die Atmosphäre Auch auswärts ist die Unterstützung gut. Ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind.“

Ein wenig sorgenvoll blickt der Sportvorstand in Richtung der beiden nächsten Heimspiele gegen Sandhausen und Heidenheim: „Ich hoffe, dass die Zuschauer, die den Freitagabend zu einem Fußballfest gemacht haben, auch gegen Sandhausen kommen. Denn da geht es genauso um drei Punkte wie gegen den VfB. Das ist eigentlich das, was ich mir als Sportchef wünschen würde. Wenn die Bochumer ihren VfL in größerer Anzahl so annehmen und unterstützen, wie das gegen Stuttgart der Fall war, dann ist vieles möglich.“

Was in dieser Saison noch möglich ist, weiß auch an der Castroper Straße zur Stunde niemand. Noch klafft eine gewaltige sportliche Leistungslücke zwischen den phänomenalen Heimauftritten und der eher kargen Fußballkost in der Fremde. Wobei dies leistungsmäßig auf das Pokalspiel in Walldorf und das Ligaspiel in Düsseldorf zutrifft. Denn zum Beispiel in Würzburg beim 0:2 und auch in Karlsruhe (1:1) war der VfL das bessere Team.

Seit Freitagabend jedenfalls wissen die Verantwortlichen, dass die vielen Youngster zwar noch reifen müssen, der Einsatz selbst gegen einen Hochkaräter wie Stuttgart allerdings kein Risiko ist. Vielleicht noch eine Zahl, die verdeutlicht, wie eng das personelle Korsett des Gertjan Verbeek gegen Stuttgart geschnürt war: Nach der Auswechslung von Stefano Celozzi zur Pause fehlten dem Coach nicht weniger als zehn (!) Profis aus dem Lizenzspieler-Kader.

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