Bochums Trainer Gertjan Verbeek ist zumindest gegenüber Journalisten wahrlich keine Plaudertasche.

VfL Bochum

"Schlecht angefangen - schlecht aufgehört"

21. September 2016, 09:22 Uhr
Foto: firo

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Bochums Trainer Gertjan Verbeek ist zumindest gegenüber Journalisten wahrlich keine Plaudertasche.

Doch nach der desolaten Vorstellung beim 0:3 (0:2) vor 22.000 Zuschauern in der Esprit-Arena in Düsseldorf fiel sein Kommentar geradezu spartanisch aus: „Wir haben schlecht angefangen und schlecht aufgehört“. Und dann führte er fast resigniert hinzu: „Keiner meiner Spieler hat sein Normalniveau erreicht.“

Auch Sportvorstand Christian Hochstätter ging nach dem Grottenkick seines Teams mit den Spielern hart ins Gericht: „Heute hat die Mannschaft gewonnen, die mehr Einstellung und mehr Leidenschaft an den Tag gelegt hat. Insgesamt war das zu wenig, was wir abgeliefert haben. Es ist ein Spiel, mit dem wir alle unzufrieden sind.“ Allerdings schränkte er ein, dass ihn so ein Rückschlag nicht unerwartet trifft: „Wir haben eine sehr junge Mannschaft, und wir wussten, dass es eine Phase geben wird, in der es einmal nicht so läuft.“

Schaut man auf das Spiel in Düsseldorf, dann ist dies nachvollziehbar. Standen doch mit Russell Canouse, Pawel Dawidowicz und ab der zweiten Hälfte auch Nico Rieble drei unerfahrene Youngster in Bochums Viererkette. Mit Blick auf die bisher gespielten sechs Zweitliga-Partien kann man anhand von Zahlen nachweisen, dass zwischen der etatmäßigen Viererkette und einer ersatzgeschwächten offensichtlich eine große Leistungsdifferenz herrscht. Mit der Stamm-Abwehr bestehend aus Stefano Celozzi, Tim Hoogland, Felix Bastians und Timo Perthel kassierte der VfL in den ersten drei Spielen drei Gegentore. In Würzburg fehlten dann Hoogland und Celozzi – prompt „klingelte“ es zweimal. Gegen Nürnberg, weiter ohne Hoogland, musste ein noch nicht gesunder Celozzi nach 77 Minuten raus. Und es gab vier Gegentreffer. In Düsseldorf nun erneut ohne Hoogland und Celozzi und ab er Pause ohne Perthel, der mit einer Adduktoren-Verletzung wohl langfristig ausfällt, kassierte der VfL drei Gegentore. Das sind neun Treffer in der Zeit, in der Bochums Viererkette verletzungsbedingt Risse zeigte.

Fakt ist: Ohne die Stammkräfte in der Innenverteidigung hat der VfL ein Problem, das derzeit nicht äquivalent zu lösen ist. Auch wenn Hoogland kein reiner Innenverteidiger ist, so reichen die Jungen noch nicht an seine Qualität heran. Erschwerend kommt hinzu, dass Dominik Wydra sich just beim Abschlusstraining vor dem Nürnberg-Spiel verletzte. Der VfL geht bewusst in dieser Saison das Risiko, junge Spieler an höhere Aufgaben heranzuführen. Zwickt es dann beim Stammpersonal, wird es eng.

Um eins klarzustellen: Die schlimme Niederlage ist wahrlich nicht den jungen Spielern geschuldet. Fast die komplette Mannschaft versagte und hielt sich nicht an die Vorgaben - wie zum Beispiel Tom Weiland beim ersten Gegentreffer. Auch bei Treffer zwei war die Aufgabenverteilung im Mittelfeld eine andere. Aber es könnte zumindest ein Indiz sein, warum derzeit die Mischung zwischen Defensive und Angriff so unausgewogen ist. Gerade bei der offensiven Spielweise des VfL benötigt man eine perfekt funktionierende Viererkette. Und das ist das eigentliche Manko der Bochumer in den letzten drei Zweitliga-Spielen gewesen.

Schon am Freitag geht es gegen den wiedererstarkten VfB Stuttgart. Vielleicht mit einem ebenfalls wiedergenesenen Stefano Celozzi, der in Düsseldorf zumindest wieder auf der Bank saß. Aber ohne Timo Perthel und weiterhin Tim Hoogland, so dass die Probleme bleiben. Was gegen einen Gegner wie den VfB mit Simon Terodde ein gewaltiges Handicap ist.

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