Als Max Claus am Samstag über die Laufbahn im Baumhof Richtung Kabine ging, schmerzte der verbundene Fuß kaum noch.

TSG Sprockhövel

Mutlos, hilflos, ratlos

Philipp Ziser
21. September 2016, 10:27 Uhr
Foto: Nils Heimann

Foto: Nils Heimann

Als Max Claus am Samstag über die Laufbahn im Baumhof Richtung Kabine ging, schmerzte der verbundene Fuß kaum noch.

Die 0:2-Niederlage gegen die SG Wattenscheid tat dem Angreifer dagegen richtig weh: „Es ist wieder mal einfach enttäuschend. Wir spielen eine Zeit lang gut mit und kassieren dann solche Gegentore.“

Dabei fiel es der Nummer 22, die am Sonntag die Kapitänsbinde trug, niemals ein, die Verantwortung nur der Defensive zuzuschieben. Schließlich ging auch noch vorne wenig bei der TSG: „Wattenscheid war keine Übermannschaft, aber wir spielen uns kaum Torchancen heraus. Ich bin da ein wenig ratlos.“

Nach dem Spiel ratlos, vorher mutlos und hilflos: In vielen Szenen zeigten sich die Wattenscheider abgeklärter, körperlich robuster, einfach viel weiter als die junge Sprockhöveler Mannschaft, die ja irgendwie doch einigermaßen unverhofft in diese Liga geraten ist. Das nimmt den Blauen sicher auch keiner übel. Dass die Verunsicherung auf dem Platz aber bis auf die Tribüne zu spüren ist, macht es nicht besser.

Claus hatte einen einzigen nennenswerten Abschluss am Samstag, traf nach einer Viertelstunde mit links den Ball nicht richtig. Sein Sturmpartner Tim Dudda zog kurz drauf einfach mal aus 20 Metern ab und erhielt schallenden Applaus dafür. In der zweiten Halbzeit versuchte er es mit einem kläglichen 20-Meter-Lupfer, womit eigentlich alle nennenswerten TSG-Abschlüsse aufgezählt wären.

„Vielleicht fehlt ein wenig der Mut“
Farat Toku

Drei Tore in acht Spielen. Sechsmal torlos. So gewinnt man keine Spiele. „Vielleicht fehlt ein wenig der Mut“, war die Ursache für Gästetrainer Farat Toku leicht zu erkennen, Andrius Balaika hatte dem wenig hinzuzufügen.

Die Abschlussschwäche scheint tatsächlich Kopfsache zu sein. Denn Schusspositionen waren für die Blauen am Samstag durchaus vorhanden. Das Kombinationsspiel im Mittelfeld sah gut aus, mindestens vier- oder fünfmal hätte man aus 20 Metern abziehen können, Gelegenheiten zur Flanke wurden noch häufiger vergeben. Das Mittel der Wahl war meist ein Rück- oder Querpass, das Risiko scheute die TSG – so kann man auch kaum auf gegnerische Fehler hoffen. Dass der Torwart eine Flanke fallen lässt, ein Schuss abgefälscht wird, wird so nicht passieren. „Der Trainer hat genau das in der Halbzeit angesprochen“, sagt Claus. Besserung stellte sich jedoch nicht ein. Mehrmals raunten die 700 Zuschauer auf der Tribüne bei verpassten Chancen, irgendwann schallte ein verzweifeltes „Jetzt schieß doch mal!“ über die Anlage.

Claus: „Wir müssen den Kopf frei kriegen und versuchen, diese Rückschläge loszuwerden. Wir bereiten uns auf den nächsten Gegner vor.“ Der heißt Rot-Weiß Oberhausen und hat immerhin auch schon 18 Gegentore hinnehmen müssen. Hat die TSG am Samstag eine Chance, mit verbesserter Offensivleistung beim Tabellenzwölften den ersten Saisonsieg herauszuschießen? Max Claus sagt ja: „Wenn wir schon die Erwartung hätte, sowieso zu verlieren, sollten wir besser gar nicht erst auflaufen. Wir machen uns vor dem Spiel heiß und glauben daran, dass wir jedes Spiel gewinnen können.“

Autor: Philipp Ziser

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