Tag eins nach dem Fehlstart des FC Schalke in die Bundesliga. Ein Kommentar zur Lage bei den Königsblauen.

Kommentar

Der 5-Punkte-Plan für Trainer Weinzierl

Pit Gottschalk
19. September 2016, 12:21 Uhr
Foto: firo

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Tag eins nach dem Fehlstart des FC Schalke in die Bundesliga. Ein Kommentar zur Lage bei den Königsblauen.

Die Schalker Anhängerschaft ist gespalten. Siehe Facebook. Siehe Twitter. Siehe Foren und Kommentare unter den Artikeln zur Schalke-Pleite in Berlin heute Morgen.

Da gibt es die einen, die schimpfen wie die Rohrspatzen auf die Mannschaft, die 0:2 bei Hertha BSC verloren hat und zum Saisonstart mit null Punkten und null Toren aus drei Spielen dasteht. Und da sind die anderen, die zu Geduld und Durchhalten mahnen, weil sie den Neustart mit Trainer Markus Weinzierl und Manager Christian Heidel nicht gefährdet sehen wollen.

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Die einen befürchten den Anfang eines Strudels, der nach unten zieht; die anderen erkennen den komplizierten Umbruch zum Besseren. Wer von beiden Parteien in der Mehrheit ist: unklar. Wer recht behält: nicht abzusehen. Auch die professionellen Beobachter sind uneins. Die einen meinen: Das ist Schalke! Die anderen: So ist Fußball! In solchen Zeiten füllt sich das Phrasenschwein überraschend schnell.

Bleiben wir also besser mit kühlem Kopf bei den Tatsachen. Der FC Schalke steht mit 0:5 Toren punktlos auf dem vorletzten Tabellenplatz in der Fußball-Bundesliga. So schlecht ist Königsblau zuletzt 1985 unter dem damaligen Trainer Diethelm Ferner in die Bundesliga-Saison gestartet. Aber ausdrücklich muss man konstatieren: So schlecht, wie es der aktuelle Tabellenplatz suggeriert, ist die Mannschaft natürlich nicht.

Die Leistung beim 0:1 in Frankfurt: bodenlos schlecht. Die Leistung beim 0:2 zu Hause gegen Bayern München: ermutigend gut. Die Leistung beim 0:2 in Berlin: harmlos mies. Die Leistung zwischendurch beim 1:0 beim Europacup-Spiel in Nizza: überragend gut.

An dieser kleinen Faktenliste sind fünf Feststellungen abzuleiten:

Schalke hat das Zeug zu überragender Leistung.

Schalke fehlt die Konstanz bei diesen Leistungen.

Schalke erzwingt zu wenig Torchancen und schießt zu wenig Tore.

Schalke verursacht den Rückstand durch individuelle Defensivfehler.

Schalke mangelt es folgerichtig an Konzentration.

Jetzt kommt die gute Nachricht: Punkt eins in diesem 5-Punkte-Plan sollte Trainer Weinziel darin ermutigen, dass er die Punkte 2 bis 5 vergleichsweise kurzfristig abstellen kann. Oder in altem Trainerdeutsch: Man kann das trainieren.

Punkt 1 kann und muss allen Schalker Optimisten wie Pessimisten die Panik nehmen, denn das Zwischenhoch war kein Zufall, sondern Ausdruck von individueller Klasse und einstudierter Lauf- und Passwege. Im Motorsport würde man sagen: Schalke muss diese 1000 PS immer auf die Straße bringen; darum geht es.

Punkt 2 hat etwas damit zu tun, was Manager Heidel vor zwei Wochen als Problem der Mentalität dargestellt hat und am Sonntag als „Quäntchen Überheblichkeit“. Die kann man austreiben, denn der Kader ist groß genug und ermöglicht Ein- und Auswechslungen ohne Qualitätsverlust. Rein mit Max Meyer! Der hat kein Problem mit der Mentalität.

Punkt 3 muss auf dem Trainingsplatz behandelt werden. Spielzüge, Torschusstraining, Überzahlspiel: In Nizza war zu sehen, dass die Mannschaft ihre Grundlagenarbeit erledigt hat. Was fehlt, sind Flanken und Pässe in den Strafraum, die etwas taugen. Dann ist nur die Frage zu beantworten: Im Sturmzentrum Huntelaar mit oder ohne Embolo.

Punkt 4 ist halt nicht über 90 Minuten zu vermeiden. Fehler in der Abwehr passieren und sind normalerweise keine Absicht. Die Qualität der Innenverteidigung und des defensiven Mittelfelds mit Stambouli und Bentaleb steht außer Frage. Wer aber ständig unter Druck ist, wird irgendwann nachlässig. Und verliert die Konzentration.

Punkt 5 — die Konzentration. Am besten konzentriert ist der beim Fußball, der das Spiel gestaltet. Weil er selbst bestimmt, wann er angreift und wann er Ruhepausen einlegt. Wieder das Beispiel Nizza: Das hat bei Schalke dort bestens geklappt. Und fit sind die Schalker ja. Wer Punkt 3 erledigt, kann mit Punkt 5 besser leben.

Das Fazit: So ärgerlich der verpatzte Bundesliga-Start ist — es gibt keinen Grund zur Selbstzerfleischung. Unter der neuen Führung funktioniert der Prozess der gesunden Selbstkritik.

Meine Prognose: Gegen den 1. FC Köln wird es am Mittwoch einen überzeugenden und beruhigenden Heimsieg geben. Und das, obwohl der Kölner Trainer Stöger ein Angstgegner ist. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

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Autor: Pit Gottschalk

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