Sieben Pflichtspiele, null Punkte, 46 Gegentore: Der Essener Kreisligist VfL Kupferdreh erwischte einen echten Katastrophen-Start.

VfL Kupferdreh 65/82

Bislang nur Kanonenfutter

Tobias Kurz
14. September 2016, 13:50 Uhr
Foto: Michael Gohl

Foto: Michael Gohl

Sieben Pflichtspiele, null Punkte, 46 Gegentore: Der Essener Kreisligist VfL Kupferdreh erwischte einen echten Katastrophen-Start.

Ausnahmslos deutliche Niederlagen kassierte die Mannschaft von Fabian Witzler in dieser Saison. Ein Umstand, der selbstverständlich keinem im Verein gefällt. „Es ist klar, dass wir alle, Trainer und Spieler, bei den bisherigen Ergebnissen auch im gewissen Maße enttäuscht sind, alles andere wäre auch nicht glaubwürdig“, meint Witzler. Doch völlig überraschend trifft es den kleinen Klub aus Essen nicht, dass er bisher lediglich als Kanonenfutter für die Konkurrenz herhalten darf.

Vor der Saison wurde am Eisenhammer ein Totalumbruch vollzogen. Nicht nur Witzler und sein Trainerteam sind neu, auch ein Großteil des Kaders wurde ausgetauscht, da viele wichtige Spieler dem Verein den Rücken kehrten. Ersetzt wurden diese vornehmlich durch Akteure aus tieferen Spielklassen. „Unser Weg heißt seit der ersten Minute: Kampf um den Klassenerhalt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger“, stellt Witzler klar. „Dieser Weg ist natürlich doppelt so schwer, wenn man nebenbei noch einen Neuaufbau gestalten muss - und das nicht nur in unserer ersten, sondern auch in unserer zweiten Mannschaft.“

Leichter machte es den Neuaufbau nicht, dass Kupferdreh nicht mit finanziellen Vorzügen lockt. Witzler sagt: „Qualität hat ihren Preis. Und mit den Geldern, die teilweise in der Kreisliga für qualitativ starke Spieler gezahlt werden, können und wollen wir nicht mithalten. In unserer Mannschaft bekommen weder Trainer noch Spieler auch nur einen Cent.“ Dass dadurch Topspieler nicht immer gehalten werden können, ist logisch. Und die neuformierte Mannschaft tut sich entsprechend schwer.

Witzler beklagt einfache Mängel: „Viele Gegentore fallen nach gleichem Muster. Einfaches Beispiel: Wir haben in sieben Pflichtspielen ebenso viele Elfmeter gegen uns bekommen. So machen wir es dem Gegner zu leicht und laden zum Toreschießen ein.“ Dazu kommt eine durchaus verständliche Frustration, wenn ein Spiel deutlich verloren geht. „Aber in all den Bereichen können, wollen und vor allem müssen wir uns deutlich verbessern“, kündigt der Cheftrainer an.

Denn auch wenn der VfL den Eindruck der Chancenlosigkeit erweckt, will der Coach nicht aufgeben. In den Vordergrund stellt er die besondere Atmosphäre, die trotz der sportlichen Krise am Eisenhammer herrscht. „Trotz dieser Ergebnisse kommt die Mannschaft zu jedem Training und zu jedem Spiel wieder motiviert zusammen und will wieder alles geben. Diese Charakterstärke, besonders in dieser sportlich schwierigen Situation, kann man gar nicht genug herausheben“, lobt er seine Schützlinge.

Und auch das Umfeld preist er als außergewöhnlich an: „Besonders weil wir ein kleiner, familiärer Verein sind ist der Zusammenhalt sehr groß, egal in welcher Mannschaft. Viele Spieler kennen sich schon aus Kindertagen, unsere Familien begleiten uns zu allen Spielen und unternehmen auch privat viel miteinander. Das zeichnet unseren Verein aus.“

Autor: Tobias Kurz

Mehr zum Thema

Kommentieren