Es spielten sich ungewohnt chaotische Szenen ab, als Flug EW 1909 mit dem Dortmunder Reisetross am Dienstagmittag am Chopin-Flughafen in Warschau gelandet war.

BVB

Verlieren verboten bei Tuchel-Debüt

Sebastian Weßling
13. September 2016, 20:08 Uhr
Foto: firo

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Es spielten sich ungewohnt chaotische Szenen ab, als Flug EW 1909 mit dem Dortmunder Reisetross am Dienstagmittag am Chopin-Flughafen in Warschau gelandet war.

Statt zum Gepäckband wurden die Taschen und Koffer auf ein paar Gepäckwagen vor den Flughafeneingang gefahren, und sofort bildete sich drumherum eine wuselige Menschentraube aus Spielern, Trainern, Betreuern sowie den mitgereisten Sponsoren und Journalisten. Mittendrin Thomas Tuchel, der hier einen Koffer vom Wagen hob, dort Adrian Ramos zurief, dass dessen Gepäck schon im Bus sei.

Nicht ausgeschlossen, dass die Episode den Trainer von Borussia Dortmund bewog, auch diesen Aspekt der Auswärtsreise in Zukunft lieber selbst zu organisieren. Tuchel hasst Zufälle und Unwägbarkeiten, weshalb er sich schon lange mit der Reise nach Warschau auseinandersetzt. Er besitze nach einem Jahr beim BVB inzwischen gelbe Socken, verriet der 43-Jährige vor drei Wochen bei der Veranstaltung eines Klubsponsors. „Und ich überlege, ob ich sie in der Champions League tragen soll.“ Bislang habe er sich für ein Fußballspiel selten ordentlich angezogen.

Es bestand auch selten Anlass dazu, das Champions-League-Spiel bei Legia Warschau (Mittwoch, 20.45 Uhr/ZDF und Sky) ist des Trainers erster Auftritt in der Königsklasse. Und das unter verschärften Bedingungen: Das 0:1 bei Aufsteiger RB Leipzig bedeutete schon am zweiten Spieltag RB Leipzig die erste Niederlage.

Auf der Suche nach Ursachen verwiesen die Verantwortlichen natürlich auf den gewaltigen Umbruch im Sommer mit gleich acht Zugängen. Doch sie erhöhen auch den Druck auf die Spieler: „Es sind nur sechs Gruppenspiele, wir dürfen uns wenig Ausrutscher erlauben“, warnte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vor dem Abflug in die polnische Hauptstadt. „Wir fahren nach Warschau, um zu gewinnen, das ist ganz einfach“, sagte Sportdirektor Michael Zorc dem Kicker. „Wir müssen deutlich zulegen. Weniger Fehler machen, klarer Fußball spielen.“

Tuchel und die Mannschaft hatten das Spiel am Montagabend aufgearbeitet, es fielen deutliche Worte. „Mangelnde Präzision in unserem Spiel, hohe Fehlerquote bei Aktionen unter Druck, sehr wenig Torabschlüsse“, bemängelte der Trainer. „Es gibt viel Luft nach oben.“ Seine Forderung: „Wir müssen all diese Dinge besser machen, weil wir es besser können und auch besser brauchen werden.“

Als weitere Gruppengegner warten Sporting Lissabon und Real Madrid, da wäre ein Sieg beim wohl schwächsten Kontrahenten wichtig. Denn der Einzug in die nächste Runde ist Pflicht, um das von Watzke ausgerufene Ziel zu erreichen: weiterhin im Konzert der Großen mitzuspielen, sich unter den Top Ten in Europa zu etablieren – sportlich und wirtschaftlich. Doch der BVB-Boss fordert erhöhte Aufmerksamkeit: „Die Warschauer sind glücklich, dass sie mal wieder in der Champions League sind, die werden mit gleicher Euphorie ins Spiel gehen wie Leipzig.“

Von seinen Spielern erwartet Watzke mehr – und die sind einsichtig: „Uns sind in Leipzig zu viele einfache Fehler unterlaufen“, räumt Julian Weigl ein, 21 Jahre jung und wie Tuchel Debütant in der Königsklasse. „Wir hatten Stockfehler und viele Fehlpässe, auch ich.“ Die gewohnten Automatismen im Spiel nach vorne griffen viel zu selten: „Es ist ganz wichtig, dass wir in die Abläufe wieder reinkommen, dass wir in die Spieleröffnung ordentlicher durchbringen.“

Dann sollte auch Watzkes Wunsch erfüllt werden: „Es wäre cool, wenn wir aus Warschau etwas mitnehmen.“ Und dafür kann man geordnetere Abläufe mindestens so gut gebrauchen wie bei der Gepäckausgabe.

Autor: Sebastian Weßling

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