Am Sonntagvormittag nahm Thomas Tuchel die Sache selbst in die Hand.

BVB

Mit Sorgen in die Königsklasse

Sebastian Weßling
12. September 2016, 08:47 Uhr
Foto: firo

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Am Sonntagvormittag nahm Thomas Tuchel die Sache selbst in die Hand.

Der Trainer von Borussia Dortmund sprintete die rechte Seite entlang, spielte den Ball flach nach innen und drehte jubelnd ab, als Adrian Ramos den Ball im Tor unterbrachte.

Ein Spaß im Training, mehr nicht – auch nach der 0:1-Niederlage bei RB Leipzig wird niemand in Dortmund ernsthaft erwägen, Tuchel für den Spielbetrieb nachzumelden. Der frühere Verteidiger musste seine aktive Laufbahn schon mit 24 Jahren wegen eines Knorpelschadens beenden. Im Alter von 43 kann er inzwischen auch kaum noch als Zukunftshoffnung für die rechte Seite gelten.

Die verkörpert in Dortmund inzwischen der 19-jährige und 15 Millionen Euro teure Neuzugang Ousmane Dembélé. Der aber blieb gegen Leipzig zunächst draußen, Tuchel setzte im Mittelfeld auf eine vermeintlich sichere Variante mit Julian Weigl, Sebastian Rode und Gonzalo Castro. Doch das Experiment ging nicht auf, weil alle drei gegen die ebenso geschickt wie aggressiv verteidigenden Gastgeber ungewohnt fahrig agierten, die Bälle zu oft versprangen und die Pässe zu selten ihr Ziel erreichten. 65 Prozent Ballbesitz entsprangen acht Torschüsse, von denen nur einer aufs Tor ging – Negativrekord der Ära Tuchel.
Schmelzer warnt vor Warschau

Weigl erlitt zu allem Überfluss einen Nasenbeinbruch – soll am Mittwoch aber ohne Maske spielen können, wenn es in der Champions League gegen Legia Warschau geht, den polnischen Meister (20.45 Uhr/ZDF und Sky). Ein Team der Namenlosen, doch Kapitän Marcel Schmelzer fürchtet eine ähnlich euphorische Gemengelage wie bei RB: „Die spielen erstmals seit 21 Jahren wieder in der Champions League, die werden ackern wie Leipzig.“ Das sollte gegen Dortmund eigentlich nicht reichen, aber die BVB-Spieler setzten den Plan nicht um, den man sich vorher zurechtgelegt hatte. „Nur weil eine Mannschaft uns aggressiv verteidigt hat, bedeutet das nicht, dass wir so ein Spiel noch hergeben dürfen“, schimpfte Schmelzer.

Viel zu selten habe man in die Räume gespielt, die das Trainerteam im Vorfeld aufgezeigt hatte und die Leipzig anbot. Die Räume, in denen sich bevorzugt Mario Götze bewegte, der erstmals seit 1229 Tagen wieder ein Pflichtspiel im schwarz-gelben Trikot absolvierte. „Mario hat sich super zwischen den Gegenspielern gezeigt, war immer wieder anspielbar“, lobte ­Marcel Schmelzer. Auch Tuchel ­attestierte dem schwarz-gelben Rückkehrer eine „sehr gute Leistung“ – in der ersten Halbzeit. Danach war der Kräfteverfall allerdings nicht zu übersehen.

Zu selten aber schafften es die Dortmunder, den Offensivkünstler einzubinden. Auch André Schürrle, der noch der gefährlichste Angreifer war, war über weite Teile des Spiels vom Nachschub aus der eigenen Defensive abgeschnitten. Die leistete sich mit zunehmender Spieldauer immer mehr Fehler im Spielaufbau und in der Abwehrarbeit – den letzten nutzte Naby Keita zum 1:0 in der 89. Minute.

Bürki vermisst die Konzentration

„Das hat an der Konzentration gelegen“, monierte Torhüter Roman Bürki. „Wir haben schon gegen Mainz ein spätes Gegentor gekriegt, da haben alle drüber hinweggesehen, weil wir gewonnen haben. Jetzt ist es wieder geschehen. Wir müssen bis zum Schluss konzentriert bleiben.“
Die grundsätzlichen Vorwürfe gingen Tuchel dann doch zu weit: „Ich fand das Spiel nicht so dramatisch, dass man die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und unsere Wettbewerbsfähigkeit in Warschau in Frage stellen muss.“ Auch er übte Kritik, mühte sich aber, die Bedenken zu zerstreuen und Zuversicht zu verbreiten: „Es gibt keinen Grund zur Sorge.“

Die 90 Minuten zuvor allerdings hatten einige Gründe geliefert.

Autor: Sebastian Weßling

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