Stephan Schmidt ist entspannt. Der Trainer der U17-Fußballer des FC Schalke 04 hat auch allen Grund dazu, denn bisher hat seine Mannschaft noch keinen Punkt abgegeben.

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Wie Luca Beckenbauer nach Schalke kam

Christoph Winkel
03. September 2016, 08:07 Uhr
Foto: FUNKE Foto-Services

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Stephan Schmidt ist entspannt. Der Trainer der U17-Fußballer des FC Schalke 04 hat auch allen Grund dazu, denn bisher hat seine Mannschaft noch keinen Punkt abgegeben.

Drei Siege gegen den Deutschen Meister Bayer 04 Leverkusen, den MSV Duisburg und Fortuna Düsseldorf, der Saisonstart ist vielversprechend verlaufen. Hätten Sie das so erwartet?
Stephan Schmidt: Die Eindrücke der Vorbereitung waren positiv. Meine Spieler haben eine gute Fokussierung, sie sind sehr neugierig, wissbegierig und dazu auch lernbereit. Das ist eine gute Voraussetzung, um sich weiterzuentwickeln. In den ersten Spielen haben wir phasenweise gezeigt, über welches Potenzial wir verfügen. Dennoch können wir uns in allen Bereichen steigern.

Schalke hat für die U 17 zehn externe Spieler verpflichtet. Sie kommen nicht nur aus der Umgebung, sondern aus ganz Deutschland: Von RB Leipzig, 1. FC Nürnberg, 1. FC Magdeburg, FC Bayern München, von Hannover 96. Wie haben Sie die Neuen für Schalke begeistert?
Wichtig war, dass wir uns in den persönlichen Gesprächen ein Bild von den Spielern machen und sie gleichzeitig vom Konzept der Knappenschmiede begeistern konnten. Die Spieler waren sofort sehr angetan: von unserer Spielidee, aber natürlich auch vom Mythos Schalke. Eine unserer großen Stärken ist es zudem, dass wir aufzeigen können, wie viele Spieler aus dem Nachwuchsbereich es tatsächlich in den Profikader geschafft haben. Es gibt einige Vereine, die es versprechen. Hier wird es gelebt.

Sogar Luca Beckenbauer, den Enkelsohn von Franz Beckenbauer, haben Sie von einem Wechsel nach Schalke überzeugt.
Für Luca gilt das gleiche wie für die anderen Spieler auch: Man sofort gespürt, dass er zu uns möchte. Es ist für ihn außerdem sehr wichtig, dass er sich in Ruhe weiterentwickeln kann. Das ist aufgrund seines Namens beim FC Bayern München weitaus schwieriger als bei uns auf Schalke.

Sie haben Luca Beckenbauer sogar zum Mannschaftskapitän der U 17 bestimmt.
Das hat sich durch seine sportliche Leistung und seine Persönlichkeit in der Saisonvorbereitung herauskristallisiert. Wir achten darauf, dass jeder in unserer Gruppe Verantwortung übernimmt.

Hat sein Opa ihn denn auf Schalke schon besucht?
Ich glaube nicht. Aber er ist, wie jeder andere übrigens auch, bei uns jederzeit herzlich willkommen. (lacht)

Sie waren zuletzt mit Ihrer Mannschaft auf Mythos-Tour, haben Ihren Spielern damit die Geschichte des Vereins näher gebracht.
Es war beeindruckend, den Mythos Schalke hautnah zu erleben. Die Spieler kennen nun auch die großen Namen und die kleinen Geschichten, die für die Historie dieses traditionsreichen Vereins stehen. Diese Identifikation mit dem Klub ist sehr wichtig.

In der U 16 haben Ihre Spieler in der vergangenen Saison das Vereinslied „Blau und Weiß“ in der Kabine gesungen. Wie textsicher sind Sie eigentlich nach einem Jahr beim FC Schalke 04?
Ich bin zwar textsicher, aber singen wollen Sie mich lieber nicht hören. Ich bekomme aber jedes Mal eine Gänsehaut, wenn das Lied vor dem Anpfiff einer Bundesliga-Partie in der Veltins Arena ertönt. Das zeigt einem immer wieder, was es bedeutet, für einen Verein wie Schalke 04 zu arbeiten.

Was die Schulnoten unserer Spieler betrifft, sind wir im Bilde - im Positiven wie im Negativen.
Stephan Schmidt

Apropos Arena. Der neue Manager Christian Heidel hat bei seinem Antritt auf Schalke gesagt: „Wir werden irgendwann dahin kommen, im Verein unsere eigenen Trainer auszubilden.“ In seiner Zeit beim FSV Mainz 05 hat er mit Thomas Tuchel und Martin Schmidt zwei Trainer aus dem Nachwuchsbereich gleich zu Bundesliga-Trainern befördert. Eine Aussage, die Sie zusätzlich anspornt?
Es sollte der Ansporn eines jeden Trainers in der Knappenschmiede sein, sich weiterzuentwickeln und sich zu verbessern. Für mich ist es wichtig, mich auf meinen Job bei der U17 zu konzentrieren.

Die Schule hat wieder begonnen. Schauen Sie sich die Zeugnisse Ihrer Spieler an?
Ich bin immer in Kontakt mit den Lehrern und Pädagogen. Was die Schulnoten unserer Spieler betrifft, sind wir im Bilde - im Positiven wie im Negativen. Die wichtigste Säule für unsere Spieler bleibt Schule. Es würde eher mal ein Training auf dem Fußballplatz ausfallen als die Schularbeiten. 

Sind gute Schüler die besseren Fußballer?
Intelligenz ist auf einzelnen Positionen im Fußball ein wichtiger Faktor und gewinnt zudem auch immer mehr an Bedeutung. Trotzdem sollte man intellektuelle Fähigkeiten und Spielintelligenz auf dem Platz voneinander trennen. Auch wenn Spieler bei Schalke 04 spielen, wollen wir, dass sie den bestmöglichen Abschluss in der Schule machen. Denn nur die wenigsten von ihnen werden es trotz ihres großen Talents später einmal in den Profibereich schaffen.

Als Cheftrainer der Schalker U16 in der Westfalenliga haben Sie in der vergangenen Saison gesagt, dass Sie die Tabelle nicht interessiert. Hat sich Ihre Sichtweise als Trainer nun in der U17-Bundesliga verändert?
Die Tabelle ist ein Zahlenwerk, auf das wir nicht jede Woche schauen. Das Primärziel bleibt es, die Spieler auf den nächsten Bereich vorzubereiten, sie individuell so zu verbessern, dass sie den nächsten Schritt gehen können. Wir wollen möglichst viele Spieler in die U19-Mannschaft von Norbert Elgert bringen. Wenn wir es darüber hinaus schaffen, die individuellen Potenzialen eines jeden Spielers in ein Teamgefüge zu integrieren, dann sind die Chancen groß, dass wir Spiele gewinnen und uns in der oberen Tabellenregion bewegen können. Denn natürlich ist auch die Entwicklung von Siegermentalität ein Baustein der Ausbildung. Dennoch ist der Erfolg einer Saison aber nicht allein davon abhängig, auf welchem Tabellenplatz wir am Ende landen.

"Von Überfliegern sprechen wir nicht."
Stephan Schmidt

Sie haben den Sprung mit vielen Spielern aus Ihrer U16 jetzt in die U17 gemacht. Frank Fahrenhorst, der in der vergangenen Saison U17-Trainer war, hat dagegen jetzt wieder mit einer U16-Mannschaft begonnen.
Wir halten dieses Modell für sinnvoll, weil wir die Chance haben, die Mannschaft über zwei Jahre kennenzulernen und zu entwickeln. Zwei Jahre sind ein guter Zeitraum, um die nächste Ausbildungseben zu erreichen. Wir haben aktuell einen ausgeglichenen Kader, somit ist der nötige Konkurrenzkampf innerhalb der Mannschaft gegeben. Jeder Spieler möchte den nächsten Schritt gehen. Und genau dabei wollen wir die Jungs begleiten und sie natürlich auch bestmöglich unterstützen.

Der Wechsel in welche Altersklasse ist Ihrer Meinung nach der gewaltigste?
Jeder Sprung hat seine ganz eigenen Herausforderungen. Bezogen auf unseren Altersbereich ist der Schritt von der U17 in die U19 schon sehr groß. Das erfahren unsere A-Junioren gerade, die mit vielen Spielern aus der letztjährigen U17 in die neue Spielzeit gestartet ist. Die Spieler in der U19 treffen momentan auf physisch stärkere Gegenspieler. Sie benötigen eine gewisse Zeit, um sich in der neuen Klasse zu akklimatisieren. Aber auch der Sprung von der U19 in den Seniorenbereich ist natürlich enorm. Von einem auf den anderen Tag bekommt man es dann mit deutlich älteren, erfahreneren und auch robusteren Spielern zu tun.

Mit Mick Gudra, Sava Cestic und Yannic Lenze stehen nur drei Jungjährgange in Ihrer Kaderliste für die U 17-Mannschaft. Sind beide Spieler Überflieger?
Von Überfliegern sprechen wir nicht. Werte, für die wir stehen, sind Bodenständigkeit und Demut und wir erwarten, dass unsere Spieler das auch verkörpern. Alle drei genannten Spieler besitzen das Potenzial für die U17. Dennoch, wenn sie nicht regelmäßig von Beginn an spielen, sammeln sie Spielpraxis in der U16. Mit Frank Fahrenhorst gibt es einen engen Austausch über unsere Kader. Damit können sich alle U16-Spieler auch als Jungjahrgänge durch gute Leistungen für die U17 empfehlen.

Autor: Christoph Winkel

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