Ex-Schalke-Trainer André Breitenreiter hat sich in einem Sky-Interview zu seiner Zeit auf Schalke geäußert. Den Wechsel von Leroy Sané hält er für verfrüht.

Breitenreiter im Interview

Sané-Wechsel kam zu früh

sid
01. September 2016, 11:12 Uhr
Foto: firo

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Ex-Schalke-Trainer André Breitenreiter hat sich in einem Sky-Interview zu seiner Zeit auf Schalke geäußert. Den Wechsel von Leroy Sané hält er für verfrüht.

Der frühere Schalke-Coach André Breitenreiter hat sich rund vier Monate nach seiner Trennung vom Traditionsklub zu den aktuellen Geschehnissen auf dem Transfermarkt und bei Schalke 04 geäußert.

In einem Interview mit Sky Sport News HD erklärte der 42-Jährige, dass er in der Retrospektive den damaligen Leistungsträger Julian Draxler nicht zum VfL Wolfsburg hätte ziehen lassen: „Heute würde ich unterschreiben, dass Draxler damals hätte bleiben sollen. Denn letztendlich geht es um sportliche Qualität. Zu dem Zeitpunkt war mir noch nicht klar, dass die Champions League Pflicht ist und da hätte ich natürlich auf die bestmögliche Qualität gesetzt.“

Den Transfer des jungen Nationalspielers Leroy Sané zu Manchester City hält der frühere Trainer der Königsblauen für verfrüht: „Er hat noch nicht viele Spiele gehabt und ich finde, der Transfer ist ein stückweit zu früh. Sané hätte noch große Möglichkeiten gehabt, in seiner persönlichen Entwicklung einen Schritt weiter zu machen, auf konstantem Niveau über eine Saison zu spielen und sich dann mit den Besten der Welt zu messen.“ Weitere Aussagen von

André Breitenreiter zu …

… dem aktuellen Kader von Schalke 04: „Unser Auftrag war es letztes Jahr, eine junge Mannschaft und einige Führungsspieler zu entwickeln und aufzubauen. Ich denke, wenn wir letztes Jahr eine der jüngsten Mannschaften in der Liga hatten, ist es uns durchaus gelungen, die jungen Spieler weiterzuentwickeln und besser zu machen. Das Ergebnis sieht man jetzt zum Teil auch. [person=8906]Max Meyer[/person] wurde zur A-Nationalmannschaft eingeladen, Leroy Sané wechselt für sehr viel Geld den Verein… Es war unter anderem ein Punkt unseres Auftrages, die Fans zurückzugewinnen. Und Schalke hat jetzt sehr viel Geld in die Hand genommen und das Geld für Leroy in Schwachstellen reinvestiert, die wir auch ausgemacht hatten. Es ist für mich sehr beeindruckend, dass so hervorragende Spieler verpflichtet wurden.“

… zum „Aderlass“ mit Julian Draxler bei Schalke 04 im vergangenen Jahr: „Da muss man natürlich den Verein verstehen - es war sehr viel Geld und Schalke muss auch noch Schulden abbauen, man hat Verbindlichkeiten. Diesen Kompromiss sind wir in der letzten Saison eingegangen - es hat zum besten wirtschaftlichen Ergebnis in der Vereinsgeschichte geführt und geholfen, den Verein zu konsolidieren. Und wenn Angebote in dieser Höhe eintreffen, dann kann ich sehr gut nachvollziehen, dass der Verein entsprechend handelt.“

Für mich war erst einmal wichtig, die Mannschaft auf die richtige Spur zu kriegen. Denn die war sehr vergrault den Fans gegenüber. Die Stimmung war eisig. Da habe ich die oberste Priorität gesehen
André Breitenreiter

… zu Julian Draxler und seinem möglichen Wechsel vom VfL Wolfsburg: „Ich kenne Julian sehr gut. Als ich zum FC Schalke gekommen bin, hat er mir direkt nach dem ersten Training gesagt, dass er den Verein gern verlassen möchte, dass er diese Entscheidung im Verlauf der vorherigen Rückrunde für sich getroffen und dass es nichts mit meiner Person zu tun hat. Er hat sich sehr professionell verhalten und immer sehr offen, ehrlich und direkt. Er hat kein falsches Spiel gespielt. Deswegen habe ich eine sehr hohe Meinung von Julian Draxler - nicht nur als Sportler, sondern auch als Mensch. Der VfL Wolfsburg hat klar signalisiert, dass sie einem Transfer in dieser Periode nicht zustimmen. Ich bin davon überzeugt, dass Julian es sehr professionell aufnehmen wird und seine beste Leistung abruft. Heute würde ich unterschreiben, dass Draxler damals hätte bleiben sollen. Denn letztendlich geht es um sportliche Qualität. Zu dem Zeitpunkt war mir noch nicht klar, dass die Champions League Pflicht ist und da hätte ich natürlich auf die bestmögliche Qualität gesetzt.“

… zum Wechsel von Leroy Sané: „Man muss wirklich sagen - letztendlich ist Leroy ein außergewöhnliches Talent. Und wenn man die Preise heute auf dem Markt sieht, dann ist es auch gerechtfertigt. Weil ihm natürlich eine ganz große Zukunft bevorstehen kann. Er ist ein super Junge mit einem wirklich ganz klaren Kopf und einem sehr guten Elternhaus. Und darüber hinaus mit enormen Waffen in der sportlichen Entwicklung. Nichtsdestotrotz hat er noch nicht viele Spiele gehabt und ich finde, der Transfer ist ein stückweit zu früh - ich denke, er hätte noch große Möglichkeiten gehabt, in seiner persönlichen Entwicklung einen Schritt weiter zu machen, auf konstantem Niveau über eine Saison zu spielen und sich dann mit den besten der Welt zu messen.“

… zum Neuanfang auf Schalke: „Also, ich kann überhaupt kein schlimmes Wort über Schalke 04 äußern, ich hege auch überhaupt keinen Groll, dass da nach der Saison die Entscheidung getroffen wurde, einen Neuanfang zu starten. Die Fans sind sensationell, sie sind Champions-League-Sieger-tauglich. Christian Heidel hat es jetzt ja auch eindrucksvoll nach außen getragen – es werden dort Steine umgelegt und es müssen sich Dinge verändern. Das war auch mein Bestreben im letzten Jahr. Für mich war erst einmal wichtig, die Mannschaft auf die richtige Spur zu kriegen. Denn die war sehr vergrault den Fans gegenüber. Die Stimmung war eisig. Da habe ich die oberste Priorität gesehen.“

… zur Zusammenarbeit mit Schalke-Manager Christian Heidel: Ich denke, dass man mir immer offen und ehrlich gesagt hat, um was es geht. Die Gespräche mit Christian Heidel waren immer offen und ehrlich. Das Verhältnis zu Horst Heldt wurde in der Öffentlichkeit kritisch gesehen, doch wir haben uns sehr vertrauensvoll ausgetauscht und die inhaltlichen Dinge immer sehr genau besprochen. Darüber kann ich kein schlechtes Wort sagen. Ich kann Christian Heidel ein großes Lob aussprechen - die Transfers sind wirklich klasse vorbereitet und auch durchgeführt. Es ist viel Geld in die Hand genommen worden. Das Geld wurde reinvestiert und letztendlich hat man auf Führungsqualität und Fachkräfte gesetzt - die uns definitiv letztes Jahr gefehlt haben.

... zu seinen Zukunftsplänen: „Momentan ist alles sehr ruhig. Man weiß schon, wenn ein Trainer auf Schalke noch zur Verfügung steht, der dort war. Ich bin derzeit dabei, den internationalen Markt noch besser kennenzulernen. Das ist für mich wichtig, dass ich Erfahrung sammele, mir dort bessere Einblicke verschaffe. Wir waren in Kroatien, und haben uns ein Spitzenspiel mit sehr vielen Spitzenkräften angeschaut. Es werden weitere Auslandsaufenthalte folgen, um neue Ideen zu sammeln, neue Eindrücke zu gewinnen, die ich in meine Trainingsarbeit einfließen lassen kann, um noch besser zu werden."

Autor: sid

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