Eine ganz bittere Situation, die sich an der Essener Hafenstraße darstellt. Nach dem 0:1 (0:1) vor komplett enttäuschten 9045 Zuschauern gegen Kickers Emden steht RWE ziemlich mit dem Rücken zur Wand.

RWE - EMDEN 0:1 (0:1) / Dienstag Pokal in Osterfeld

Umfeld kocht, Steine flogen! Kredit scheint aufgebraucht

Oliver Gerulat
26. August 2007, 12:33 Uhr

Eine ganz bittere Situation, die sich an der Essener Hafenstraße darstellt. Nach dem 0:1 (0:1) vor komplett enttäuschten 9045 Zuschauern gegen Kickers Emden steht RWE ziemlich mit dem Rücken zur Wand. "Man ist absolut betroffen", bestätigt Kapitän Michael Lorenz. Fünf Matches in der Regionalliga Nord wurden absolviert, die Truppe von Coach Heiko Bonan erzielte ein kümmerliches Törchen, zwei von möglichen 15 Zählern fristen ein einsames Dasein auf dem Konto.

"Wir werden alles intern besprechen", grübelt Bonan. Seine Forderung: "Wir müssen noch enger zusammenrücken." Dazu Präsident Rolf Hempelmann: "Es macht keinen Sinn, sich irgendwas vorzumachen. Wir sind stabiler Tabellenvorletzter, haben uns an den letzten Spieltagen keinen Millimeter bewegt." Eine böse Wortwahl, Wahrheit tut weh![imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/004/206-4251_preview.jpeg Exklusive RS-Impression: RWE-Präsident Rolf Hempelmann auf Tuchfühlung mit den aufgebrachten Fans.[/imgbox]

In der Meisterschaft geht es bei der Zweitvertretung vom VfL Wolfsburg weiter (Samstag, 1. September, 14 h), vorab tritt RWE am Dienstag (28. August, 19.30 h) im Rahmen des Diebels-Niederrhein-Cups beim Landesligisten Adler Osterfeld an. Bonan: "Für Trübsal haben wir keine Zeit. Der gordische Knoten muss zerschnitten werden."

Das Umfeld kocht, es werden Köpfe gefordert: Der des Sportlichen Leiters Olaf Janßen, was nicht neu ist, aber mittlerweile auch der von Bonan, dessen Kredit so gut wie weg ist. Bonan: "Bitter, wichtig ist aber die Ruhe." Es besteht Handlungsbedarf, was immer eine Gratwanderung zum Aktionismus darstellt.

Ratlosigkeit, das ist der Begriff, der einem sofort einfällt, wenn man in die Gesichter von Verantwortlichen und Akteuren schaut. Eine Perspektive, die sich in Formulierungen wiederspiegelt. Lorenz: "Wir arbeiten jede Woche daran. Mehr können wir auch nicht machen." Oder Daniel Sereinig: "Keine Ahnung, eine Standardsituation, schon knallt es. Man läuft der Musik hinterher." Nochmals der Ex-Schaffhausener: "Es ist kein Kopfproblem, es liegt nicht an der Einstellung. Es geht weiter, daran muss jeder glauben." Oder Keeper Daniel Masuch: "Mir fehlen die Worte, es ist schwierig zu sagen. Wir veranstalten einen unheimlichen Aufwand, aber es kommt nichts dabei raus."
Außer Theater: Weit über eine Stunde nach dem Schlusspfiff belagerten Fans, beobachtet von Ordnungsdienst und Polizei, den Ausgang an der Geschäftsstelle. Boss Hempelmann stellte sich, vorab gab es Auseinandersetzungen. Flaschen und Steine flogen, wie Einsatzbeamte bestätigten, es gab auch einen Abtransport zum Arzt.

Knallt es, fliegt Janßen? Fliegt auch Bonan? Fliegt noch einer? Alles kann man sich vorstellen. "Verschiedene Fans sprachen mich darauf an, die Reißleine zu ziehen. Was bedeutet das konkret?", wägt Hempelmann ab. Der SPD-Bundestagsabgeordnete weiter: "Unsere Aufgabe ist es, besonnen zu bleiben, Akteuren und Coaches in Ruhe arbeiten zu lassen. Auch wenn es zurzeit sehr schlecht läuft, müssen wir ihnen die Chance geben, das abzurufen, was im Kader steckt."

Das was ist? In der Saison 97/98 schaffte RWE als Zweitligaabsteiger den negativen Durchmarsch in die Oberliga Nordrhein. Sollte in diesem Jahr nicht mindestens die Quali für die neue dritte Bundesliga verwirklicht werden (Platz zehn), dürfte der Verein mausetot sein. Deshalb kann es sein, dass gefeuert wird. Gestern nicht, die Gremien saßen ab 13 Uhr zusammen. Heute soll es auch nicht krachen. Aber bald, wenn nichts passiert. Das ist RWE, ein Verein auf dem Weg in einen katastrophalen Zustand.

Autor: Oliver Gerulat

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