Das Bild ist ungewohnt. Nach drei Jahren als Fußballprofi des MSV Duisburg steht Torwart Michael Ratajczak erstmals nicht unter Vollstrom.

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Ratajczak braucht noch etwas Abstand

Thomas Tartemann
24. August 2016, 03:07 Uhr
Foto: Tillmann

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Das Bild ist ungewohnt. Nach drei Jahren als Fußballprofi des MSV Duisburg steht Torwart Michael Ratajczak erstmals nicht unter Vollstrom.

Der 34-Jährige, der für die Zebras 112 Pflichtspiele absolvierte, ist seit dem 1. Juli vertragslos. Sein letzter Einsatz datiert vom 8. Mai. „Rata“ zog sich beim 2:2 im Zweitliga-Auswärtsspiel in Sandhausen bei einer Rettungsaktion eine Syndesmosebandverletzung zu, biss aber auf die Zähne. Um in der Relegation wieder mitmischen zu können, schuftete der Schlussmann täglich in der Reha. Ergebnis: Es trat keine Verbesserung, sondern eine Verschlimmerung ein. „Die behandelnden Ärzte haben mir gesagt, dass man einem 22-jährigen Spieler mit laufendem Vertrag vorgeschlagen hätte, sich operieren zu lassen. Für mich kam das aber nicht in Frage, weil ich dem MSV in dieser wichtigen Phase helfen wollte“, so Ratajczak im Rückblick.

Für mich persönlich war das alles enttäuschend
Michael Ratajczak

„Rata“ musste am Ende tatenlos mit ansehen, wie sein Team in der Relegation gegen die Würzburger Kickers den Kürzeren zog. Anschließend ging es um die Neuausrichtung des Kaders. Ratajczak spielte dabei durchaus eine Rolle, in mehreren Gesprächen wurde mit ihm eine Art Backup-Rolle thematisiert, um zwei junge, neue Keeper mit anleiten zu können. Richtig konkret wurde das Angebot aber nie. Der MSV Duisburg holte mit Mark Flekken (Fürth) und Daniel Zeaiter (Mainz) zwei neue Schlussleute, behielt dazu Marcel Lenz, der noch einen gültigen Vertrag besaß. Für Ratajczak, dem kürzlich noch angeboten wurde, sich beim MSV Duisburg fit zu halten, war die Tür damit zu.

„Für mich persönlich war das alles enttäuschend“, erklärt der Routinier. Kontakte zu mehreren Mitspielern aus dem Vorjahr hat er noch, der Draht ist nicht abgerissen. Aber den Schritt in die Schauinsland-Reisen-Arena hat Michael Ratajczak in dieser Saison noch nicht gewagt. Verständlich. „Natürlich verfolge ich die MSV-Ergebnisse, aber selbst ins Stadion gehe ich noch nicht. Ich hänge da noch zu emotional dran“, sagt er. Aktuell absolviert „Rata“ ein Rehaprogramm und leichtes Torwarttraining bei Borussia Dortmund. „Der Kontakt kam über BVB-Torwart-Koordinator Thomas Schlieck zustande, den ich schon länger kenne. Er hat es mitbekommen, dass ich verletzt bin und angeboten, mich bei der U 23 des BVB wieder heranzuarbeiten. Wir machen im Moment kleine Schritte, aber das sieht insgesamt schon sehr positiv aus“, zeigt sich der ehemalige Düsseldorfer zufrieden.

Dass Michael Ratajczak auf den Rasen zurückkehrt, ist für ihn in Stein gemeißelt. „Ich will noch spielen und ich habe Spaß daran, aktiv zu sein. Für den Posten als Torwarttrainer ist es einfach noch zu früh. Aktuell fühle ich mich noch zu sehr als Spieler.“ Einen vielversprechenden Kontakt gab es vor wenigen Tagen zu Zweitligist Union Berlin. Dort wurde „Rata“ die Rolle des dritten Keepers angeboten. Die Variante kam für ihn aber trotz guter Gespräche mit den „Eisernen“ nicht in Frage. Union entschied sich mittlerweile für Michael Gspurning (35/FC Schalke 04). Ratajczak ist selbstbewusst genug, um zu wissen: Die nächste Offerte kommt ganz bestimmt. Und dann folgt sein nächstes Keeper-Kapitel.

Autor: Thomas Tartemann

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