Alexander Merkel war einst eines der größten deutschen Fußballtalente.

Alexander Merkel

Ein bisschen Milan beim VfL Bochum

Björn Goldmann
18. August 2016, 19:41 Uhr

Alexander Merkel war einst eines der größten deutschen Fußballtalente.

Als Jugendlicher wechselte er 2008 vom VfB Stuttgart zum AC Mailand, spielte mit den Italienern in der Champions League. Nun ist er zurück in Deutschland. Der Neustart beim Zweitligisten VfL Bochum.

Herr Merkel, der VfL Bochum hat an diesem Tag trainingsfrei. Ihre Trainingskluft lässt allerdings vermuten: Sie nicht.
Alexander Merkel: Ja, die Mannschaft hat frei, aber ich muss zum Krafttest. Aber das ist ja verständlich. Ich muss noch viel nachholen. Ich brauche auf jeden Fall noch Trainings- und Spielrhythmus.

Es ist ohnehin kurios, dass Sie nun hier sind. Sie hatten doch erst kürzlich beim italienischen Zweitligisten AC Pisa unterschrieben.
Nach Pisa hatte mich mein ehemaliger Mitspieler Gennaro Gattuso geholt, der war dort Trainer. Zu ihm hatte ich immer einen guten Draht und war deshalb glücklich, zu einem Trainer zu kommen, der mich kennt und der mir vertraut. Ich wollte endlich wieder spielen. Ich habe in Pisa unterschrieben – und eine Woche später nach dem ersten Trainingslager ist Gattuso nach einem Streit mit dem Präsidenten zurückgetreten. Das war überraschend – und natürlich für mich auch enttäuschend. Dann kam die Anfrage aus Bochum, eine tolle Alternative. Jetzt bin ich hier.

[zitat=Alexander Merkel]Fußballprofi – das ist ja ein Beruf, von dem Millionen Menschen träumen. Ich bin erst 24 Jahre alt – der Traum ist also noch nicht zu Ende.

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Stimmt es, dass Sie lediglich einen Rucksack dabei hatten, als Sie vor wenigen Tagen aus Italien nach Bochum kamen?
Ja, mein Vater kam dann aus Stuttgart, um mir ein paar Sachen zu bringen. Ich pendle nun zwischen Hotel und Trainingsgelände, hatte zu nichts anderem bisher Zeit. Alles ging so schnell. Zwei Vereine in zwei Wochen. Verrückt. (lacht)

Als ein bisschen verrückt mutet ihre ganze Karriere an. Als Jugendspieler gingen Sie zum AC Mailand, spielten als 18-Jähriger mit Stars wie Zlatan Ibrahimovic, Robinho und Andrea Pirlo, wurden 2011 italienischer Meister.
Wenn man da ist, realisiert man das gar nicht so sehr. Für mich war es irgendwann normal, mit diesen Spielern zusammen zu sein. Natürlich war es schon die Erfüllung eines Traums, das streite ich nicht ab. Als Kind habe ich sie ja immer im Fernsehen gesehen. Sie waren auch alle richtig nett, gar nicht arrogant. Es war eine tolle Zeit.

Dann wälzte das berüchtigte Transfersystem Italiens allerdings gnadenlos über sie hinweg.
Das stimmt, ich habe kuriose Dinge hinter mir. Aber das ist in Italien gar nicht so ungewöhnlich. Spieler werden oft hin- und hergeschoben. Ein Mitspracherecht hat man selbst meist nicht, den Wechsel entscheiden die Präsidenten der Klubs oft unter sich.

Sie wurden erst von Mailand zum CFC Genua verliehen, dann gingen Sie zu Udinese Calcio. Dieser Verein verlieh sie wiederum zum FC Watford in die zweite englische Liga und in die Schweiz zu Grasshopper Zürich. Ist man da mehr als Ware als Fußballer?
In Italien fehlt oft die Geduld, deshalb werden so viele Transfers getätigt. Jeder Spieler braucht doch eine gewisse Zeit bei einem Verein, um sich einzuleben und wohl zu fühlen. Zu Watford: Der Verein gehört der Familie von Udines-Besitzer Giampaolo Pozzo. Damals gehörte ihm auch noch der spanische Verein Granada CF. Da waren zum Trainingsstart bei Udinese manchmal 60 Spieler da, wir brauchten zwei Kabinen. Die Spieler wurden dann zwischen den Vereinen hin- und hergewechselt.

Bereuen Sie den Schritt nach Italien im Nachhinein?
Ich bereue nichts. Aus solchen Zeiten lernt man auch. So leicht schreckt mich nichts mehr ab. Fußballprofi – das ist ja ein Beruf, von dem Millionen Menschen träumen. Ich bin erst 24 Jahre alt – der Traum ist also noch nicht zu Ende.

In der vergangenen Saison haben Sie wegen eines Kreuzbandrisses nur ein Spiel absolviert.
Ich bin noch nicht so fit wie der Rest der Mannschaft des VfL Bochum. Ich brauche wie erwähnt noch Trainings- und Spielrhythmus. Aber ich habe keine Schmerzen mehr – das ist das Wichtigste.

Der VfL Bochum ist schon für viele gute Spieler ein Sprungbrett in die 1. Liga geworden.
Daran verschwende ich keinen Gedanken. Ich will meine Leistung bringen, wieder fit werden, spielen. Und mit dem VfL Bochum kann man ja auch in der 1. Liga spielen.

Autor: Björn Goldmann

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