Rasen ist nicht gleich Rasen. Das merkten am Montagabend die Bundesliga-Profis von Borussia Mönchengladbach beim Abschlusstraining im Stade de Suisse ziemlich rasch.

Champions League

Gladbach steht in der Pflicht

Michael Ryberg
15. August 2016, 16:52 Uhr

Rasen ist nicht gleich Rasen. Das merkten am Montagabend die Bundesliga-Profis von Borussia Mönchengladbach beim Abschlusstraining im Stade de Suisse ziemlich rasch.

Die Schützlinge von Trainer André Schubert testeten im Berner Ortsteil Wankdorf den gewöhnungsbedürften Kunstrasen, auf dem sie sich am Dienstagabend (20.45 Uhr/ZDF) beim Schweizer Vizemeister Young Boys eine gute Ausgangsposition in den Play-offs zur Champions League herausspielen wollen. "Wir sind Favorit, das müssen wir auf dem Rasen nun auch zeigen", betont Trainer Schubert.

Mit Yann Sommer kann Schubert auf seinen Stammtorwart bauen. Der Schweizer Nationalspieler kurierte seinen Kapselbandriss im Fußgelenk im Rekordzeit aus. Auch die zuletzt leicht erkrankten Lars Stindl und Mahmoud Dahoud sollten wieder zur Verfügung stehen.

Die Duelle mit YB sind für Gladbach schon vor dem Pokal- und Bundesliga-Start die wichtigsten der Saison. Zumindest, wenn es um die Zusatzeinnahme von rund 20 Millionen Euro geht. Das ist jedenfalls die grobe Differenz, die Borussias Geschäftsführer Stephan Schippers zwischen der Fernseheinnahme bei Teilnahme an der Königsklasse und jener in der Europa League errechnet. Gladbach spielt auf jeden Fall international. Würde Bern schiefgehen, tritt die Elf von Niederrhein in der Gruppenphase der Europa League an.

Die erstmalige Teilnahme an der Champions League in der vergangenen Saison sorgte für einen Gladbacher Rekordumsatz für das Jahr 2015 in Höhe von 160 Millionen Euro. Unter dem Strich stand ein Plus von 21 Millionen Euro. Geld, das Betriebswirt Schippers gut gebrauchen kann. Unter anderem sind die Kosten für den 2004 eröffneten Borussia-Park noch abzutragen. 54 Millionen Euro sollen in den nächsten Jahren eliminiert werden.
Der Geldsegen führt über Wankdorf, über die Papiermühlenstraße. Dem Stade de Suisse im Berner Stadtteil, dessen altes Stadion untrennbar mit dem deutschen Weltmeister-Titel von 1954 verknüpft ist, sieht man von außen die Nostalgie nicht mehr an. Die zweitgrößte Arena der Schweiz mit 31 783 Plätze wurde am 30. Juli 2005 komplett gebaut.

Selbst YB-Trainer Adolf Hütter scheut sich da, bei besonderen Resultaten vom "Wunder von Bern" zu sprechen. Das tat der 48-jährige Österreicher selbst nach dem Sieg im Elfmeterschießen über Favorit Shakhtar Donetsk nicht. Die sportlich überaus launischen Gelb-Schwarzen hatten unerwartet die 0:2-Niederlage in der Ukraine egalisiert. "Sollten wir gegen Gladbach weiterkommen, denke ich noch einmal neu nach", verspricht Hütter - was ein "Wunder von Bern" anbetrifft. Es wäre der größte Erfolg der Berner seit dem letzten Meistertitel in der Super League vor 30 Jahren. Und es wäre dann wohl nicht übertrieben, zumindest von einem kleinen Wunder zu sprechen.

Beide Treffer im Rückspiel gegen Donetsk erzielte der Japaner Yuya Kubo, den Trainer Hütter mit einer schmerzhaften Startsperre bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro belegt hatte. Sus Berner Sicht im Nachhinein eine goldrichtige Entscheidung. Gefährlich ist auch der französische Nationalspieler Guillaume Hoarau. Der 32-Jährige mit der Rückennummer 99 hat bei Paris St.-Germain eine Saison lang mit Zlatan Ibrahimovic zusammengespielt.

Zu den Leistungsträgern bei YB zählen auf der linken Seite der Serbe Miralem Sulejmani, für den einst Ajax Amsterdam 2008 satte 22 Millionen Euro Ablöse an den SC Heerenveen hinblätterte, sowie Denis Zakaria im defensiven Mittelfeld. Der 19-jährige Schweizer EM-Fahrer ist allerdings nicht voll fit.

Beim Pokalspiel am Wochenende gab Zakaria wochenlanger Verletzungspause sein Comeback. Die Young Boys setzten sich beim regionalen Zweitligisten SC Veltheim ohne Mühe mit 6:0 (2:0) durch.

Autor: Michael Ryberg

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