Mit neuer Philosophie nimmt der FC Viktoria Köln einen neuen Anlauf in der Regionalliga West. Der Aufstieg ist dabei nicht das primäre Ziel.

Viktoria Köln

Junge, hungrige Top-Mannschaft

Daniel Sobolewski
29. Juli 2016, 11:29 Uhr
Foto: Daniel Sobolewski

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Mit neuer Philosophie nimmt der FC Viktoria Köln einen neuen Anlauf in der Regionalliga West. Der Aufstieg ist dabei nicht das primäre Ziel.

Der Traum bleibt Traum. Auch im dritten Jahr scheiterte der als Aufstiegsfavorit gehandelte FC Viktoria Köln – wieder vor allem an sich selbst. In großen Spielen wie der Pokal­sensation gegen Zweitligist Union­ Berlin (2:1), dem grandiosen 6:0 gegen Alemannia Aachen oder der erneuten Titelverteidigung im Mittelrheinpokal gegen Erzrivale Fortuna Köln (6:5 n. E.) bewiesen die Höhenberger ihre Klasse, um die erkämpften Erfolge meist schon kurz darauf mit dem Gesäß wieder einzureißen. 0:0 beim TuS Erndtebrück, 2:2 gegen den FC Kray, 1:2 gegen Wiedenbrück – die Mentalität der Mannschaft wurde als Schwachpunkt ausgemacht, nachdem diese gerade einmal die Hälfte aller Spiele gegen die Teams gewonnen hatte, die die Saison in der unteren Tabellenhälfte abschlossen.

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Elf Abgänge und ein neuer Trainerstab klingen wie der alljährliche Umbruch­, den die Viktoria-Verantwortlichen schon fast traditionell nach einer enttäuschenden Spielzeit vollziehen. Und doch ist es in diesem Sommer anders. „Wir gehen einen ande­ren Weg“, sagt Sportvorstand Franz Wunderlich und bestätigt damit­ den Eindruck, den die Neuverpflichtungen machen. Die Zeit der altern­den Ex-Bundesligisten ist vorbei, junge und hungrige Spieler sind en vogue.

Statt Giovanni Fede­rico, Andrew Sinkala und Albert Streit heißen die bekanntesten Zugän­ge Kevin Holzweiler, Timm Golley und Sascha Eichmeier, kommen aus Mönchengladbachs U23, vom FSV Frankfurt und der SV Elversberg. „Wir haben nach Spielern geguckt, die dahin wollen, wo wir hinwollen, und nicht schon dort waren“, erklärt Wunderlich.

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Mit einem deutlich kleineren Kader, einem verschworenen Haufen, soll der neue Trainer Marco Antwerpen der Viktoria einen neuen Anstrich verpassen. Weniger Häuptlinge, mehr Indianer und gleich fünf Akteure aus der eigenen, in die U17- und U19-Bundesliga zurückgekehrten Jugend – und ohne den Drittliga-Aufstieg als Ziel auszugeben.
Etappenziele, eine Weiterentwicklung in kleinen Schritten lautet das neue Credo auf der Schäl Sick. Spielerische Schwankungen werden in Kauf genommen. „Wenn wir nächstes Jahr mit einem Altersdurchschnitt von deutlich unter 25 Jahren Dritter werden, wird keiner meckern“, ist sich Wunderlich sicher. Dabei ist vor allem die Einstellung der Spieler wichtig, an der es in den vergangenen Jahren regelmäßig haperte. Die Mannschaft soll enger zusammenrücken, Unruhen aufgrund mangelnder Einsatzzeiten sollen minimiert werden.

Mit einer neuen Spielidee, einem­ extremen Pressing, will man dem Gegner jeden Spielspaß rauben. „Keiner darf sich mehr auf das Spiel gegen das Bayern München der Regio­nalliga freuen“, stellt Neu-Trainer Antwerpen­ klar. Der Etat der Viktoria bleibt der höchste der Liga, das mittelfris­tige Ziel die Rückkehr in den Profifußball – und doch ist der Weg dorthin ein anderer.

Autor: Daniel Sobolewski

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