Der Trainer der SG Wattenscheid 09 will wieder eine Mannschaft formen, die den Rest der Liga ärgern kann. Aber er warnt auch: „Wir fangen bei Null an.“

Wattenscheid 09

"Es wird Stürme geben"

Felix Kannengießer
29. Juli 2016, 07:07 Uhr
Foto: Tillmann

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Der Trainer der SG Wattenscheid 09 will wieder eine Mannschaft formen, die den Rest der Liga ärgern kann. Aber er warnt auch: „Wir fangen bei Null an.“

Seit Januar 2015 ist Farat Toku Trainer bei der SG Wattenscheid 09. Damals stand der 36-Jährige vor der Aufgabe, den Abstieg noch zu verhindern. Es folgte ein überaus erfolgreicher Neuaufbau. Jetzt aber muss Toku erneut aus vielen Neulingen ein funktionierendes Team bilden. Warum der Trainer geblieben ist und was er von der Saison erwartet, verrät er im Interview.

Die letzte Saison ist mit dem Westfalenpokal-Gewinn mit einem emotionalen Höhepunkt zu Ende gegangen, nach dem Sie überdacht haben, ob Sie in Wattenscheid weitermachen. Was hat Sie dazu bewogen, bei der SG 09 zu bleiben?
Natürlich stellt man sich nach so einer erfolgreichen Saison die Frage, wie es weitergeht: Was ist noch möglich? Vor allem, wenn du 17 Abgänge hast und den Kader neu aufbauen musst. Ich hätte es mir einfach machen können. Die Möglichkeit hat bestanden, woanders hinzugehen. Aber mein Herz hängt an Wattenscheid, am Verein, den Fans, dem gesamten Team. Ich habe mir meinen nächsten Schritt gut überlegt. Der Neuaufbau in so kurzer Zeit wird eine Riesen-Herausforderung.

Ist so ein Erfolg wie in der vergangenen Saison noch einmal machbar?
Ich mag es nicht, Vergleiche zu ziehen. Der Erfolg in der letzten Saison war kein Zufall, wir brauchen niemandem etwas beweisen. Wir sind komplett neu aufgestellt, die Kurve kann nicht einfach so weiter nach oben gehen. So etwas braucht extrem viel Zeit. Unser Ziel ist es, vier Mannschaften hinter uns zu lassen. Das wird schwierig genug. Ich träume gerne, aber da müssen wir realistisch bleiben. Ich kann nur versprechen: Wir werden hart arbeiten.

Wie schwierig war es, eine neue Mannschaft zusammenzustellen?
Extrem schwierig. Wir haben ja nur zwei Stammspieler und die beiden Torhüter behalten. Wir müssen die Mannschaft jetzt Schritt für Schritt entwickeln. Klar muss aber sein: Bei jeder Entwicklung gibt es auch Stürme, das wird bei uns nicht anders sein. Wir werden nichts dem Zufall überlassen und werden vorbereitet sein, aber wir brauchen dann umso mehr ein starkes Drumherum. Die Fans werden eine entscheidende Rolle spielen, es wird mehr Stürme als in der letzten Saison geben, auch wenn wir uns mit aller Macht dagegen stemmen werden.

Wie kann man eine erneute Flut an Abgängen verhindern?
Die meisten der Spieler haben wieder nur Einjahresverträge. Natürlich bin ich dafür, perspektivisch zu arbeiten. Aber es ist eine grundsätzliche Frage des Vereins und es ist der Weg, den wir momentan gehen müssen. Man muss auch bedenken, dass wir manche Spieler anders auch nicht bekommen.

"Man darf nicht vergessen, wo Wattenscheid noch vor Jahren stand."
Farat Toku

Wie zufrieden sind Sie mit dem Kader?
Wir haben eine junge Mannschaft, mit vielen Jungs, die hier den nächsten Schritt machen wollen. Offensiv sind wir flexibel, in der Defensive würde ich mir noch eine Verstärkung wünschen, die uns sofort hilft. Dafür, dass wir nur wenig Zeit mit dem gesamten Kader hatten, haben wir sehr gut gearbeitet. Ich bin froh, diese Jungs zu haben. Sie zeigen eine große Bereitschaft, sind wissbegierig, setzen die Dinge schnell um. Die Grundstimmung im Team ist sehr gut, die Fitness stimmt, auch taktisch sind wir schon sehr weit. Natürlich wollen wir wieder die Liga überraschen und ärgern. Trotzdem müssen wir eine Hürde nach der anderen nehmen. Wir haben bei Null angefangen.

Wie erwarten Sie den Saisonstart?
Für uns wird es ein Mammutprogramm, der Start könnte holprig werden. Wir müssen die Spielidee noch richtig verinnerlichen und uns als Mannschaft finden. Für uns geht es darum, die Neuzugänge, die ja in der vergangenen Saison größtenteils gescheitert sind, in die richtige Bahn zu bringen, sie hier aufzufangen. Die Jungs müssen sich wohl fühlen. Wir wollen wieder etwas in ihnen wecken und ihre Qualität rauskitzeln, dann zahlen sie es dir dreifach zurück. Dafür müssen alle unseren Weg mitgehen. Wir müssen als Team arbeiten, müssen alles geben und dürfen nie aufgeben. Das ist eine Einstellung, die ich auch als Spieler schon verinnerlicht habe. Ich wollte immer gewinnen, das gilt nach wie vor. Und wenn ich hier verliere, verliere ich immer doppelt, da ich ein Stück weit auch Fan von diesem Verein bin.

Wie sehen Sie die Entwicklung des Vereins?
Alle arbeiten hier hart, die strukturellen Möglichkeiten zu schaffen, das spürt man. Aber es ist ein Prozess. Man darf nicht vergessen, wo Wattenscheid noch vor Jahren stand. Natürlich müssen wir immer kämpfen, uns immer verbessern, zuverlässiger in allen Bereichen werden - aber wir sind da auf einem guten Weg. Ich hoffe, das Umfeld zieht mit. In meinen Augen hat sich das Ansehen verbessert, sportlich wie hinter den Kulissen. Für mich ist 09 wie eine Familie.

Autor: Felix Kannengießer

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