Der Kreisligist hat 60 Flüchtlinge in den Verein aufgenommen und engagiert sich zudem jährlich für Kinder aus Tschernobyl. Nun braucht der Verein die Hilfe des OB, da der Platz in schlechtem Zustand ist

Kreisliga

Die Weltauswahl aus Wehofen

Friedhelm Thelen
27. Juli 2016, 09:45 Uhr
Foto: Udo Milberg

Foto: Udo Milberg

Der Kreisligist hat 60 Flüchtlinge in den Verein aufgenommen und engagiert sich zudem jährlich für Kinder aus Tschernobyl. Nun braucht der Verein die Hilfe des OB, da der Platz in schlechtem Zustand ist

Ralf Plincner ist hin- und hergerissen. Zwischen der Freude über den aktuellen Aufschwung bei Fußball-Kreisligisten Viktoria Wehofen – und der Sorge um die Zukunft des Walsumer Vereins, der in vier Jahren sein 100-jähriges Bestehen feiern will. Dabei waren die rein sportlichen Voraussetzungen gar nicht gut. Im Juni stand der Abstieg aus der Kreisliga A fest, etliche Spieler verließen den Verein. Und jetzt? Plincner hatte eine Idee, die zur Win-Win-Situation wurde. Er nahm Kontakt zum Flüchtlingsheim an der Frankenstraße auf. „Eigentlich“, sagt der Viktoria-Trainer, „dachte ich an fünf, sechs Leute, die vielleicht bei uns Fußballspielen wollen.“ Aus diesen fünf oder sechs Leuten wurden 60, von denen 30 inzwischen einen Spielerpass beim Fußball-Verband Niederrhein erhalten haben.

Ich trainiere jetzt eine Weltauswahl
Ralf Plincner, Trainer Viktoria Wehofen

„Ich trainiere jetzt eine Weltauswahl“, sagt Plincner und strahlt dabei. Iran, Irak, Syrien, Libanon, Ägypten, Nigeria, Ghana, Somalia, Uganda – das sind einige der Länder, aus denen die neuen Viktoria-Spieler stammen. „Unsere Hauptsprache ist Deutsch, unsere Behelfssprache ist Englisch“, sagt der Coach. Denn was ihn beeindruckt: „Die Jungs sind ungeheuer lernwillig.“ Das betrifft die Sprache, aber auch den Sport. An jedem Wochentag bietet Plincner Training an. Zwei Teams stellte die Viktoria, je eines in der B- und der C-Liga. Dazu noch eine Breitensport-Gruppe. „Ich habe inzwischen drei Co-Trainer. Wenn wir noch ein Team zum Spielbetrieb melden wollten, bräuchten wir noch drei Co-Trainer.“ Denn leer ist es auf der Anlage der Wehofener nie: „Die Trainingsbeteiligung liegt bei 99 Prozent.“

Plincner: „Die Jungs fühlen sich bei uns zu Hause. Unsere Biker-Nachbarn von der Brotherhood Westside Wehofen haben Fahrräder organisiert. So kommen sie zum Platz. Und die, die kein Fahrrad haben, laufen zum Training.“ Apropos Biker: Wie in jedem Jahr unterstützte der Club die Viktoria beim Tschernobyl-Tag, den die Viktoria mit dem entsprechenden Benefizverein organisiert. Kinder aus der Region um Tschernobyl sind in Duisburg zu Gast; die Viktoria und die Biker sorgen für Unterhaltung.

Platz offiziell in Dinslaken
Was die Viktoria an sozialer Arbeit leistet, erkennt auch Oberbürgermeister Sören Link, der am Samstag zu Gast war: „Der Verein macht ganz tolle Arbeit. Ich bin stolz auf Euch!“, sagte er ins Mikrofon. Nach dem offiziellen Teil sprachen Ralf Plincner und sein Bruder Uwe, 2. Vorsitzender des Vereins, mit dem OB. Der Grund: Während das Vereinsheim, die Gebäude für die Jugend, die Tribüne dank der Eigenleistung der Viktoria in hervorragendem Zustand sind, ist der Aschenplatz selbst beklagenswert. Uwe Plincner: „Uns laufen die Mitglieder weg. Andere Clubs haben Kunstrasen, wir dieses Gelände.“

Das Problem ist: Der Platz liegt offiziell in Dinslaken, 300 Meter hinter der Grenze zum Duisburger Stadtteil Walsum. Welche Kommune ist also zuständig? Das Vereinsgelände ist so genanntes Pachtvertragsgebiet der Stadt Duisburg, die es an die Viktoria weiterverpachtet. Der Vertrag mit der Stadt Dinslaken hat noch eine Laufzeit von 15 Jahren. OB Link erklärte: „Ich werde das Gespräch mit Dinslakens Bürgermeister Michael Heidinger suchen. Entweder muss der Pachtvertrag langfristig verlängert werden oder wir einigen uns auf einen Gebietstausch mit Dinslaken.“ Das war vor Jahren schon einmal im Gespräch. Außerdem gab es den OB-Rat, sich mit dem Stadtsportbund und Duisburg-Sport in Verbindung zu setzen

Autor: Friedhelm Thelen

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