Nils Quaschner hat sich als letzter der vielen Neuzugänge am 6. Juli für den VfL entschieden. Doch sein Vertragsstatus (ein Jahr Ausleihe von RB Leipzig plus Kaufoption) mag den ein oder anderen Skeptiker im VfL-Lager irritiert haben.

Nils Quaschner

"Will nicht nach einem Jahr wieder abhauen"

Ulrich Homann
16. Juli 2016, 13:14 Uhr
Foto: firo

Foto: firo

Nils Quaschner hat sich als letzter der vielen Neuzugänge am 6. Juli für den VfL entschieden. Doch sein Vertragsstatus (ein Jahr Ausleihe von RB Leipzig plus Kaufoption) mag den ein oder anderen Skeptiker im VfL-Lager irritiert haben.

Getreu dem Motto „Da ist einer auf der Durchreise“. Doch mit solchen wilden Spekulationen kann sich Quaschner überhaupt nicht anfreunden. „Ich gehe das hier nicht so an, dass ich denke ich bin ein Jahr hier und haue dann schon wieder ab. Schließlich besteht für den VfL eine Kaufoption. Und da ich meine Chance hier nutzen möchte, gehe ich mit dem Gedanken die Sache an, dass ich länger für den VfL spielen will.“

Der 22-jährige Zentrumsstürmer kommt bereits mit einer Vita, die Angreifer nicht oft vorweisen können. Quaschner, in Stralsund geboren, spielte für die DFB U16- und U17-Auswahl international. 2011 wurde er mit Hansa Rostock Deutscher U19-Meister. Auch in Österreich, wo er zunächst beim FC Liefering (2013 und 2014) spielte, gewann er Titel. Ein Jahr später wurde er mit RB Salzburg Meister und Pokalsieger. Zurück nach Deutschland, schaffte er als Vizemeister mit RB Leipzig in der abgelaufenen Saison den Aufstieg in Liga Eins und kam immerhin in 19 Ligaspielen – darunter auch in Bochum – zum Einsatz.

Dass er nun nach einem Jahr vom Aufsteiger wieder ausgeliehen wird, sieht der Stürmer keinesfalls als Rückschritt: „Natürlich war der Aufstieg in Liga Eins ein Highlight. Ich habe viel dazugelernt und war darüber hinaus froh, dass ich nach zwei Jahren in Österreich wieder in Deutschland gespielt habe.“ Trotz der namhaften Konkurrenz bei den Roten Bullen fühlte sich der Stürmer nicht als fünftes Rad am Wagen: „Ich war mittendrin und gehörte dazu.“

Warum er nun in Bochum sich weiterentwickeln will, formuliert er klar und präzise: „Ich wusste, dass die Konkurrenz in Leipzig noch größer wird, und deshalb wäre es dort für mich nicht leicht geworden. Die Überlegung daraus war: Wo komme ich sportlich weiter?“ Nils Quaschner hat sich umgeschaut, und nachdem feststand, dass der VfL Simon Terodde an den VfB Stuttgart verliert, witterte er die Chance an der Castroper Straße. „Der VfL war sofort interessiert und ich konnte vor Ort mit den Verantwortlichen reden. Ich hatte ein sehr gutes Gefühl bei den Gesprächen und deshalb bin ich jetzt hier.“

Quaschner wirkt selbstbewusst und ließ sich auch nicht dadurch irritieren, dass er bei seinen ersten beiden Einsätzen erst in Abschnitt zwei mit den überwiegend noch jüngeren Kollegen ran musste. Doch vielleicht verständlich. Schließlich konnte der Neue erst anderthalb Wochen nach Trainingsstart und nach Einigung des VfL mit RB Leipzig die Arbeit aufnehmen. Quaschner über seine Stärken: „In der Spitze - das ist meine Position. Ich habe immer direkten Zug zum Tor und will zum Abschluss kommen. Und da bin ich hier richtig, denn ein Grund für meinen Wechsel war, dass beim VfL schneller Offensivfußball gespielt wird. Ich wäre nie zu einem Team gewechselt, das reagiert anstatt zu agieren.“

Einige Situationen in fremden Stadien bereiten mir echt Kopfschütteln
Nils Quaschner über die Anfeindungen im RB-Trikot

Auf Bochum und das Vonovia-Ruhrstadion freut er sich. „Bei RB waren die Anfeindungen schon sehr extrem und ich habe als Spieler sehr viel Widerstand erlebt. Einige Situationen in fremden Stadien bereiten mir echt Kopfschütteln. In Österreich bei RB Salzburg war es viel ruhiger. Der Österreicher hat halt auch noch Skifahren.“

Tom Weilandt kennt er noch aus der Jugend von Hansa Rostock. „Als ich dort im Jugendinternat war, ist er immer nach Hause zu seinen Eltern nach Warnemünde gefahren. Ihn hier nach einigen Jahren wiederzusehen hat mich echt gefreut.“ Und so wird sich Quaschner in den nächsten drei Wochen bis zum Heimspielstart gegen Union Berlin am 6. August in die verbleibenden drei Vorbereitungswochen stürzen, um sich im Kampf um die Mittelstürmer-Position gegen die Konkurrenten Peniel Mlapa und Johannes Wurtz durchzusetzen. Sportvorstand Hochstätter: „Nils ist ein höchst interessanter junger Spieler, der bereits viel Erfahrung sammeln konnte und seine Karriere Schritt für Schritt geplant hat. Der VfL stellt nun die nächste Stufe seiner Entwicklung dar und wir werden ihm helfen, sein Potential zur Entfaltung zu bringen.“

Schlusswort Nils Quaschner: „Ich bin ehrlich happy, dass es mit dem VfL geklappt hat. Ich hatte in den Gesprächen mit den Verantwortlichen das Gefühl, dass der Verein mich unbedingt haben will, und dann passte es.“

Autor: Ulrich Homann

Mehr zum Thema

Kommentieren