Cristiano Ronaldo steht mit Portugal im Finale der EM. Lionel Messi wurde wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Viele Fans müssen ihr Urteil überdenken. Ein Kommentar.

Kommentar

Die Fans sollten Ronaldo mehr lieben als Messi

07. Juli 2016, 16:07 Uhr

Cristiano Ronaldo steht mit Portugal im Finale der EM. Lionel Messi wurde wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Viele Fans müssen ihr Urteil überdenken. Ein Kommentar.

Allein dieser an Selbstverliebtheit nicht zu überbietende Torjubel: Absprung, halbe Drehung um die eigene Achse, während der breitbeinigen Landung werden die Arme schwungvoll an den Seiten zur Hüfte geführt. Und dann diese Rallystreifen im Haar! Wahrscheinlich würde Cristiano Ronaldo mit freiem Oberkörper spielen, wenn das Reglement es denn zuließe.

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Es gibt aber auch noch einen anderen Ronaldo. Den Menschen, der locker und sympathisch mit dem Einlaufkind schäkert und nach dem Spiel den unterlegenen Gareth Bale tröstet, während sich der Rest der portugiesischen Mannschaft längst im Freudentaumel befindet.

Und schließlich ist da auch noch der Fußballer - der wohl kompletteste dieser Zeit, vielleicht sogar der beste aller Zeiten. Die Vergleiche mit Pelé und Maradona hinken, sie waren Lichtgestalten, aber zu ganz anderen Fußball-Zeiten. In dieser Ära hieß und heißt der Maßstab für Ronaldo: Lionel Messi. Der kleine Argentinier hat wohl noch genialere Einfälle, ist noch schwieriger auszurechnen und zu verteidigen. Ronaldo ist dafür körperlich stärker, schussgewaltiger und durchschlagskräftiger.

Wer von beiden nun der größere Spieler ist, das war bisher immer eine Frage des Geschmacks. Messi schien dabei stets einen moralischen Vorteil zu genießen. Der Zauberer aus Rosario wirkte auf die meisten Beobachter bodenständiger als der Gockel aus Madeira, dieser affektierte Selbstdarsteller von Real Madrid.

Viele Fußballfans sollten ihr Urteil revidieren

Das war einmal, viele Fußballfans werden ihr Urteil überdenken und revidieren müssen. Während der eine (Lionel Messi) wegen Steuerhinterziehung zu einer saftigen Bewährungsstrafe verknackt wurde, schreibt der andere (Cristiano Ronaldo) allein sportliche Schlagzeilen. Sein Kopfballtor im Halbfinale war ein Fall für Lehr- und Geschichtsbücher - und nebenbei sein neunter Treffer bei Europameisterschaften. Mehr hat keiner.

Mag Ronaldo auch ein Narzisst sein, ein schlechter Mensch ist er nach allem, was man über ihn hört, keineswegs. Das, was die meisten (auch den Autor) an "CR7" stört, sind Äußerlichkeiten.

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