Jetzt ist es raus: Deutschland muss im EM-Halbfinale gegen Gastgeber Frankreich antreten. Wie stehen die Chancen? Ein Kommentar.

Kommentar

Deutschland ist besser als Frankreich. Oder nicht?

Pit Gottschalk
04. Juli 2016, 08:24 Uhr
Foto: firo

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Jetzt ist es raus: Deutschland muss im EM-Halbfinale gegen Gastgeber Frankreich antreten. Wie stehen die Chancen? Ein Kommentar.

Nachdem Deutschland sein Trauma besiegt und Italien geschlagen hat, stellt sich die Frage jetzt umgekehrt: Besiegt Frankreich sein Trauma und schlägt Deutschland? Denn das sind wir Deutschen: Frankreichs Angstgegner. Donnerstag folgt das nächste Duell im EM-Halbfinale in Marseille. Wer hat die bessere EM-Mannschaft?

Nicht mal das beeindruckende 5:2 über Island kann den EM-Gastgeber Frankreich beruhigen. Zu oft haben die Deutschen ihre besseren Nerven in den K.o.-Spielen großer Turniere gezeigt. Vor allem in zwei Halbfinalspielen, die den Franzosen tief im Bewusstsein geblieben sind.

1982, die Schlacht von Sevilla. Damals über Jahre das spannendste WM-Spiel, seit die Knockout-Phase eingeführt wurde. Frankreich kam als Übermannschaft zum Turnier, die Deutschen als eine Truppe von Halunken, die sich mit einem 1:0 gegen Österreich in die nächste Runde gemogelt hatten. In der Verlängerung führte Frankreich schon 3:1. Das Weiterkommen schien perfekt zu sein. Dann brillierten Kalle Rummenigge und Klaus Fischer (per Fallrückzieher), Ausgleich und Elfmeterschießen, Deutschland irgendwie weiter. Die Franzosen haben das WM-Aus nie verdaut. Und Deutschland: Nie mehr hat es eine Mannschaft auf der Welt geschafft, einen zwei Tore Rückstand in der Verlängerung aufzuholen.

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Vier Jahre später, Frankreich war in der Zwischenzeit überragend Europameister geworden (mit neun Platini-Toren bei der Heim-EM) und Deutschland in der schlimmsten Fußballkrise. Wieder WM, wieder Halbfinale, diesmal in Mexiko. Franz Beckenbauer war 1986 Teamchef und „ein Suppenkasper“, wie ihn sein Torwart Uli Stein nannte. Alles schien eindeutig zu sein: Keine Chance gegen die Franzosen. Dann aber trafen Andreas Brehme und Rudi Völler, ein 2:0 — wieder war Frankreich bitter geschlagen. Jedes Kind dieser Zeit erinnert sich daran, wie Völler den Ball schnappte, übers halbe Feld lief und Frankreich ausknockte. Bis heute singen die Leute: „Es gibt nur einen Rudi Völler…“

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Darum waren die Deutschen 2014, als Frankreich im WM-Viertelfinale der Gegner war, auch so entspannt. Deutschland ist Frankreichs Angstgegner — und gewann durch das Hummels-Tor 1:0.

Jetzt also Marseille. EM-Halbfinale gegen den Gastgeber. Deutschland fehlen der verletzte Mario Gomez und der gelbgesperrte Mats Hummels, vielleicht die angeschlagenen Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger. Der französische Trainer Didier Deschamps wird nicht müde zu betonen, wer der Favorit ist: natürlich Deutschland. Nicht nur, weil wir Weltmeister sind. Sondern weil den Franzosen auch die Knie zittern. Reden wir uns das jetzt mal ein. Epochal wird das Spiel eh.

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Autor: Pit Gottschalk

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