Am Donnerstag ging es in die nächste Runde. Der Regionalligist Rot-Weiss Essen stritt vor Gericht gegen den ehemaligen Sportvorstand Uwe Harttgen.

RWE vs. Harttgen

Urteil wird am 4. August verkündet

Christian Brausch
30. Juni 2016, 12:50 Uhr
Foto: Martin Herms

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Am Donnerstag ging es in die nächste Runde. Der Regionalligist Rot-Weiss Essen stritt vor Gericht gegen den ehemaligen Sportvorstand Uwe Harttgen.

Der Ex-Profi hatte gegen seine fristlose Kündigung bei Rot-Weiss Essen Klage beim Landgericht in Essen eingereicht. Harttgen pocht auf die Fortzahlung seiner Bezüge plus Prämien bis zum eigentlichen Vertragsende am 30. Juni 2017. Das wären in der Summe rund 250.000 Euro - eine stattliche Summe für einen Regionalligisten.

RWE hatte Harttgen im März 2015 wegen eines vermeintlichen Verstoßes gegen den Dienstvertrag die fristlose Kündigung ausgesprochen. Zuvor hatte der ehemalige Bremer den Vertrag von Ex-Trainer Marc Fascher eigenmächtig verlängert. Präsident Michael Welling und der Essener Aufsichtsrat wurden über diesen Schritt nicht informiert. Vielmehr hatte der Aufsichtsrat in einer gemeinsamen Sitzung mit dem Vorstand die Verlängerung explizit abgelehnt. Dies bestreitet Harttgen. Er behauptet, den Vertrag unverzüglich an Claudia Gerig, Assistentin der Geschäftsführung von RWE, weitergeleitet zu haben.

Donnerstag um 11:30 waren dann erstmals beide Parteien anwesend. RS dokumentiert den Verlauf der Verhandlung:

11:35 Uhr: Kläger Harttgen ergreift das Wort: "Ich habe den Vertrag mit Marc Fascher an Frau Gehrig weitergegeben. Sie sollte es weiterleiten."

11:37 Uhr: Harttgen weiter: "Ich habe den Vertrag in die Unterschriftsmappe gelegt. Frau Gehrig ist dem ersten Vorsitzenden berichtspflichtig."

11:38 Uhr: Harttgen auf die Frage, was damit bezweckt wurde: "Im Dezember waren wir Erster. Da haben wir überlegt, dem Trainer den Rücken zu stärken."

11:40 Uhr: Harttgen: "Ich teilte mein Vorhaben Hülsmann und Welling mit. Es wäre ein symbolischer Akt gewesen. Hülsmann und Welling teilten mir mit, die Verlängerung sei Formsache. Danach haben wir den Schritt vollzogen."

11:42 Uhr: Harttgen: "Es war ein Risiko, das für mich völlig klar war. Ich hatte ein schriftliche Zustimmung per Mail."

11:44 Uhr: Harttgen: "Ich habe Frau Gehrig gebeten, die Sache an die Anwaltskanzlei des Vereins weiterzugeben."

11:46 Uhr: Sein Anwalt ließt eine Mail von der Sekretärin an Harttgen vor. Demnach war sie informiert. Harttgen könne die Sache kurzfristig klären.

11:48 Uhr: Welling: "Ich habe den Vertrag erstmals am 10.03. nach der zweiten Sitzung gesehen. Da haben wir gegen eine Verlängerung gestimmt."

11:50 Uhr: Essens Anwalt: "Herr Welling hat erst nach der Sitzung Kenntnis von der Verlängerung erlangt. Davor wusste niemand etwas."

11:52 Uhr: Harttgen: "Hülsmann gab mir die Zusicherung. Die sportliche Zukunft von Rot-Weiss Essen lag mir am Herzen."

11:54 Uhr: Essens Anwalt: "Anderthalb Stunden wurde diskutiert. Herr Harttgen hat nicht gesagt, dass der Vertrag schon unterschrieben war. Wunderbar!"

11:56 Uhr: Harttgens Anwalt: "Harttgen hat keine Pflichtverletzung begangen."

11:57 Uhr: Harttgen: "Ich hatte das Ok von Hülsmann und Welling. Die Verlängerung sei nur Formsache."

12 Uhr: Die Zeugin Frau Gerig tritt ein. Harttgens Anwalt bittet darum, dass Welling "aufgrund eines möglichen Blickkontakts den Saal verlässt."

12:01 Uhr: RWE-Sekretärin Gerig: "Der Vertrag ist mir bekannt. Ich habe die Änderung entworfen und an ihn versandt."

12:03 Uhr: Gerig: "Ende Februar, Anfang März gab mir Harttgen den Vertrag zurück - vor der Aufsichtsratssitzung. Herr Harttgen sagte mir, ich soll den Vorgang unter Verschluss halten, weil es durch den Aufsichtsrat müsse. Ich habe die Mappe dann in einem verschlossenen Schrank aufbewahrt. Für den Schrank haben weder Herr Welling noch Herr Hülsmann einen Schlüssel. Ich war am 10.03. als Protokollantin bei der Sitzung und habe Harttgen danach angesprochen. Er war irritiert."

12:05 Uhr: "In der Sitzung wurde beschlossen, dass aufgrund der sportlichen Sitzung von der Verlängerung abgesehen wird. Ich war dort als Protokollantin und nicht als teilnehmendes Mitglied. Zur Zeit ist der Vertrag in der Personalakte Harttgen. Nachdem bekannt wurde, dass der Vertrag verlängert wurde, hat Herr Hülsmann Einsicht erhalten."

12:15 Uhr: Frau Gerig ist seit dem 05.01.2015 bei Rot-Weiss Essen als Vorstandsassistentin angestellt. "Ich bin Herrn Welling unterstellt."

12:19 Uhr: Gerig: "Ich kam mit beiden Vorständen gut zurecht. Er hat mich nicht gebeten, den Vertrag juristisch zu prüfen. Wenn eine Unterschrift erforderlich ist, wird sie sofort eingeholt."

12:21 Uhr: Gerig redete sich eben um Kopf und Kragen. "Es gibt mehrere Unterschriften-Mappen. Der Fascher-Vertrag war unter Verschluss. Ich sollte den Vertrag unter Verschluss halten. Meine Interpretation war: auch vor Welling und Hülsmann."

12:37 Uhr: Harttgen wird nervöser. Deutet man die Aussagen des Richters, sieht es gut für RWE aus.

12:39 Uhr: Gerig: "Ich hatte nicht den Eindruck, dass Welling und Hülsmann in der Sitzung am 10.03. von einer Verlängerung gewusst hätten."

12:42 Uhr: Keine Entscheidung heute! Die Entscheidung wird erst am 28.07. verkündet!

12:50 Uhr: Nach Rücksprache mit den Anwälten wird die Verkündung auf dem 04.08. verschoben

Autor: Christian Brausch

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