Der Wahlmodus meint es gut mit Clemens Tönnies.

FC Schalke 04

Opposition soll abtreten

Pit Gottschalk /Elmar Redemann
24. Juni 2016, 23:51 Uhr
Foto: firo

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Der Wahlmodus meint es gut mit Clemens Tönnies.

Wenn die Mitglieder des FC Schalke am Sonntag in der Veltins-Arena zwei neue Aufsichtsräte wählen und damit über die Zukunft des Aufsichtsratsvorsitzenden beim Fußball-Bundesligisten bestimmen, bekommen sie zur Abstimmung eine Art Fernbedienung in die Hand gedrückt. Auf dem Gerät sind die Zahlen an den Druckknöpfen den vier Kandidaten in der Regel alphabetisch zugeordnet. 1 für An­dreas Goßmann. 2 für Peter Lange. 3 für Michael Stallmann. Und 4 für Clemens Tönnies. 4 wie Schalke 04.

Zwei bis drei Minuten wird es dauern, bis das Abstimmungsergebnis auf der Bühnenleinwand erscheint. Aber die Mitglieder dürfen nicht meinen, dass ihre Stimmabgabe den Machtkampf auf Schalke beenden wird. Die Opposition im Aufsichtsrat steht nicht zur Wahl. Über Thomas Wiese, Axel Hefer und Dr. Andreas Horn wird satzungsgemäß erst 2017 oder 2018 entschieden. Wenn es nach den übrigen Mitgliedern im Aufsichtsrat ginge: viel zu spät. Dieser Zeitung liegt ein Sitzungsprotokoll vor, das neuen Sprengstoff im Machtkampf auf Schalke liefert.

Es geht um die 116. gemeinsame Sitzung von Vorstand und Aufsichtsrat am 13. Mai auf der Geschäftsstelle des FC Schalke. Im Raum „Arena“ forderten sieben Aufsichtsräte die dreiköpfige Opposition unter Tagesordnungspunkt 7 „Verschiedenes“ unmissverständlich zum Rücktritt auf. „Gründe für dieses einstimmige Votum“, heißt es im Protokoll ziemlich unterkühlt, „sind in dem Brief (Missbilligungserklärung) erwähnt, der in der letzten Sitzung verlesen wurde.“

Mit der Rücktrittsaufforderung reagierte die Mehrheit im Aufsichtsrat auf die Angriffe der Opposition gegen Tönnies. Die drei Oppositionsführer hatten Tönnies in einem Brief vom 29. April Unfähigkeit vorgeworfen und dafür eine Missbilligungserklärung kassiert. Am Freitag berichtete FUNKE Sport vom offenen Machtkampf, der seitdem auf Schalke tobt. Unverblümt war Tönnies zu einem geordneten Rückzug nach einem Jahr Amtszeit aufgefordert worden, wenn er einstimmig wiedergewählt werden möchte. Ein einzigartiger Vorgang. Die Berichterstattung schlug hohe Wellen im Ruhrgebiet.

Die Enthüllung, dass er Tönnies zum Rückzug bewegen wollte, dementiert Dr. Horn im Gespräch mit dieser Zeitung nicht. „Ja, ich bin für ein vertrauliches Gespräch extra von Heidelberg nach Rheda zu Clemens Tönnies gefahren, um mit ihm über die Zukunft und aktuelle Situation zu diskutieren.“ Denn der Aufsichtsratsvorsitzende selbst habe von einer Goldenen Brücke gesprochen, die er brauche. „Mir geht es nicht um eine Fundamentalkritik an Clemens Tönnies“, so Horn weiter. „Wir drei wollen inhaltlich diskutieren, ein Eilausschuss kann den Gesamt-Aufsichtsrat nicht ersetzen.“ Inzwischen ermittelt der Ehrenrat gegen Horn. Über Details des Gesprächs wolle er deshalb nichts sagen. Es ginge ihm um eine „kons­truktive Zusammenarbeit“. Da pflichtet ihm sein Oppositionskollege Axel Hefer bei: „Mir ist egal, wie der Aufsichtsratsvorsitzende heißt, solange er sich satzungskonform und im Sinne des Vereins verhält.“

„Destruktive Blockadepolitik“

Mit diesen Verlautbarungen stoßen die drei Oppositionsführer in der Schalker Vereinsführung inzwischen auf taube Ohren. Finanzvorstand Peters hält ihnen „eine destruktive Blockadepolitik“ vor. Die Mehrheit im Aufsichtsrat besteht auf den Rücktritt, wie er Mitte Mai beschlossen wurde. Wie diese Zeitung aus sicherer Quelle weiß, sei eine weitere Zusammenarbeit nur möglich, wenn alle drei ihr Schreiben vom 29. April widerrufen und sich dafür, wie es heißt, öffentlich „bei Clemens Tönnies, dem Aufsichtsrat insgesamt und dem Vorstand des FC Schalke entschuldigen“. Und damit ist vor der Wahl am Sonntag nicht zu rechnen.

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Autor: Pit Gottschalk /Elmar Redemann

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