Firtinaspor Wanne war die Überraschung des Jahres in Herne. Diesmal führt der Fahrstuhl hinauf in die Landesliga.

Firtinaspor Wanne

Beim Aufsteiger klappte einfach alles

Mike Lautenschläger
23. Juni 2016, 05:07 Uhr
Foto: Windelschmidt, Joshua

Foto: Windelschmidt, Joshua

Firtinaspor Wanne war die Überraschung des Jahres in Herne. Diesmal führt der Fahrstuhl hinauf in die Landesliga.

Firtinaspor Wanne hält es seit vielen Jahren nicht lange in einer Liga. 2010, 2012 und 2015 wurde die Mannschaft von der Emscherstraße Meister der Kreisliga A, 2011 und 2014 stieg sie wieder dorthin ab. Und der Fahrstuhl bleibt weiter in Bewegung. In diesem Jahr jedoch schoss er geradezu durch die Decke. Der Firtina-Durchmarsch in die Landesliga war die Überraschung des Jahres in Fußball-Herne.

Daran muss man sich erst einmal gewöhnen am Wanner Westhafen. Firtinaspor Wanne gehört nun neben den Westfalenliga-Traditionsklubs SC Westfalia Herne und DSC Wanne-Eickel sowie Ligakonkurrent SV Sodingen zu den „großen Vier“ der Stadt. Es ist den Verantwortlichen beinahe ein Rätsel, wie das zu schaffen war. Die Konkurrenz habe die Mannschaft wohl in der Kalkulation zu lange außer Acht gelassen, mutmaßt man. „In der Rückrunde wurde es zum Selbstläufer“, blickt Vereinssprecher Steffen Baum zurück. „Und es gehörte auch eine gehörige Schüppe Glück dazu“, so Erfolgscoach Cevdet Zorel.

Der Trainer, der eine klare Sprache zu sprechen pflegt, gibt zu, dass er die Zukunft mit der A-Liga-Meistermannschaft plus den Neuzugängen 2015 gar nicht so sehr rosig gesehen hatte. Man wollte bloß nicht schon wieder sofort absteigen. In den ersten vier Spielen trennte man sich dreimal 1:1 und gewann in Kaltehardt. Dann geriet die Mannschaft richtig ins Rollen. Gegen Kornharpen kassierten die Zorel-Jungs die einzige Hinrunden-Niederlage. Begünstigt durch fünf Zähler am grünen Tisch ging Firtina schließlich nur mit einem Drei-Punkte-Rückstand auf Neuruhrort überraschend als Top-Verfolger in die Winterpause.

In Wanne reiften so über den Jahreswechsel Gedanken, dass man in der Spitzengruppe bestehen könnte. Die schweren Verletzungen von Zacharias und Cagdas hatte man weggesteckt, mit Ayoub Medkouri von Wanne 11 gelang ein echter Transfer-Coup und auch Ex-SVS-Routinier Ertan Kaya warf nun seine Erfahrung immer wieder in die Waagschale. Allen voran aber wirbelte das magische Dreieck aus Torjäger Serdar Kutucu, Spielmacher Anil Yilmaz und einem Erdal Bastürk, dem im Vergleich zu den Vorjahren endlich der ersehnte Leistungssprung gelang.

Ergebnis großartiger Teamarbeit

Zum Jahresauftakt schnupperte Firtina erstmals an der Spitzenposition. Und Mitte März dann eroberte die Mannschaft endgültig Platz eins, den sie nach dem 2:0 über Altenbochum auch nicht mehr hergab. Firtina feierte Sieg um Sieg, diszipliniert bis zum Ende. In den letzten fünf Partien, darunter das Derby gegen Fortuna Herne und das wohl schwerste Auswärtsspiel auf dem tiefen Rasen in Kornharpen, überstanden die Wanner auch die riskante Phase unbeschadet, in der mit Kocakaya, Bastürk, Özbek und Akdas gleich vier Spieler von einer Gelb-Sperre bedroht waren.

Es passte einfach alles. Firtinaspor Wanne verteidigte Platz eins bis zum Schluss und feierte so den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Dass die zweite Mannschaft zeitgleich in die Kreisliga A aufsteigen konnte, machte das große Firtina-Jahr 2016 perfekt. Ein Ergebnis großartigen Teamworks. Der Erfolg hat dabei viele Namen, einen wollte Cevdet Zorel aber doch genannt haben. „Was Özcan Teke leistet, das ist unbezahlbar“, so der Trainer über den Geschäftsführer, den Strippenzieher des Großen Ganzen. Aus diesem Erfolgspaket will nun auch Zorel nicht (mehr) ausscheren. „Eigentlich wollte ich eine Pause einlegen“, so der Coach nach nun vier Meisterschaften in seinen sieben Trainerjahren. Die Landesliga jedoch soll nun eine Bonussaison werden – in vollem Bewusstsein, dass der Fahrstuhl vielleicht auch unmittelbar wieder umkehrt.

Autor: Mike Lautenschläger

Mehr zum Thema

Rubriken

Kommentieren