Die Polen sind nach Frankreich gereist, um Geschichte zu schreiben. Und das gelingt der Mannschaft von Trainer Adam Nawalka bis dato sehr gut.

Waldoch über Polen

"Kein Geheimfavorit mehr"

Krystian Wozniak
25. Juni 2016, 08:07 Uhr
Foto: firo

Foto: firo

Die Polen sind nach Frankreich gereist, um Geschichte zu schreiben. Und das gelingt der Mannschaft von Trainer Adam Nawalka bis dato sehr gut.

Nach 42 Jahren gewannen die Osteuropäer zum ersten Mal bei einem großen Turnier ein Auftaktspiel. Der 1:0-Sieg über Nordirland war sogar der allererste Sieg überhaupt bei einer Europameisterschaft. Im Achtelfinale geht es am Samstag (15 Uhr) gegen die Schweiz - eine Art Wunschgegner. "Ich glaube, dass sich die Schweizer nicht unbedingt freuen, dass sie gegen uns ran müssen. Polen muss man bei dieser EM zunächst schlagen. Shaqiri hat ja auch in einem Interview gesagt, dass er lieber gegen Deutschland statt Polen spielen würde. Wir haben uns großen Respekt verschafft", sagt Tomasz Waldoch. Der 45-jährige ehemalige Bundesligaspieler des VfL Bochum und FC Schalke 04 geht sogar noch einen Schritt weiter: "Gegen uns muss man erst einmal ein Tor schießen. Die Abwehr steht sehr gut. Wir lassen wenige Chancen zu, das haben auch die Deutschen gesehen."

Geht es nach dem 74-maligen Nationalspieler, dann ist für Polen im Achtelfinale noch längst nicht Endstation. Der Turnierbaum spricht für die Auswahl der weiß-roten Adler. Der in Bochum lebende Waldoch, der noch heute im Jugendbereich für den FC Schalke arbeitet, war vor dem Turnier noch vorsichtig optimistisch, mittlerweile hält er nichts mehr für unmöglich. "Polen ist kein Geheimfavorit mehr. Jeder hat gesehen, was die Mannschaft drauf hat. Wir spielen vielleicht keinen berauschenden Fußball, aber dafür einen erfolgreichen. Wir haben ein tolles Kollektiv."

In den drei Vorrundenspielen unterstrichen die Polen eindrucksvoll, dass die Elf nicht nur aus Superstar Robert Lewandowski besteht. Plötzlich blühen die Flügelflitzer Jakub Blaszczykowski und Kamil Grosicki auf. Im Angriff erarbeitet sich Arkadiusz Milik gute Torchancen. Im Zentrum ist Grzegorz Krychowiak, der von Paris St. Germain umworben wird, die ordnende Hand. Geht es nach Waldoch, dann hat aber Lewandowski, der sein letztes Länderspiel-Tor im November beim 4:2-Erfolg über Island schoss, sein letztes Wort noch längst nicht gesprochen: "Er wird in diesem Turnier noch treffen, da bin ich mir sicher. Ich hoffe, dass er sich das Tor für einen späten Zeitpunkt aufhebt. Vielleicht am 10. Juli im Finale gegen Deutschland." Die Polen sind in Frankreich, um Geschichte zu schreiben.

Autor: Krystian Wozniak

Kommentieren