Mit Sunay Acar tritt eine Klub-Legende beim VfB Homberg ab und bleibt dem Verein doch erhalten. Zuletzt waren Spiele für ihn nur mit Schmerz-Tabletten möglich.

VfB Homberg

Der Mann mit dem Deckel-Vertrag

Thomas Tartemann
22. Juni 2016, 07:57 Uhr
Foto: Michael Ketzer

Foto: Michael Ketzer

Mit Sunay Acar tritt eine Klub-Legende beim VfB Homberg ab und bleibt dem Verein doch erhalten. Zuletzt waren Spiele für ihn nur mit Schmerz-Tabletten möglich.

Sunay Acar und der VfB Homberg: Diese Geschichte besitzt eine gehörige Portion Fußball-Romantik. Der 37-jährige Mittelfeldspieler beendete seine aktive Laufbahn jetzt bei dem Klub, bei dem er sie vor 31 Jahren begonnen hatte. Zwischenzeitlich kehrte der ehrgeizige Balljäger seinem Herzensverein zwar den Rücken, um sein Glück in Wattenscheid oder Passau zu suchen, aber die erste Adresse war letztlich auch die besete für ihn. „Der VfB ist etwas ganz Besonderes. Es ist nicht auszuschließen, dass ich irgendwann mal auf der Tribüne des PCC-Stadions sitze. Als Rentner“, lacht Acar.

Im Rentenalter ist der Mitarbeiter einer Flughafen-Securityfirma jetzt noch lange nicht. Zwar hängt er die aktive Laufbahn an den Nagel, aber dem VfB Homberg bleibt Acar in anderer Funktion erhalten. Zusammen mit Jürgen Spicker betreut er ab dem 9. Juli die gelb-schwarze Reservemannschaft in der Kreisliga A. „Ich werde jetzt nach und nach meine Trainerscheine machen, werde bei unserem Oberliga-Coach Stefan Janßen mal reinschnuppern und will versuchen, langsam in diesem Geschäft Fuß zu fassen. Der Verein hat mir immer geholfen, war immer für mich da. Deswegen gab es auch gar keine andere Option für mich“, betont der Familienvater.

Acar schloss seine Verträge mit den Homberger Machern Thomas Bungart, Wolfgang Graf sowie Frank Hildebrandt immer auf dieselbe Weise ab. „Per Handschlag. Nur einmal lief es anders. Da haben wir ein paar Zahlen auf einem Deckel notiert. Egal, ob schriftlich oder mündlich: Der VfB hat sich an alle Absprachen gehalten. Ich habe das bei mehreren Klubs auch anders erlebt.“

Egal, ob schriftlich oder mündlich: Der VfB hat sich an alle Absprachen gehalten.
Sunay Acar über seine Vertragsverhandlungen

Sowohl zu seiner Zeit bei Schwarz-Weiß Essen als auch im weit entfernten bayerischen Passau floss das Geld eher spärlich. „Da sind Zahlungen komplett ausgeblieben. Ich weiß, was ich am VfB Homberg habe“, so Acar.

Das letzte aktive Fußballjahr war für den Routinier ein mitunter schmerzhafter Prozess. „Es gab Trainingstage, an denen mir wirklich alles wehtat, aber es hat immer Spaß gemacht. Es kam zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf. Unter Trainer Stefan Janßen, mit dem ich mich einige Male in der Wolle hatte, bin ich fußballerisch nochmal weiter gekommen.“ Irgendwann erreichte die Zusammenarbeit die im Fußball neben ausgeprägtem Teamgeist höchstmögliche Basis.

„Der Abschied war einfach genial“

Acar ging – genau wie die komplette Mannschaft – für den Trainer durchs Feuer. „Vor unserem Heimspiel gegen Kleve hatte ich hohes Fieber. Ich habe mit dem Coach gesprochen, mir Aspirin eingeworfen und eine Stunde durchgehalten.“ Der Abräumer musste sich noch auf dem Platz übergeben. Zuletzt sendete der Körper immer deutlichere Signale aus. Acar warf sich drei Voltaren ein – und spielte. Seine Bilanz: 28 Einsätze, acht Tore, zehn Assists. Und ein Aufstieg.

„Gott hat es gut mit mir gemeint. Dass ich mit dem VfB so einen tollen persönlichen Abschied feiern konnte, war genial. An diese Saison werde ich mich immer mit einem Lächeln erinnern.“ In der neuen Saison wird Acar noch einen Kurzauftritt in der Oberliga haben. Das hat ihm Coach Janßen zugesichert. Danach ist aber wirklich Schluss.

Autor: Thomas Tartemann

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