Revier: Amateurtrainer unter Druck - Trend oder Einzelfälle?

Kehrtwende in Derne

Felix Guth
20. September 2006, 16:56 Uhr

Das alljährliche Trainerkarussell – in den Bezirksligen des Reviers kam es in den ersten Saisonwochen schon mächtig in Fahrt. Die Staffel 8 erlebte nun das vorerst spektakulärste Kapitel: Beim SuS Derne nahm Trainer Holger Tremblau am Dienstag wieder Abstand von seinem Rücktritt, den er nur fünf Tage zuvor verkündet hatte. revierkick.de zeichnet die Chronologie der Ereignisse nach und zeigte weitere Beispiele, wo Vereine früh die Geduld verloren.

Donnerstag, 14., September:

Die mäßig gestarteten Derner treten in einem Testspiel gegen A-Ligist BV Lünen 05 an, gewinnen mühsam mit 1:0. Die schwache Leistung ruft den Vereinsvorsitzenden Gisbert Dankowski auf den Plan. „Ein sehr impulsiver Mensch“, wie Holger Tremblau anmerkt. Lautstark macht Dankowski noch während des Spiels seinem Unmut über die Mannschaft Luft. „Das war nicht das erste Mal, dass er so etwas gemacht hat. Die Ereignisse überschlugen sich einfach“, sagt der Derner Trainer. Spontan und aus dem Bauch heraus kommt Tremblau zu dem Entschluss, nach drei überwiegend erfolgreichen Jahren die Brocken hinzuwerfen. Er unterrichtet die Mannschaft von seiner Entscheidung, zu einem Gespräch mit dem Vorstand kommt es aber vorerst nicht. Die Klub-Spitze geht zunächst weiter davon aus, dass Tremblau das Team auch beim Ligaspiel in Lünen betreut.

Sonntag, 17. September:

Derne tritt bei Aufsteiger VfB Lünen 08 an – ohne Tremblau. Präsident Dankowski und der Sportliche Leiter Wilfried Guth coachen die Mannschaft, die aber vom Trainer noch auf die Partie eingestimmt wurde. Die SuS-Spieler geben die einzig richtige Antwort auf die Querelen und fahren beim 2:0 den zweiten Saisonerfolg ein. „Das war für mich ein Zeichen, dass ich weitermachen würde, falls ein Signal vom Vorstand kommt“, sagt Tremblau. Auf dieses Signal musste er nicht lange warten.

Montag, 18. September:

Während die Lokalpresse den zweiten Trainerwechsel in der Staffel 8 verkündet, ist man in Derne schon wieder einen Schritt weiter. Als Tremblau mit dem Ziel sich von der Mannschaft zu verabschieden auf dem Vereinsgelände am Derner Plümersort eintrifft, ist der Vorstand schon da. In einem langen Gespräch gewähren die Funktionäre dem Trainer die fällige Entschuldigung und sprechen ihm das Vertrauen aus. Nun liegt die Entscheidung beim Trainer. Der kommt bei dieser Entscheidung zwischen Kopf und Bauch gewaltig ins Grübeln. „Ich gehe auf jeden Fall zum Training. Die Frage ist nur ob mit oder ohne Sporttasche“, beschrieb er am Dienstagnachmittag den Stand der Dinge.
Mittwoch, 20. September:

Er ging mit Tasche. Beim Dienstagstraining gab Tremblau schon wieder Kommandos: Der Coach macht weiter. „Es war ein sehr gutes und überfälliges Gespräch. Und auch aus der Mannschaft kam sehr viel“, sagt er. Nach diesem „Kommunikationsproblem“ hofft er nun, in Ruhe auf dem ersten Saisonsieg aufbauen zu können. „Vielleicht war es ein Knall zur rechten Zeit.“

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Autor: Felix Guth

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