Dass die Frage nach seinem kleinen Fehlgriff und den Schweißflecken unterm Arm vom Spiel gegen die Ukraine kommen würde, hatte Joachim Löw geahnt.

Gegen Polen

Mario G. oder Mario G.?

Jörn Meyn
16. Juni 2016, 05:07 Uhr
Foto: firo

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Dass die Frage nach seinem kleinen Fehlgriff und den Schweißflecken unterm Arm vom Spiel gegen die Ukraine kommen würde, hatte Joachim Löw geahnt.

Und deshalb hatte der Bundestrainer am Mittwoch auch einen kleinen Witz mitgebracht, als er zur Abschluss-Pressekonferenz vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Polen an diesem Donnerstag (21 Uhr) im Stade de France von Paris erschien. Löw sagte: „Ich werde diesmal eher ein hellgraues als ein dunkelgraues T-Shirt anziehen.“ Da sieht man die Flecken nicht so gut. Und die andere Sache? Abgehakt. Es gibt wichtigere Fragen zum EM-Spiel.

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Allzu viele Argumente für eine Weiterbeschäftigung in der Startelf hat Mario Götze gegen die Ukraine nicht geliefert. Der 23-Jährige hatte nicht nur die wenigsten Ballkontakte (44). Auch fast die Hälfte des ersten Durchgangs mied ihn das Spielgerät komplett – zwischen der 18. und der 37. Minute. Man darf also getrost behaupten, dass diese Partie am Finaltorschützen der WM vorbeigelaufen ist, ohne sich sonderlich für ihn zu interessieren.

Löw findet in seinem Spieler-Sortiment zwar einen weiteren Angreifer mit dem Namen Mario G. Doch dass Mario Gomez gegen die Polen beginnt, ist dennoch unwahrscheinlich: Götze zeigte im September beim bisher letzten Spiel gegen die Polen seine seit langem beste Leistung im Nationaltrikot: Beim 3:1 traf er zweimal. Löw hielt sich am Mittwoch noch bedeckt: „Ich habe Götze nicht so schlecht gesehen“, sagte er. „Gomez trainiert sehr gut. Beides würde sehr gut passen gegen Polen.“ Doch Löw ist auch ein besonderer „Vertrauer“: Nie in seinen vier Turniern als Cheftrainer änderte er die Startelf zum zweiten Spiel. Er sagte deshalb, Gomez sei zu bevorzugen, wenn man den Sturm mit Flanken füttern kann, und Götze, wenn das Spiel durch die Mitte kommt. Löw: „Beide haben ihre Qualität. Ich entscheide da auch nach meinem Bauchgefühl.“

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Vielleicht lag es daran, dass Deutschland der gemeine Fluch des zweiten Turnierspiels befallen hat. Bei der EM 2008 folgte nach einem 2:0 gegen Polen ein 1:2 gegen Kroatien, 2010 bei der WM nach einem 4:0 gegen Australien ein 0:1 gegen Serbien, und in Brasilien 2014 gab es nach dem 4:0 gegen Portugal zum WM-Auftakt ein 2:2 gegen Ghana. Nur für die EM 2012 hatte der Fluch kein Ticket: Nach dem 1:0 gegen Portugal schlug Deutschland auch die Niederlande mit 2:1. Beim DFB haben sie beantragt, dem Fluch die Einreise nach Frankreich zu verweigern. „Vielleicht waren wir uns früher manchmal zu sicher“, sagte Sami Khedira. „Diesmal sind wir fokussiert.“

Nachdem die Polen im Oktober 2014 erstmals überhaupt gegen Deutschland gewonnen haben (2:0) und am Sonntag auch ihr erstes EM-Endrundenspiel gegen Nordirland, strotzt das Team von Nationaltrainer Adam Nawalka vor Selbstvertrauen. „Wir spielen nicht auf einen Punkt. Das wäre uns und unseren Fans nicht würdig. Wir werden auf Sieg spielen“, sagte Mittelfeldmann Grzegorz Krychowiak. Und auch die 33 Tore in der EM-Qualifikation lassen Polen gute Laune haben: Kein Team traf öfter. Löw ist vor allem vom schnellen Umschaltspiel der Polen beeindruckt: „Polen hat eine der stärksten Mannschaften im Konter, die ich in den letzten zwei Jahren gesehen habe“, sagte der 56-Jährige.

Autor: Jörn Meyn

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