Ein Kreuzritter verteidigt Europa mit dem Schwert, während im Mittelmehr Flüchtlingsboote zu kentern drohen.

EM

Angst vor polnischen Hooligans

Ronny Blaschke
16. Juni 2016, 08:09 Uhr
Foto: firo

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Ein Kreuzritter verteidigt Europa mit dem Schwert, während im Mittelmehr Flüchtlingsboote zu kentern drohen.

Mit diesem Motiv protestierten Ultras von Slask Breslau auf einer Choreografie gegen die angebliche „Islamisierung“ in Polen. Die Uefa bat Vereine in europäischen Wettbewerben um Spenden aus Ticketeinnahmen. Fans von Lech Posen riefen zum Boykott gegen die Kampagne auf. Und so kamen statt den üblichen 20000 nur 8000 Zuschauer. Und bei Legia Warschau skandierten Zuschauer: „Herumirrende Schafe. Willkommen in der Hölle“. „In Polen vollzieht sich ein beängstigender Rechtsruck“, sagt der Extremismusforscher Rafal Pankowski, der die polnische Fanszene seit mehr als zwei Jahrzehnten beobachtet. Diese feindliche Stimmung gegen Flüchtlinge wurde in fast allen Fanszenen deutlich. „Die meisten Ultras bestärken das nationalkonservative Klima. Leider gibt es im Fußball kaum Protest.“ Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf die EM in Frankreich, wo Polen am Donnerstag gegen Deutschland und am Montag gegen die Ukraine antritt?

Fanforscher sieht Restrisiko bei EM

„Ich denke, dass nicht viele rechtsextreme Fans anreisen werden, aber einige fahren bestimmt“, sagt Pankowski. „Wir gehen nicht davon aus, dass es in den Stadien zu Ausschreitungen kommen wird. Aber in Frankreich leben viele Menschen mit afrikanischen und arabischen Wurzeln, auch um die Stadien herum. Ich hoffe nicht, dass es dort zu tragischen Vorfällen kommt. Aber das Risiko besteht.“
Rafal Pankowski forscht am Collegium Civitas in Warschau. 1996 gehörte er zu den Gründern der Initiative „Nigdy Wiecej“, auf Deutsch: „Nie Wieder“. Mit Blick auf die EM 2012 legte die Organisation eines der breitesten Programme des europäischen Fußballs auf, unterstützt von Uefa und dem europäischen Netzwerk Fare („Football Against Racism in Europe“). Seitdem sei die Unterstützung für Prävention zurückgegangen, erzählt Pankowski. „Leider hat uns der Polnische Fußballverband bei der Arbeit eher behindert statt geholfen.“ Verbandschef Zbigniew Boniek, einer der besten Spieler in Polens Geschichte, freute sich über den Wahlsieg der rechtspopulistischen Partei „Recht und Gerechtigkeit“ und veröffentlichte auf Twitter ein Foto von Jacek Purski, einem der prägenden Köpfe von „Nie Wieder“. Dazu platzierte er den Verweis zu einem rechten Magazin. Es folgten Beleidigungen und Drohungen gegen Purski.

Sogar Lewandowski angefeindet

In diesem Klima gibt es keine polnische Fangruppe, die sich gegen Rechts positioniert. Stattdessen offene Hetze: Posener Fans zeigten zum Beispiel ein Plakat mit dem Schriftzug „Die Pila-Legion – Das Blut unserer Rasse“. Das Zitat stammt von der rechtsextremen Band „Konkwista88“.

Die Mehrheit der Stadionzuschauer nimmt solche Schmähungen gleichgültig hin, wohl auch aus Furcht vor den mächtigen Ultras.
Regelmäßig werden in Polen Geldstrafen gegen Vereine verhängt, regelmäßig werden Tribünen fürs Publikum geschlossen. Seit langem findet die Partei „Recht und Gerechtigkeit“ von Jaroslaw Kaczynski freundliche Worte für die „patriotischen Signale“ der Ultras. Und es geht noch weiter.

Die antieuropäische Parlaments-Abgeordnete Krystyna Pawlowicz stellte kürzlich die „nationale Loyalität“ von Robert Lewandowski infrage, schließlich werde der Stürmer von einem deutschen Klub bezahlt, dem FC Bayern. Lewandowski war einer von wenigen polnischen Spitzensportlern gewesen, die sich für eine humane Flüchtlingspolitik ausgesprochen hatten.

Autor: Ronny Blaschke

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